Lesezeit: Kinderbuch der Woche

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Manches kann man nicht erklären, es ergibt keinen Sinn. Etwa wenn die beste Freundin, die gut schwimmen kann, im Meer ertrinkt. "Manchmal passieren Dinge einfach", hört die 12-jährige Suzy von ihrer Mutter - aber das kann sie nicht akzeptieren. Und weil sie höchst wissenschaftlich denkt, sucht sie nach einer kaum sichtbaren, giftigen Quallenart, die der Grund sein könnte, warum das Herz der Freundin nur 412 Millionen Mal schlagen durfte.

Sie ist tieftraurig und schön, diese Geschichte von Freundschaft, Verlust und Akzeptanz. Mit „Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren“ debütierte die US-Autorin Ali Benjamin, der einfühlsame Roman wurde für den National Book Award nominiert und rasch zum Bestseller. Ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen will, wenn man einmal damit begonnen hat.

Alter: Ab 12 Jahren.
Erschienen im Hanser Verlag, 240 Seiten, € 17,50.

Kurzrezensionen von Rosa Schmidt-Vierthaler >>>

(c) Hanser Verlag
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Aus dem Frühjahrsprogramm: Röntgenblick für Achtjährige

Der tiefe Blick in den menschlichen Körper ist nicht jedermanns Sache. Wenn man ein hübsches Auge vor sich hat, die Papierklappe hebt und dahinter der ganze Augapfel erscheint, gehalten von dicken Muskelsträngen, und unter der nächsten Klappe noch die Nervenbahnen, Hornhaut, Linse und Iris, kann das schon leicht gruselig sein. Oder faszinierend, je nach Geschmack.

Die Illustratorin Hélène Druvert deckt in "Anatomie" Schicht für Schicht auf, was dem Auge abseits der Seziersäle verborgen ist. Durch filigrane Scherenschnitte oder Klappen bekommt man Zugang zu den inneren Organen, zum Blutkreislauf oder dem Nervensystem. Filigran bedeutet: nur für bedächtige Kinderhände bestimmt. Die feine Ästhetik des Buches ist jedenfalls einzigartig, Eltern können sie aber vielleicht besser schätzen als Kinder.

Alter: ab 8 Jahren
Erschienen bei Gerstenberg, 40 großformatige Seiten, 26 €.

 

(c) Gerstenberg
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Rätselraten um Bücher

Mr Griswold, ein älterer Herr mit Spazierstock, wurde von Unbekannten angegriffen und liegt nun im Koma. Das schockiert die vielen Fans seiner Bücherjagd - einem ausgeklügelten Spiel, bei dem Leute ihre Bücher verstecken und Hinweise im Netz posten. Emily, neu in der Stadt, ist eine der Codeknackerinnen und findet einen besonderen Hinweis.

"Mr Griswolds Bücherjagd" ist eine Mischung aus Schnitzeljagd und Krimi, ein detektivisches Vergnügen. Mit ihrem Debütroman landete Jennifer Chambliss Bertman wochenlang in der New York Times-Bestsellerliste. Übrigens handelt es sich um eine Trologie: Zwei weitere Bände folgen bald.

Alter: ab zehn Jahren. Erschienen bei Mixtvision. 361 Seiten, € 15,40.

 

(c) Mixtvision
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Ein "neues" Buch von Mark Twain

Mark Twain war vor allem auch ein Vater. Und, wenn man den Überlieferungen glauben darf, ein sehr liebevoller. Er dachte sich (auch spontan) immer wieder Geschichten für sie aus, die lange als verloren galten, doch 2011 wurde im Nachlass auf der Suche nach Rezepten ein handgeschriebenes Manuskript vom "Verschwinden des Prinzen Oleomargarine" gefunden. Das Gerüst der märchenhaften Erzählung setzte nun das hoch angesehene Künstlerduo Philip und Erin Stead um: Philip Stead macht dabei Mark Twain zu seinem Freund, der ihm kürzlich drei Viertel der Geschichte erzählte.

Ein wenig skurril geht es darin durchaus zu, erzählt wird mit vielen Umwegen und kleinen Zwischengesprächen: Der einsame Johnny kommt, nur in Begleitung seines Huhns (das nach einem Lieblingsfluch des Großvaters Pest und Hungersnot heißt), in den Besitz einiger magischer Samen. Diese ermöglichen es ihm, mit Tieren zu sprechen. Wodurch er sich schließlich auf die Suche nach dem verschwundenen Prinzen Oleomargarine begeben kann.

