Bedrohter Saviano: Appell von Nobelpreisträgern an Italien

Seit Roberto Saviano die Machenschaften der Mafia aufdeckte, muss er um sein Leben fürchten. Grass, Fo, Gorbatschow, Pamuk, Montalcini und Desmond Tutu richteten einen Appell an den Staat: Italien müsse Saviano schützen.

Roberto saviano in einer Talkshow
Roberto saviano in einer Talkshow
(c) EPA (GUIDO MONTANI)

In "Gomorrha" deckte der Schriftsteller Roberto Saviano die Wirtschaftspraktiken der neapolitanischen Mafia Camorra auf. Das Buch entwickelte sich zum Bestseller, Saviano selbst erhält Todesdrohungen und muss seit zwei Jahren unter Polizeischutz leben. Der Schutz, den ihm der italienische Staat gibt, könnte nicht ausreichen, sein Leben zu schützen: Die Camorra habe noch vor Weihnachten einen Anschlag auf den Schriftsteller und die ihn bewachenden Polizisten geplant, berichteten italienische Medien. Angesichts der Drohungen machen mehrere Nobelpreis-Träger für den Autor mobil. Die römische Tageszeitung "La Repubblica" veröffentlichte am Montag einen Appell der Nobelpreisträger Günter Grass, Dario Fo, Mikhail Gorbatschow, Orhan Pamuk, Rita Levi Montalcini und Desmond Tutu für den jungen Schriftsteller. Der Staat müsse alles tun, um Saviano zu schützen und die Camorra zu besiegen.

Drohungen der Mafia-Paten

"Saviano ist in seiner Freiheit, in seiner Autonomie als Schriftsteller bedroht. Ein junger Autor, der um das organisierte Verbrechen ermittelt und seine Struktur enthüllt hat, ist gezwungen, sich zu verstecken, während die Camorra-Paten ihm aus den Gefängnissen Morddrohungen schicken. Der Staat muss alles unternehmen, um Saviano zu schützen. Sein Fall ist nicht nur ein Problem für die Polizei, sondern ein Problem für die Demokratie. Die Freiheit Savianos betrifft uns alle als Bürger", hieß es im Appell der Nobelpreisträger.

Der 29-jährige Saviano will Italien verlassen. Er fühle sich als Gefangener der Camorra die ihn zwinge, aus Sicherheitsgründen unter Polizeischutz zu leben, hatte er vergangene Woche betont. Der britische Autor Salman Rushdie, der nach Erscheinen seines Romans "Die satanischen Verse" zehn Jahre lang im Verborgenen leben musste, hat sich mit Saviano solidarisch erklärt. Rushdie riet Saviano, Italien zu verlassen und sehr sorgfältig seinen neuen Wohnsitz zu wählen. Die neapolitanische Mafia sei gefährlicher als die Fatwa, mit der der iranische Ajatollah Khomeini im Jahr 1988 die Muslime aufgerufen hatte, Rushdie zu töten.

Berlusconi: "Werden Mafia ausmerzen"

Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte am Donnerstag an den Schriftsteller appelliert, sich von der organisierten Kriminalität nicht einschüchtern zu lassen und mit der Literatur seinen Kampf gegen die Mafia fortzusetzen. Berlusconi bekräftigte auch am Freitag seine feste Absicht, die organisierte Kriminalität zu bekämpfen. "Wir werden die Mafia in diesem Land ausmerzen. Wir müssen Süditalien von der Kriminalität befreien. Mit dem Innenministerium arbeiten wir an einer neuen Offensive gegen die Mafia, die wir bald vorstellen werden", so Berlusconi.

Am Freitag nahm Saviano für "Gomorrha" den Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste internationale Literaturverfilmung entgegen.

 

(Ag.)

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