"Krone" lässt Jörg Haider "auferstehen"

Das Boulevardblatt veröffentlicht einen völlig unkritischen Artikel über eine "Frau, die mit den Toten spricht". Sogar verstorbene Promis werden "zitiert".

Krone laesst Joerg Haider
Krone laesst Joerg Haider
Krone laesst Joerg Haider – DiePresse.com

Die „Kronen Zeitung" wird derzeit im Internet mit Spott und Häme überzogen. Dem Boulevardblatt wird zudem Geschmacklosigkeit vorgeworfen. Grund für die Aufregung ist ein Bericht in der „Krone bunt" vom Sonntag, in dem auf drei Seiten völlig unkritisch das spirituelle Schaffen einer Frau vorgestellt wird, die - dem Bericht zufolge - „mit den Toten spricht". Dem Artikel fehlt nicht nur die kritische Distanz, auch die Aufmachung ist einigermaßen bizarr: In fünf Zitate-Boxen „melden" sich da verstorbene Prominente aus dem Jenseits. Denn: Die Krone bat die Humanenergetikerin Daniela Weber "mit Jörg Haider, Papst Johannes Paul II., Falco, Helmut Zilk und Lady Diana in Verbindung zu treten".

Das liest sich einigermaßen skurril: Der bei einem Verkehrsunfall gestorbene Jörg-Haider etwa soll aus dem Jenseits Verschwörungstheoretikern Auftrieb gegeben haben: „Das Auto wurde von politischen Gegnern manipuliert. (...) Aber jetzt sollte man die Dinge endlich ruhen lassen." Lady Diana, immerhin seit mehr als 15 Jahren tot, "prophezeit" Kate und ihrem Sohn William aus dem Jenseits drei Kinder. Helmut Zilk habe „fast jeden Tag Kontakt" mit Dagmar Koller. Der 1998 in der dominikanischen Republik verunglückte Falco soll angegeben haben, dass er den Bus „nicht gesehen" hat und Marihuana hasst. Und der 2005 verstorbene Johannes Paul II. rate seinem Nach-Nachfolger Franziskus „sich in Acht zu nehmen": „Es drohen Intrigen. Mächtige Gegner. (...) Und der Zölibat muss bleiben."

Die Autorin des Artikels scheint keine Zweifel an der Richtigkeit der Angaben der Humanenergetikerin zu haben: Sie lobt deren „Gabe", Weber baue Brücken zum Jenseits. In dem Bericht erfährt man auch einiges über die Frau, die „mit den Toten spricht". Schon als Kind habe sie Stimmen gehört. Doch „der strenge Dorfpfarrer hat es ihr verboten". Der Kontakt ins Jenseits falle der Frau dem Bericht zufolge auch einigermaßen leicht: „Ein Foto, den Namen und das Sterbedatum." Mehr brauche sie nicht. Aber, das geht nicht immer: „Der Mensch muss schon mindestens 12 Monate tot sein. Sonst funktioniert es nicht, weil die Energie zu schwach ist." 

(Red.)

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