Alter: Ab sechs Jahren laut Verlag, besser aber ab acht.
Erschienen im Knesebeck Verlag 2018; 160 S., 25 €.


(c) Knesebeck
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Die Sache mit der Normalität

Bücher über Toleranz und Anderssein kommen oft recht, nun ja, belehrend daher. Humorlos und manchmal auch mit politischem Duktus. Das „Ich so du so“ ist eine schöne Ausnahme, rotzfrech und trotzdem sensibel. In kunterbunter Unbefangenheit feiert das neue Werk der „Labor Ateliergemeinschaft“ das unperfekte Ich.

Darin findet man kleine Geschichten, Bilder aus vergangenen Zeiten und viele kreative Illustrationen wie einen Schubladenkasten der Eigenschaften. Außerdem eine Reihe von Interviews mit Kindern aus aller Welt, die erzählen, mit wem sie zusammenleben, was sie heute gegessen haben oder wie sie ihren Geburtstag verbrachten. Und mit Erwachsenen, die davon berichten, was sie früher an sich unnormal fanden und was ihnen geholfen hat. Das Buch wurde für den Deutschen Jugendbuchpreis nominiert - verdienterweise. Zeigt es doch, wie normal es ist, verschieden zu sein.

Alter: Ab 9 Jahren.
Erschienen bei Beltz & Gelberg; 176 Seiten, 16,95 €

(c) Beltz & Gelberg
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Was ist gerecht?

Essen kann einen und Essen kann trennen. Letzteres tritt vor allem dann ein, wenn es Differenzen bei der Portionierung von Wohlschmeckendem gibt. Das Dilemma ist bekannt. Wie charmant man es in einem Kinderbuch inszenieren kann, zeigt Jörg Mühle, der auch schon einige andere wunderbare Bücher für ganz Kleine geschaffen hat.

Das Grundproblem in „Zwei für mich, einer für dich“ ist durch den Titel des Büchleins schon aufgezeigt. Wie sollen die drei Pilze, die der Bär gefunden, aber das Wiesel in der Pfanne geschmort hat, aufgeteilt werden? Wie man es dreht und wendet, es bleibt ungerecht - auch wenn man Körpergröße, Körperfülle und Hunger der Beteiligten einbezieht. Die Illustrationen und der reduzierte Text sind ebenso witzig wie liebenswürdig, sie bringen Kinder zum Lachen und zum Nachdenken. Ein wunderbar gelungenes Buch.

Alter: Ab 4 Jahren
Erschienen im Moritz Verlag; 32 Seiten, 12,95 €.

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Poetisch und klug, greifbar und gefühlvoll

Emma ist eine gute Katzenbesitzerin. Sie gibt der kleinen Kitty, die sie verlassen findet, ein Zuhause. Erklärt ihr, was ignorant bedeutet, oder weise. Sie verwöhnt das Kätzchen manchmal mit einer halben Scheibe Räucherschinken – und keinem Fitzelchen mehr. Aber Emma ist alt. Und wird eines Tages von der Rettung abgeholt. Kitty muss sich nun selbst um ihr Überleben kümmern.

„Ich bin‘s, Kitty. Aus dem Leben einer Katze“ von Mirjam Pressler kommt bescheiden daher. Doch es ist nicht einfach nur ein Buch über Katzen, es geht um das Erinnern und Vergessen, das Leben und die Liebe. Selten ist ein Kinderbuch so poetisch und klug, so greifbar und gefühlvoll geschrieben worden. Es steckt voller kleiner, handfester Weisheiten. Wie etwa, dass Wenn-dann-Sätze selten etwas Gutes bedeuten und dass das Leben nie bleibt, wie es ist. Oder: „Es mag vielleicht nur Zufall sein, am Ende zählt das Glücklichsein“. Perfekt zu den kapiteleröffnenden Reimen passen die Illustrationen der großartigen Rotraut Susanne Berner. Wärmste Empfehlung.

Alter: Ab zehn Jahren.
Erschienen bei Beltz & Gelberg; 206 Seiten; 14,95 Euro.

