Feministischer Strand-Trash

Zehn Jahre nach ihrem Erstling legt Maria Sveland nach. In „Immer noch Bitterfotze“ stolpert Protagonistin Sara als Geschiedene durchs Leben.

Maria Sveland: „Immer noch Bitterfotze“
Maria Sveland: „Immer noch Bitterfotze“
Maria Sveland: „Immer noch Bitterfotze“ – Kiepenheuer & Witsch

Der Roman „Bitterfotze“ war 2009 nicht nur in Schweden ein Erfolg. Autorin Maria Sveland schrieb sehr direkt, wie man auch als modernes gleichberechtigtes Paar mit der Geburt der Kinder wieder in alte Rollenmuster und Geschlechterklischees verfällt. Das Wort „Bitterfotze“ ist die schlechte deutsche Übersetzung für die schwedische Bezeichnung einer verhärmten, sexuell frustrierten Frau. Zehn Jahre später ist Hauptfigur Sara, wenig überraschend, geschieden vom Vater ihrer drei Kinder. Die Obsorge teilt sich das Ex-Paar auf, Sara richtet sich in ihrem neuen Leben als geschiedene Halbzeit-Mutter ohne Partner ein.

Es folgen One-Night-Stands, kurze Affären, längere Beziehungen und sogar ein homoerotisches Abenteuer, aber nichts bleibt. Doch Sara hat es gut, sie ist eingebettet in eine Riege enger Freundinnen und findet in ihrer über 70-jährigen neuen Nachbarin Erika eine mütterliche Freundin und Seelenverwandte. Das plätschert so dahin, bleibt aber wie schon im ersten Teil sehr oft klischeehaft. Die Protagonistin gerät bisweilen sehr ins platte Schwadronieren.

Getrennte, geschiedene und vermutlich auch gebundene Frauen mit Kindern im Teenageralter werden sich selbst und ihre Freundinnen aber in vielen Passagen wiederfinden. Das Buch ist vor allem eines, das die Freundschaft unter Frauen und die guten Momente des Lebens feiert. Man nennt das wohl „feministischen Trash“ – und der hat seine Berechtigung.

Maria Sveland: „Immer noch Bitterfotze“, übersetzt von Regine Elsässer, Kiepenheuer & Witsch, 368 Seiten, 11,40 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2019)

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Feministischer Strand-Trash

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.