Die Frankfurter Buchmesse endet: Umhänge und viele Trends

Rückgang bei Fachpublikum, dafür mehr Besucher. Das Frankfurter Treffen der Verlagsbranche ging am Sonntag zu Ende.

Sie wollten den Rekord überbieten: Fans, die sich in Harry-Potter-Kostümen treffen bei der Buchmesse.
Sie wollten den Rekord überbieten: Fans, die sich in Harry-Potter-Kostümen treffen bei der Buchmesse.
Sie wollten den Rekord überbieten: Fans, die sich in Harry-Potter-Kostümen treffen bei der Buchmesse. – (c) imago/Patrick Scheiber (Patrick Scheiber/Kegler)

Mit einem Plus beim Lesepublikum und einem Rückgang bei den Fachbesuchern ist die 70. Frankfurter Buchmesse am Sonntag zu Ende gegangen. Und das, obwohl die Buchmesse jedenfalls auch Leitmesse und Trendschau sein möchte. Unter dem Motto "A Book is a Film is a Game" wurden Möglichkeiten gezeigt, die von neuen Technologien getriebenen werden. Viele technikaffine Jungunternehmer boten neue Technologien für Handel, Distribution und Rezeption kultureller Produkte.

Das Niveau von 286.000 Besuchern aus dem vergangenen Jahr dürfte man bei der Buchmesse ungefähr gehalten haben. Es gab zwar ein Plus von 0,8 Prozent beim allgemeinen Publikum am Wochenende, aber ein Minus von 1,8 Prozent bei dem Fachbesuchern.

Am Wochenende war wegen des Andrangs in den Hallen und an den Rolltreppen oft kein Durchkommen mehr. Bei der Signierstunde der irischen Erfolgsautorin Cecelia Ahern standen am Samstag die Besucher in einer fast 50 Meter langen Schlange beim Verlag S. Fischer an.

Dagegen sagte der Heyne Verlag ein Gespräch mit der jungen US-Bestsellerautorin Anna Todd ab. Diese sei am Freitagabend in der Lobby ihres Hotels von einer Gruppe von Männern verbal heftig angegriffen worden, berichtete Heyne am Samstag. Der Vorfall habe sie so mitgenommen, dass sie sich auf der Messe nicht mehr sicher fühle. Die Polizei sagte dazu am Sonntag lediglich, es werde ermittelt, ob Belästigung oder Beleidigung vorliege. Todd wurde durch erotische Romane weltweit erfolgreich.

Gescheitert ist am Wochenende auf der Messe ein Rekordversuch zum 20. Jahrestag von Harry Potter. Hunderte Fans des kleinen Zauberer waren in der typischen Montur mit schwarzem Umhang, Brille und Narbe an der Stirn erschienen. Der vom deutschen Potter-Verlag Carlsen angestrebte Weltrekord mit 1.000 Kostümierten scheiterte jedoch. Dafür waren etwa 100 zu wenig gekommen. Die Bestmarke hält damit weiterhin Australien mit 997 Potter-Kostümierten.

Mit 7.503 Ausstellern aus 109 Ländern verzeichnete die Messe übrigens eine Rekordbeteiligung bei den Anbietern. Auch das Zentrum, wo die weltweiten Lizenzrechte für Bücher gehandelt werden, sei weiter angewachsen. Insgesamt gab es rund um die Buchmesse mit dem Ehrengast Georgien fast 400 Veranstaltungen.

Jugendliteraturpreis vergeben

Am Freitagabend wurde der mit insgesamt 72.000 Euro dotierte Deutsche Jugendliteraturpreis vergeben. Als bestes Bilderbuch konnte sich "Der siebente Bruder oder Das Herz im Marmeladenglas" (Gerstenberg) von Öyvind Torseter durchsetzen. In seiner opulenten Graphic Novel verbinde der norwegische Künstler "verschiedenste Illustrationsstile zu einem höchst anspruchsvollen, gelungenen Ganzen" und erzähle auf diese Weise das traditionelle Märchen in einer innovativen Form.

In der Sparte Kinderbuch wurde das Erstlesebuch "Viele Grüße, Deine Giraffe" (Moritz) ausgezeichnet. Der Briefroman der japanischen Autorin Megumi Iwasa erzählt von der Freundschaft zwischen einer Giraffe in Afrika und einem Pinguin am Südpol. Die Jury lobte den sprachlich einfachen, literarisch gestalteten Text. Als bestes Jugendbuch überzeugte Manja Präkels' autobiografisch gefärbter Roman "Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß" (Verbrecher Verlag). Sie porträtiert darin eine Generation, die den Niedergang der DDR abseits der Großstädte weniger als Befreiung denn als widersprüchliches gesellschaftliches Ereignis erlebt.

Sieger beim Sachbuch wurde "Der Dominoeffekt oder Die unsichtbaren Fäden der Natur" (Fischer Sauerländer). In 18 Kapiteln schildert der Ökologe Gianumberto Accinellisd die Folgen menschlicher Eingriffe in das Gleichgewicht der Natur. Der Sonderpreis für "Neue Talente" ging an Gesa Kunter für ihre kreative Übersetzung der Textwerkstatt "Schreib! Schreib! Schreib!". Der Deutsche Jugendliteraturpreis wird seit 1956 für herausragende Kinder- und Jugendbücher vergeben. Mit Ausnahme des Sonderpreises für das Gesamtwerk (12.000 Euro) sind die Auszeichnungen mit jeweils 10.000 Euro dotiert.

(APA/dpa)

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