Krimi, Spionage, Thriller: Eine mörderische Bescherung

Sie zählen zu den beliebtesten Geschenken: Krimis unter dem Weihnachtsbaum. „Die Presse am Sonntag“ hätte da ein paar hieb- und stichfeste Vorschläge.

Morgen, Kinder, wird's was geben: Der Weihnachtsmann bringt gern Krimis.
Morgen, Kinder, wird's was geben: Der Weihnachtsmann bringt gern Krimis.
Morgen, Kinder, wird's was geben: Der Weihnachtsmann bringt gern Krimis. – (c) Getty Images (GraphicaArtis)

Mord und Totschlag haben nie solch eine Hochsaison wie in der stillsten Zeit des Jahres. Dennoch zählen Krimis zu den beliebtesten (Bücher-)Geschenken unterm Weihnachtsbaum. Ob als Inspiration (hoffentlich nicht) oder als Kompensation (das schon eher) bleibe dahingestellt. „Die Presse am Sonntag“ hat auf jeden Fall ein paar todsichere Vorschläge.

Wer klassische Spionageromane ohne technologischen Firlefanz liebt, wird von Mick Herrons „Slow Horses“ begeistert sein. Ausrangierte MI5-Agenten fristen in einer Außenstelle des britischen Geheimdienstes in London ihr Dasein – bis ein pakistanischer Jugendlicher entführt wird und enthauptet werden soll. Die Außenseiter wittern ihre Chance. Kein Reißer, sondern ein Buch, das mit vielen Wendungen und noch mehr Charme überzeugt.

Für Freunde schräger Ermittlertypen, gepflegten Tons und blühender krimineller Fantasie bietet sich der neue Roman der Französin Fred Vargas an: „Der Zorn der Einsiedlerin“ (Limes). Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg wird stutzig, als drei alte Männer am Biss der Einsiedlerspinne sterben. Die Spur führt viele Jahrzehnte zurück in ein Waisenhaus.

Etwas für Fans von Stephen King ist das Debüt der Britin C. J. Tudor. „Der Kreidemann“ (Goldmann), in den 1980ern und in der Gegenwart angesiedelt, erinnert der Thriller in Aufbau und Story an Kings „Es“: Bei Tudor sind es auf den Asphalt gemalte Kreidemännchen, die für den zwölfjährigen Eddie und seine Freunde nichts Gutes bedeuten – und die die Freunde mehr als 30 Jahre später wieder einholen. Nichts für schwache Nerven.

„Safe“ (Rowohlt) ist der wohl herzzerreißendste Krimi des Jahres. Ricky Mendoza, Safeknacker für die Drogenbehörde DEA, zweigt Geld aus einem Safe ab. Sofort heftet sich Gangmitglied Rudy Reyes an seine Fersen. Wer nun knallharte Ghetto-Tristesse erwartet: Fehlanzeige. US-Autor Ryan Gattis verbindet Realismus mit märchenhaften Elementen und einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte.

Lisa McInerney legte mit „Glorreiche Ketzereien“ (Liebeskind) einen der Überraschungserfolge des Jahres vor. Als Maureen, die betagte Mutter von Unterweltboss Jimmy Phelan, in ihrer Küche einen Einbrecher mit einer Heiligenfigur erschlägt, setzt sie damit ein mörderisches Karussell in Bewegung. Ein berührender Krimi über den Unterbauch der irischen Gesellschaft.

Lee Childs „Der Einzelgänger“(Blanvalet) ist das ideale Weihnachtsgeschenk für Männer, die eigentlich keine Bücher lesen. Mit Jack Reacher hat der Autor eine der coolsten Figuren der Spannungsliteratur erschaffen. Nun liegen die gesammelten Reacher-Kurzgeschichten erstmals auf Deutsch in einem Band vor – optimale Portionen für Lesemuffel.

Einen klug konstruierten Thriller hat der Südtiroler Luca D'Andrea mit „Das Böse, es bleibt“ vorgelegt: Eine junge Frau flieht vor ihrem gewalttätigen Mann und landet in einer Berghütte, wo sie sich in Sicherheit glaubt. Eine ungewöhnliche Geschichte, spannend, gewalttätig, mit starken Figuren.

Verlässliche Thrillerware aus Dänemark ist auch der jüngste Roman von Steffen Jacobsen: Eine tote Frau im Wald, eine vermisste Geigerin und ein Ermittlerpaar, das in Scheidung lebt: „Hybris“ (Heyne) bedient sich bewährter Thriller-Elemente, kombiniert sie aber sehr solide.

Zu guter Letzt eine Empfehlung für alle, die schon seit Längerem Krimis lesen. Sara Paretsky, Kultautorin der 1980er-Jahre, ist wieder da. Die Erfinderin der knallharten V. I. Warshawski wurde lang zugunsten jüngerer Krimi-Phänomene ignoriert, feiert aber mit „Kritische Masse“ gerade ein viel beachtetes Comeback.

Neu Erschienen

Mick Herron
„Slow Horses“
übersetzt von
Stefanie Schäfer
Diogenes
480 Seiten
24,70 Euro

Sara Paretsky
„Kritische Masse“
übersetzt von Else Laudan, B. Szelinski
Ariadne
500 Seiten
24,70Euro

Luca D'Andrea
„Das Böse, es bleibt“
üb. von S. Van Volxem, Olaf Matthias
DVA
432 Seiten
15,50 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.12.2018)

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Krimi, Spionage, Thriller: Eine mörderische Bescherung

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.