(c) Beltz
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Malala Yousafzai ist eine Symbolfigur für Zivilcourage. Ihr Kampf für Mädchenbildung hat sie als 15-Jährige um ein Haar das Leben gekostet, zwei Jahre später bekam sie den Friedensnobelpreis: Ihre Geschichte fasziniert. Nun hat sie ihr Aufwachsen in Pakistan selbst erzählt - und zwar wunderschön symbolhaft mithilfe eines Stifts, den sie sich einst wünschte, eines Stifts, der wirklich werden lässt, was man mit ihm zeichnet.

"Malalas magischer Stift" erzählt vom Gestank des Müllbergs, von Kindern, die darin wühlen. Von ihrer Familie und davon, dass die Schule ihr liebster Ort war. Dass Auftragskiller der Taliban ihr aus nächster Nähe in den Kopf schossen, bleibt ausgespart. Es findet sich lediglich eine dunkle Doppelseite, auf der zu lesen ist: "Meine Stimme wurde so mächtig, dass die gefährlichen Männer versuchten, mich verstummen zu lassen. Aber ist ist ihnen nicht gelungen." Daneben in einem Krankenhauskittel das Mädchen, das aus dem Fenster blickt.

Die Geschichte, hoffnungsvoll und fast poetisch, wird leider von weniger gelungenen Illustrationen begleitet: Sie wirken farblos.

Alter: Ab fünf Jahren. Erschienen im NordSüd Verlag; 48 Seiten; 16 Euro.

Kurzrezension von Rosa Schmidt-Vierthaler

 

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Achtung, Mord!

"Etwas Gewundenes schien sich in der Flasche zu bewegen. Es war dunkel und gleichzeitig glitzernd. Vielleicht war es auch nur ein Schatten. Das Fläschchen war sehr hübsch, dennoch bekam Stella eine Gänsehaut. Mr Filbert hatte versucht, darauf aufzupassen. Und sie hatte versprochen, das zu tun. Und jetzt war er tot."

In Stellas Leben scheint es zwar wenig Liebe und Geborgenheit, dafür neuerdings umso mehr Abenteur zu geben: Mit drei alten, bösen und offenbar reichen Tanten verbringt sie ihre Zeit in einem Hotel, das ein wenig an den "Zauberberg" erinnert. Dort passiert ein mysteriöses Verbrechen, dessen Erforschung dem Mädchen schließlich auch eine Wahrheit über sich selbst offenbart. "Stella Montgomery und die bedauerliche Verwandlung des Mr Filbert" ist ein Abenteuerroman in bester Manier: Packend, überraschend, sprachlich elegant. Und wurde dafür in Australien bereits mit einer ganzen Reihe von Preisen ausgezeichnet. Übrigens: Im Buch finden sich viele feine Zeichnungen der Autorin.

Alter: Ab 10 Jahren.
Erschienen bei Thienemann; 272 Seiten; 13,99 Euro.

 

 

(c) Thienemann
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Mehr Märchen

Welches Kind kennt noch das Wort "Morgenland"? Wir sprechen wohl eher über den Nahen Osten mit ihnen - und teilen ihn in Krisenregionen ein. Von Zauber und der Magie ist dabei nicht die Rede. Wer den Dschinn aus der Flasche vermisst und beim Vorlesen gern in Palästen mit Zwiebeltürmen spaziert, wer von Sultanen und dem Glanz von tausend Sternen hören will, kann nun auf eine modern gestaltete orientalische Märchensammlung zurückgreifen.

"Das Flüstern des Orients" von Franziska Meiners will die Märchen ein wenig verändert wissen, die Magie aber erhalten. Und das ist recht gut gelungen. Die Bilder, meist nur in zwei Farben gehalten, erinnern an Hozschnitte. In den Texte finden sich Wörter, die so wohl nicht immer dort standen: Das schöne Bauernmädchen, das den Prinz verzaubert, ist gleichzeitig ein "intelligentes Bauernmädchen". Am Ende des Buches kann man noch Fliesenmuster malen und arabische Schriftzeichen ausprobieren. Insgesamt sehr nett.

Alter: Ab sechs Jahren
Erschienen im NordSüd Verlag, 112 Seiten, 25 Euro.

 

 

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Nietzsche hasst Fingerabdrücke

Zum ersten Mal hat Cornelia Funke (etwa: "Tintenherz", "Die wilden Hühner"), die berühmte deutsche Kinderbuchautorin mit Wahlheimat in Los Angeles, ein selbst illustriertes Bilderbuch gemacht, zum ersten Mal zunächst auf Englisch veröffentlicht. Jetzt ist es auf Deutsch erschienen.

