Literaturnobelpreis wird 2018 nicht vergeben

Heuer fällt der Preis aus, im nächsten Jahr wird er doppelt vergeben. Ein drastischer Schritt, der wegen eines Belästigungs- und Korruptionsskandals in der Schwedischen Akademie erfolgt.

2017 ging die renommierte Auszeichnung an Kazuo Ishiguro. 2018 gibt es keinen Nachfolger.
2017 ging die renommierte Auszeichnung an Kazuo Ishiguro. 2018 gibt es keinen Nachfolger.
2017 ging die renommierte Auszeichnung an Kazuo Ishiguro. 2018 gibt es keinen Nachfolger. – (c) imago/Kyodo News

Sex and crime im Nobelkomitee: Die 200 Jahre alte Institution, deren Traditionen so in Ehren gehalten werden, dass nur ein König die Regeln ändern kann, ist in der Krise. Das Problem in der Schwedischen Akademie ist so groß, dass in diesem Jahr kein Literaturnobelpreis vergeben wird. Der Preis für 2018 soll im kommenden Jahr zusammen mit dem Preis für 2019 vergeben werden.

"Wir halten es für nötig, Zeit zu investieren, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Akademie wieder herzustellen, bevor der nächste Preisträger verkündet werden kann", erklärte der Interims-Vorsitzende der Akademie, Anders Olsson, am Freitag.

Zuletzt wurde der Nobelpreis von 1940 bis 1943 wegen des Zweiten Weltkriegs nicht vergeben. Die Akademie hat in der Vergangenheit bereits mehrmals zwei Preise in einem Jahr verliehen, wenn einer ausgefallen war.

Der Skandal

Die Schwedische Akademie, die seit 1901 den Träger des Literaturnobelpreises auswählt, wird seit Monaten von einem Belästigungs- und Korruptionsskandal erschüttert. Die Krise ließ sich nicht leugnen. "Das Ansehen des Literaturnobelpreises hat großen Schaden genommen", teilte das traditionsbewusste Gremium vor kurzem mit. 

Zum Hintergrund: 18 Frauen hatten dem Mann eines Akademiemitglieds sexuelle Belästigung vorgeworfen. Eine Untersuchung der Akademie bestätigte "unakzeptables Verhalten in Form von unerwünschter Intimität". Nach Berichten schwedischer Medien soll der Mann auch Kronprinzessin Victoria an den Po gefasst haben. Seine Frau soll darüber hinaus über Fördergelder für den eigenen Kulturverein mitentschieden haben. Und außerdem sollen Preisträger vorab verraten worden sein.

Das Ehepaar

Jean-Claude Arnault (71) wird von 18 Frauen (zum Teil brutaler) sexueller Missbrauch vorgeworfen. Der französische Fotograf ist Ehemann des Akademiemitglieds Katarina Frostenson. Er war im Kulturleben sehr aktiv und nannte sich gern das inoffizielle 19. Akademiemitglied.

Katarina Frostenson (65) ist Schriftstellerin. Als Ehefrau von Arnault, mit dem sie ein Kulturforum betrieb, kam sie in die Kritik, auch weil Ermittlungen sie belasten (Verdacht auf Veruntreuung). Sie hat sich aus der Akademie zurückgezogen.

Mehrere Jurymitglieder legten ihre Arbeit nieder, weil sie nicht damit einverstanden waren, wie glimpflich das Paar davonkommen sollte. Auch die ständige Sekretärin Sara Danius musste in der Folge ihren Posten aufgeben - nach eigener Aussage auf Wunsch der Akademie.

Nur noch zehn Mitglieder aktiv

Aktuell sind damit nur noch zehn der einst 18 Mitglieder aktiv. Das gefährde ernsthaft die Fähigkeiten der Akademie, "ihre wichtigen Aufgaben zu erfüllen", hatte das schwedische Königshaus erklärt. König Carl XVI. Gustaf rief die Mitglieder auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und die Interessen des Gremiums in den Vordergrund zu stellen.

"Ich habe die Entwicklung in der Schwedischen Akademie in letzter Zeit mit großer Unruhe verfolgt", erklärte er am Mittwoch. Jetzt müsse die Akademie in Ruhe daran arbeiten können, das Vertrauen zurückzugewinnen.


 

(Ag/red.)

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