Edith Klinger ist tot: Die "Tiermutti" der Nation

In "Wer will mich?" suchte Edith Klinger ein neues Heim für Tiere – und schrieb TV-Geschichte. Sie ist 90-jährig in Wien gestorben.

Edith Klinger gestorben Tiermutti
Edith Klinger gestorben Tiermutti
Edith Klinger auf einem Archivbild – (c) APA (Orf/Schafler Ali)

Edith Klinger, die "Tiermutti" der Nation, ist Donnerstagfrüh in einem Wiener Privatspital gestorben. Das sagte ein Angehöriger gegenüber der Austria Presse Agentur. Klinger erlag vermutlich den Folgen einer Lungenentzündung. Die Wienerin, bekannt aus der ORF-Tiershow "Wer will mich?", wurde 90 Jahre alt. Von einem Oberschenkelhalsbruch im Vorjahr habe sich die einstige Schauspielerin gut erholt - auch in den letzten Wochen vor ihrem Ableben sei ihr gesundheitlicher Zustand gut gewesen, hieß es gegenüber.

1981 zum ersten Mal "Wer will mich?"

20 Jahre lang, bis zum Dezember 1999, hatte Edith Klinger "Wer will mich?" moderiert und damit ORF-Fernsehgeschichte geschrieben. Die engagierte Tierschützerin bestritt mehr als 800 Sendungen und suchte dort für herrenlose Hunde und Katzen ein neues Heim.

Die erste Ausgabe von "Wer will mich?" zeigte der ORF am 23. Februar 1981. Zu Beginn war die Sendung nur fünf Minuten lang. Doch mit jedem Monat wurde sie länger. Hervorgerufen durch das große Echo, das "Wer will mich?" hatte, wurde schließlich auf 15 Minuten verlängert. "Mein Herz gehörte schon immer besonders den alten, kranken und schwierigen Tieren", sagte Klinger einmal.

In Rumänien aufgewachsen

Edith Klinger wurde am 28. März 1922 als Edith Margulies in Wien geboren. Nach der Trennung ihrer Eltern wuchs sie bei ihrer Mutter in Rumänien auf. Sie besuchte das französische Lyceum in Bukarest, nach der Matura die Akademie für Darstellende Künste. Klingers Vater wurde unter der Nazi-Herrschaft im KZ Theresienstadt ermordet.

1947 kam sie zurück nach Wien. Als Edith Prager, also mit den Nachnamen ihres ersten Ehemannes, wirkte sie zunächst als Schauspielerin in österreichischen Nachkriegsfilmen und in kleineren Theatern mit. Sie stand mit Dorothea Neff, O. W. Fischer, Helmut Qualtinger und Wolf Albach Retty auf der Bühne und vor der Filmkamera.
1954 heiratete sie den Industriellen Harald Klinger.

Bei der "Krone" in der "Tierecke"

Sie wurde Managerin in einer Textildruckerei ihres Ehemannes und begann 1964 bei der "Krone" als Freie Mitarbeiterin, für die sie Filmkritiken, Reise- und vor allem Tiergeschichten schrieb. "Drei Jahre habe ich unentgeltlich für das Blatt gearbeitet, weil ich nicht wollte, dass mein Engagement für die Tiere zum Beruf wird", beteuerte Edith Klinger. Schließlich avancierte sie für Jahrzehnte zur "Ikone" der "Krone-Tierecke".

Von der "Krone" schied sie im Unmut im September 1999: Sie musste dort die "Tierecke" aufgeben, weil ihr mit Maggie Entenfellner eine Nachfolgerin präsentiert wurde. Die moderierte von 1997 bis 2012 das Nachfolgeformat von "Wer will mich?", die Sendung "Tierzuliebe".

Edith Klinger: Grande Dame der verstoßenen Tiere

In den 70er Jahren hat die "Grande Dame der verstoßenen Tiere" im Seniorenklub mitgewirkt, und 1991 überreichte ihr Bürgermeister Helmut Zilk, selbst ein eingestandener Hunde-Fan, einen Preis der Leopold-Gratz-Stiftung, die Privatinitiativen sozialer Art fördert.

In den letzten Jahren hatte Klinger zurückgezogen in Wien gelebt. 

(APA/Red.)

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