„Das Buch, das niemand las“ erzählt von einem fünfjährigen Buch namens Morry – eine Anspielung auf Maurice Sendak, dem Funke auch in den entzückenden Illustrationen deutlich ihre Reverenz erweist. Morry steht im Regal und will endlich gelesen werden; im Unterschied etwa zu Nietzsche neben ihm, der froh ist, wenn er keine Fingerabdrücke abbekommt. Eine empfehlenswerte Petitesse über das Glück, (s)einen Leser zu finden.

Alter: Ab vier Jahren.
Erschienen im Dressler Verlag. 48 S., € 16,50

Kurzrezension von Anne-Catherine Simon

(c) Dressler Verlag
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13 Vorlesegeschichten

„Immer ist Winter nur im Winter, nie im Sommer“, maulte Hase herum. „Ja, das ist ungerecht“, stimmte Fuchs ihm zu. Wohin könnte Hase gehen, um dieses Problem zu lösen? Freilich unter der Prämisse, dass er nicht zu weit weg muss, denn sonst würde Fuchs ja schreckliche Sehnsucht nach ihm bekommen.


Es sind Probleme wie diese, die die beiden Freunde Fuchs und Hase (von Kristina Andres auch bildlich wundervoll in Szene gesetzt) beschäftigen. Sie pflanzen Gurken, beißen in Wolken und analysieren stets, was sie tun. Aus ihrem Alltag speisen sich 13 kleine Geschichten: „Donnerwetter, sagte Fuchs“ ist ein Vorlesebuch, wie man es sich nur wünschen kann: warmherzig erzählt, voll Sprachwitz und wunderbar absurder Ideen, die stets sehr vernünftig klingen.

Alter: Ab sechs Jahren.
Erschienen im Moritz Verlag, 64 Seiten, 14,95 Euro.

Kurzrezensionen von Rosa Schmidt-Vierthaler >>>

(c) Moritz Verlag
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Böse Zungen sagen, dass Kinder heute in zunehmendem Maß egozentrisch sind, sich nicht einordnen können, nicht als Teil von etwas begreifen. Ob darin ein Körnchen Wahrheit liegt oder nicht: In dem Gedanken, Teil der Welt zu sein, liegt eine Schönheit, die das Buch "Leben" in starken, klaren Bildern zeigt. "Du kannst jedes Tier der Welt fragen: Was magst du besonders am Leben? Der Habicht sagt: Den Himmel. Das Kamel sagt: Den Sand. Die Schlange sagt: Dasss Grasssssss."

Auch die düsteren Bilder fehlen nicht, beängstigende Stürme, schroffe Berge: "Das Leben ist nicht immer leicht. Zuweilen gibt es wüste Stracken". Wie wahr. "Doch auf die eine oder andere Art kommt man da auch wieder raus." Cynthia Rylants Text und Brandan Wenzels Bilder formulieren gefühlvoll und lebensbejahend, ohne in den Kitsch abzugleiten.

Alter: Ab vier Jahren.
Erschienen im NorsSüd Verlag, 48 Seiten, 16 Euro.

 

(c) NordSüd Verlag
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Allerlei Sex

Wer, bitte, wusste das? Der Penis des Libellenmannes hat – für den Fall, dass vor ihm schon einer da war – eine Art Löffelvorrichtung, um den Samen des Vorgängers wegzuschaffen. Er selbst beginnt erst, wenn alles blitzeblank ist.

Der Klett Verlag, bekannt für schräg-lustige und unkonventionelle Bücher, hat mit „Das Liebesleben der Tiere“ ein wahres Feuerwerk der humorvollen Sexbetrachtungen herausgebracht. Unter „Bestechung, Bezahlung, Geschenke“ finden sich die Eisvögel ebenso wie Javeneraffen. Im Kapitel „Ganz schön sportlich“ sind Fledermäuse (ja, kopfüber!) ebenso wie Plattwürmer (Penisfechten!) aufgelistet. Auch Schwangerschaft, Geburt und Familienleben bleiben nicht ausgespart, sondern werden, ganz im Gegenteil, durch detaillierte Zeichnungen in Szene gesetzt.

Weil das Thema Aufklärung ja heute oft bierernst angegangen wird, kann man dieses Büchlein als Starthilfe für ein Gespräch jedenfalls empfehlen. Wer auf der sensibleren Seite zuhause ist, sei aber gewarnt: Im Tierreich geht’s oft heftig zu, und das Buch spart nicht mit Details.

