Hans Moser in der Nazi-Zeit: Streit um Franzobel-Stück

Der Autor und die FP-Kultursprecherin liefern sich einen Schlagabtausch: Die FPÖ wehrt sich gegen die Entthronung des Volksschauspielers, Franzobel sucht den Spagat zwischen Mut und Mitläufertum.

Franzobel
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(c) Michaela Bruckberger

Das Stück "Moser oder Die Passion des Wochenend-Wohnzimmergottes", dessen Uraufführung das Wiener Theater in der Josefstadt für den 25. Februar 2010 ankündigt, hat zu einem offenen Briefwechsel zwischen der Kultursprecherin der FPÖ, Heidemarie Unterreiner, und dem Autor Franzobel geführt.

"Nazizeit brachte ihn steil nach oben"

Anlass ist die angekündigte Behandlung der Karriere des Volksschauspielers (1880-1964) in dem Stück. "Die Nazizeit brachte ihn, den Unpolitischen, steil nach oben", schreibt Franzobel in einem Voraustext, "Ich sehe in Hans Moser eine große Kulminationsfigur des 20. Jahrhunderts. An ihm lassen sich Hoffnungen und Ängste, Couragiertheit und Durchlavieren zeigen, Macht und Ohnmacht des Einzelnen in den Mühlen der Geschichte."

"Sie geißeln ihn als Feigling und Mitläufer der Nationalsozialisten um - wie Sie sagen - das Verhalten der Österreicher anzuprangern, indem Sie zeigen wie weit sich jemand anpasst, um der Zeit zu entsprechen und nicht die Karriere zu gefährden", schrieb Unterreiner am Donnerstag an den "sehr geehrten Herrn Franzobel".

"Sehen sie sich in der Gegenwart um"

Dies sei "zweifellos ein interessantes Unterfangen. Nur, warum müssen Sie Hans Moser vom Sockel stoßen um dieses Thema umzusetzen?", so Unterreiner. "Sehen Sie sich doch auch einmal unter den 'meistbeschäftigten' Künstlern der Gegenwart um! In Ihrem Umfeld gibt es sicher genug Personen, die sich durch ein 'politisch korrektes' Verhalten auszeichnen."

In einem offenen Antwortbrief des Autors heißt es u.a.: "Hans Moser, den ich schätze und liebe, wird keineswegs, wie Sie befürchten, 'vom Sockel gestoßen'", schreibt Franzobel. "Vielmehr geht es, woran Sie Gefallen finden sollten, um die Verteidigung des monolithischen Österreichertums in einer uniformen gleichmacherischen Welt (Assoziationen zur EU sind angebracht)."

"Spagat zwischen Rückgrat und Überleben"

Das Stück spiele in der Gegenwart, so Franzobel, "und Sie können sicher sein, dass ich in meiner allernächsten Umgebung, nämlich in mir selbst, recherchiert habe, wie für einen manchmal auch feigen, manchmal auch bequemen und eitlen, manchmal aber auch mutigen Menschen so ein Spagat zwischen Überleben wollen und Rückgrat zeigen, zwischen Anpassung und Widerstand gegenüber einer menschenverachtenden, Hass predigenden, kleingeistigen Politik, wie sie gerade von Ihrer Partei häufig beworben und betrieben wird, möglich ist."

Franzobels Fazit: "Es geht also um den Hans Moser in mir, in uns und darum, wie man sich anständig gegenüber einer Partei wie der Ihren, wenn sie an der Macht ist, verhält."

"Platt, sehr platt, Herr Franzobel"

Unterreiner antwortete am Freitag ebenfalls in einem offenen Brief: "Mit großer Enttäuschung ob ihrer Sachlichkeit, habe ich ihr Einstimmen in das Gehabe der subventionieren Staatskünstler feststellen müssen. Ich hätte mir mehr erwartet als das üblicher Krakele simpler FPÖ-Hasser. Platt, sehr platt, Herr Franzobel", schreibt die FP-Kultursprecherin.

"Wenn Sie Ihr Schreiben selbst ernst nehmen und überdenken, dann sollten Sie Sich die Frage stellen, wie Sie es fertig gebracht haben die beiden Regierungen an der die FPÖ beteiligt war, unbeschadet zu überstehen", heißt es in dem Brief. "Ich hätte mir von Ihnen auch mehr Kreativität und Esprit erwartet, als die abgedroschene Faschismuskeule gegen die FPÖ zu schwingen." Die Debatte mit dem Autor möchte Unterreiner fortsetzen.

 

(APA/Red.)

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