Begeisternd: Die Romane des Jahres 2018

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Michael Ondaatje: "Kriegslicht"

Es ist 1945, der Krieg ist offiziell vorbei, noch sind in London die Trümmer nicht weggeräumt, als der 14-jährige Nathaniel und seine etwas ältere Schwester von ihren Eltern verlassen werden. Sie werden in der Obhut dubioser Gestalten zurückgelassen - und in skurrile Abenteuer verwickelt. Ondaatje beschreibt darin mit großer Detailkenntnis ein London der Schattenwelt.

Hanser Verlag

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Gabriel Tallent: Mein Ein und Alles

Die 14jährige Turtle Alveston lebt mit ihrem gewalttätigen Vater in einer ungesunden gegenseitigen Abhängigkeit. Als sie sich mit einem gleichaltirgen Burschen anfreundet, eskaliert die Situation. Das Buch spielt in der amerikanischen Hillbilly-Szene, die maßgeblich an Donald Trumps Wahlsieg beteiligt war.

Verlag: Penguin

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Najem Wali: „Saras Stunde“

Die dunkle Seite Saudi-Arabiens wird in diesem erzähltechnisch raffinierten Roman enthüllt. Seine Titelheldin, ein Mädchen aus wohlhabenden Haus, genießt zwar eine recht liberale Erziehung, doch über Wesentliches in ihrem Leben sollte sie eben nicht bestimmen können. Dagegen sind Staat, Religion und Traditionen ihres Landes, wie der aus dem Irak stammende, in Berlin lebende Autor aufzeigt.

Hanser Verlag

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Fred Vargas: Der Zorn der Einsiedlerin

Die geniale französische Krimi-Autorin webt einmal mehr ein kompliziertes Netz aus aktuellen Verbrechen und vergangenen Verletzungen. Als zwei alte Männer kurz hintereinander an einem Biss der Einsiedlerspinne sterben, wird Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg stutzig. Natürlich zu Recht. Denn ein Zufall war das nicht.

Limes Verlag

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Milena Michiko Flasar: „Herr Kato spielt Familie“

Ein Mann wird älter. Schon ist er reif für die Pension, da lernt er auf einem Friedhof eine junge Frau kennen. Sie schlägt ihm einen Deal vor. Und schon ist Herr Kato wieder zurück im Spiel. Ein bezauberndes Buch der österreichisch japanischen Autorin über moderne Zeiten, seltsame neue Berufe - und die Liebe.

Wagenbach Verlag

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Miriam Toews, „Die Aussprache“

Acht Frauen einer abgeschieden lebenden Gemeinschaft. Jahrelang wurden sie von den Männern ihrer Mennoniten-Gemeinde nachts betäubt und vergewaltigt. Während ihre Peiniger vor Gericht sind, beraten sie sich: Was tun wir, wenn die Männer zurückkommen? Vergeben oder fliehen? Die kanadische Autorin Miriam Toews, als Kind von Mennoniten erzogen, hat in "Die Aussprache" eine wahre Geschichte in einen Roman verwandelt.

Verlag: Hoffmann und Campe

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Adriana Altaras: „Die jüdische Souffleuse“

Wenn eine Opernregisseurin und ihre Souffleuse streiten, kann das hochdramatisch werden. Die in Zagreb geborene, in Italien aufgewachsene Autorin kennt das Theater-Milieu genau, bis in die tiefste Provinz. Dieses weit gereiste Multitalent schreibt darüber voll Esprit und Herzenswärme. So wird auch das Gewicht der Welt erträglich, kann sogar all das dunkelste Vergangene verarbeitet werden.

Verlag Kiepenheuer & Witsch

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Jean-Philippe Blondel: Ein Winter in Paris

Ein Maturant aus der Provinz bereitet sich in Paris auf die Aufnahmsprüfung an einer der elitären École normale supériereure vor. Als sein einziger Freund Selbstmord verübt, verändert das auch sein Leben - zum Besseren. Auf einmal wird er von den anderen Schülern wahrgenommen. Ein Entwicklungsroman, der zeigt, wie Schule nicht sein soll.

Deuticke Verlag

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Dan Chaon: Der Wille zum Bösen

Die Familie des Therapeuten Dustin wurde ermordet, als er ein Kind war. Für den Mord wurde sein Adoptivbruder verurteilt. Gleichzeitigi mit dessen Entlassung aus dem Gefängnis tritt Dustin auf den undurchsichtigen Ermittler Aqil. Unter dessen Einfluss driftet Dustin zunehmend in eine parallele Realität ab und gefährdet damit alle in seiner Umgebung.

Verlag: Heyne

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Katharina Adler: „Ida“

Eine üppige Familiengeschichte, die zur Urgroßmutter der in München geborenen Autorin führt zurück zu Sigmund Freud und dem „Fall Dora“, dem Pseudonym für die Titelheldin: Eine junge Frau wehrt sich gegen den Vater der Psychoanalyse, sie will nicht mehr sein Studienobjekt für Hysterie sein. In einem fernen Wien voller Umbrüche ist tatsächlich auch Emanzipation passiert.

Rowohlt Verlag

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Sebastian Barry: „Tage ohne Ende“

Zwei junge Männer geraten in den amerikanischen Bürgerkrieg. Drastisch sind die Schilderungen des Schreckens, der Schlachten zwischen Nord und Süd, des Massenmordes an indigenen Stämmen. Doch es gibt in diesem Roman des irischen Autors auch Hoffnung. Ja, die Liebe, in welcher Form auch immer, kann tatsächlich die Welt retten.

Steidl Verlag.

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A. L. Kennedy: Süßer Ernst

Die schottische Autorin hat einen fulminanten Roman geschrieben, der drei Dinge gleichzeitig ist: eine schwierige Romanze zwischen zwei beschädigten Menschen, eine unsentimentale Liebeserklärung an London und eine Abrechnung damit, was in westlichen aufgeklärten Gesellschaften so alles falsch läuft. Ein Buch, mit dessen klugen Gedanken man sich lange beschäftigen kann.

 

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Arno Geiger: "Unter der Drachenwand"

Der Vorarlberger Schriftsteller Arno Geiger hat lange recherchiert, um von Veit Kolbe erzählen zu können, einem verwundeten Wehrmachtsoldaten auf Genesungsurlaub im Salzkammergut. Vielschichtig und gewagt: Die Verschränkung von historischem Geschehen mit privaten Lebensgeschichten macht den Roman aus. Das Buch ist Kriegschronik, Lovestory und Quasi-Memoire in einem.

Hanser Verlag

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Herausragende Romane des Jahres 2018

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