Alter: Laut Verlag ab acht.
Erschienen bei Klett Kinderbuch, 144 Seiten, 18,50 Euro.

(c) Klett Verlag
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Eine pinguingroße Marry Poppins

Sie ist in etwa so groß wie ein Pinguin, spricht Vorwärts – und Rückwärtszisch, hat stets einen Tropenhelm auf dem Kopf und entwickelt ganz wunderbare Ideen in ihm. Sie benutzt Worte wie „seltwürdig“ und geht gern auf „Salafari“, was ihr allgemeiner Ausdruck für Abenteuer außer Haus ist. Wer möchte „die kleine Dame“ nicht zur Freundin haben?

Seit dem ersten Band der Reihe von Stefanie Taschinski wohnt sie mit Lilli und ihrer kleinen Schwester Haus an Zelt, doch nun, im vierten großen Abenteuer, wollen Lillis Eltern ausziehen, was die Mädchen und die kleine Dame freilich zu verhindern suchen. „Die kleine Dame melodiert ganz wunderbar“ beleuchtet das Leben Brezelhaus näher und lässt dem allzeit grantigen Hausmeister Leberwurst eine besondere Rolle zukommen. Mit dem federleichten Charme einer Mary Poppins – sie hat nur statt eines Schirms, mit dem sie fliegen kann, ein Chamäleon, das sie unsichtbar macht – erobert die kleine Dame die Leser. Bleibt zu hoffen, dass dem vierten Band noch viele weitere folgen: Es sind die perfekten abendlichen Vorlesebücher.

Alter: Ab acht Jahren.
Erschienen bei Arena, 184 Seiten, 12,99 Euro.

(c) Arena
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Atmosphärisches Abenteuer

"Viele halten den Chief für meinen Besitzer. Aber der Chief ist keiner, der andere besitzen will. Er und ich sind Geschäftspartner. Und Freunde." Es ist eine recht ungewöhnliche Konstellation, auch für ein Kinderbuch: Sally Jones, das wird nach ein paar Seiten deutlich, ist eine Gorilladame. Sie spricht nicht, kann aber schreiben, Werkzeuge schmieden, Schach spielen. In ihren ersten Erinnerungen saß sie mit einer Kette um den Hals auf einem Steinboden. Der Chief ist ihr Freund; ein Seemann, der unter Mordverdacht gerät. Um seine Unschuld zu beweisen, verlässt Sally die dunklen, engen Gassen Lissabons und folgt dem Kriminalfall bis nach Indien.

Der schwedische Autor Jakob Wegelius wurde für „Sally Jones. Mord ohne Leiche“ im Oktober verdientermaßen mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis geehrt. Der düstere Abenteuerroman besticht durch seine kunstvolle Struktur; er ist packend, aufwühlend, hintergründig - eben echte Literatur für junge Leser.

Alter: Dem Verlag zufolge ab neun Jahren, aber besser erst ab zehn oder elf.
Erschienen im Gerstenberg-Verlag, 624 Seiten, 19,95 Euro.

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Ein Sammelsurium der Schätze

"Zweihundert Jahre lang suchten europäische Abenteurer nach Eldorado, einer verlorenen Stadt aus Gold in Südamerika, aber alles, was sie fanden, war die Erkenntnis, dass nicht alles Gold ist, was glänzt." Vier Seiten widmet das Buch "Die größten Schätze aller Zeiten" dieser Legende, erzählt von Konquistadoren und furchtlosen Frauen, von Landkarten und einem heiligen See. Vier Seiten bekommen auch all die anderen Schätze: Die Brüder Sass werden ebenso vorgestellt wie die Fabergé-Eier, die Terrakotte-Armee ebenso wie die Bundeslade.

Raphael Honigstein und Caroline Attia erzählen die faszinierenden Geschichten von zwei Dutzend Schätzen in klaren Worten, mit farbenfrohen Bildern in einem wunderschön gestalteten Buch. Das Sammelsurium von Abenteuern entführt den kleinen Leser in die verschiedensten Winkel der Welt, in die verschiedensten Epochen, in die verschiedensten Köpfe. Ein wunderbares Sachbuch, rundherum gelungen.  (rovi)

Alter: Ab acht Jahren.
Erschienen bei Kleine Gestalten. 96 Seiten.

 

 

(c) Kleine Gestalten
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Der erste Programmierer war eine Frau

Ein Porträt über ein tatsächlich außergewöhnliches Mädchen legt der Knesebeck Verlag vor. Ada Lovelace ist die Tochter von Lord Byron und einer selbstbewussten Mathematikerin, die den Dichter schon früh verließ. Die kleine Ada, 1815 geboren, sollt nach dem Wunsch ihrer Mutter vor allem keine blühende Fantasie entwickeln. Lyrik ist verboten.

Wie das Mädchen vor dem Hintergrund der industriellen Revolution mit ihrem Erbe und ihrem Erfindungsgeist umgeht, zeigt „Ada Lovelace und der erste Computer“. Computer in dieser Zeit? Natürlich nicht, aber die ersten Rechenmaschinen. Und Lochkarten, mit denen ein Webstuhl gespeist wird. Die kunstvollen, außergewöhnlichen Illustrationen stehen gegenüber dem Text ein wenig zu sehr im Vordergrund, aber insgesamt ist das Buch jedenfalls eine neue Leseerfahrung: Eine logische Welt der Fantasie, in der eine Frau zum ersten Programmierer wird. (rovi)

Alter: Ab sechs Jahren.
Erschienen bei Knesebeck. 40 Seiten.

 

(c) Knesebeck
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Die Geschichte eines Wolfskönigs

Wie kann man Lobo fangen, diesen Wolf, der so listig, stark und erfinderisch wie kein anderer ist? Das fragen sich die Farmer des Currumpaw-Tals, die ihre Rinder an ihn verlieren. 1893 wird ein Preis auf seinen Kopf ausgesetzt - und viele versuchen, ihn zu töten: Der eine Jäger zieht mit 29 großen Hunden los, ein anderer versuchte es mit Zaubermitteln und Beschwörungsformeln, ein nächster mit Gift. Alle erfolglos. Bis sich ein Forscher und Wolfsjäger namens Seton auf eine Jagd begibt, die sein Leben verändern wird.

„Die Wölfe von Currumpaw“ ist ein eindringliches und anspruchsvolles Buch, inhaltlich wie ästhetisch. Der Illustrator William Grill zieht die Spannung eines Abenteuerromans in ein detailgenaues Sachbuchs: Es werden 130 Wolfsfallen aufgezeichnet, Wege, Pläne, verendende Tiere. Große Bildformate und kleinteiliges Schildern wechseln einander ab, der Stil ist Lesern des vielfach ausgezeichneten Vorgängers „Shackletons Reise“ bereits bekannt. Übrigens: Die Erzählung über Lobo hat der Forscher und Jäger Seton aufgeschrieben. Danach jagte er nie wieder einen Wolf. (rovi)

Alter: Ab sieben Jahren.
Erschienen im NordSüd Verlag. 80 Seiten.

(c) Nordsüd Verlag
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Anatomie als federleichte Bauanleitung

Der Plan ist klar: "Heute baut sich Susa einen großen Bruder. Nicht so ein kleines Baby wie ihre Schwester Marianna, die nur krabbelt". Der Weg dahin mag einem Erwachsenen schwierig erscheinen, doch das Mädchen weiß genau, was es zu tun hat: Zuerst kommen die Knochen, dafür wird gesägt und geschnitten. Damit alles gut hält, befestigt Susa sie mit Gummibändern aneinander, sie fabriziert sogar verschiedene Muskelformen. Mit Susa und ihren Kuscheltieren sind staunende, ratgebende, kleberhaltende Profis am Werk.

Doch das war nur der Anfang: Natürlich fehlen noch ein Gehirn sowie Nase, Mund und Ohren, all das bringt Susa fachkundig an. Mit Elekrokabeln fabriziert sie Nerven, damit das Gehirn auch erfährt, was die Sinne wahrnehmen. Das Buch "Ich bau mir einen großen Bruder" bringt komplizierte Körperfunktionen so spielerisch leicht, so kunterbunt fröhlich auf den Punkt, dass man nur staunen kann. Zähne, Magen, Nieren, Blase - auf 64 Seiten geht die französische Illustratorin Anaïs Vaugelade in die Tiefe. Es gibt mittlerweile viele wunderbare Sachbücher für Kinder, dieses hat einen besonderen Platz verdient. (rovi)

Alter: Ab sieben Jahren.
Erschienen im Moritz Verlag, 64 Seiten.

(c) Moritz Verlag
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(c) Hanser Verlag
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