Marga Swoboda: Die Frau fürs Menschliche ist tot

Die gebürtige Vorarlbergerin schrieb ihre Kolumne in der Kronen Zeitung 21 Jahre lang.

Marga Swoboda
Marga Swoboda
Marga Swoboda – KRONEN ZEITUNG/MARTIN A. JÖCHL

21 Jahre lang schrieb Marga Swoboda für die "Kronen Zeitung", und zwar "Tag für Tag". Die Kolumne dieses Titels war quasi die schreiberische Heimat der am Mittwoch verstorbenen Journalistin, aber bei weitem nicht ihr einziges Betätigungsfeld. Für ihren emotionalen Stil und ihre bildstarke Sprache wurde sie geschätzt, aber mitunter auch belächelt.

Hießen die einen sie das "soziale Gewissen" der "Krone", spöttelten die anderen über ihre publizistischen "Gefühlsausbrüche". Denn Swoboda war die Frau fürs Menschliche im Kleinformat, die nicht von ungefähr auch als "unermüdliche Verfechterin der Herzensbildung" beschrieben wurde. Nicht nur mit ihrer Kolumne, auch in unzähligen Porträts, Reportagen und Interviews lauschte sie der "mentalen Musik des Menschen", wie sie einmal sagte. "Jeder Mensch ist für mich ein Krimi." Und diese Krimis wurden entsprechend spannungsgeladen nacherzählt. So ist es auch kein Zufall, dass Swoboda für die "Kronen Zeitung" zum Zug kam, als Natascha Kampusch ihr erstes Interview nach ihrer Flucht gab.

Das "Dodelpublikum" am Boulevard

Dass sie für die "Krone" schrieb, wurde ihr immer wieder vorgehalten. Doch das schmetterte sie ab: "Guter Journalismus kann sich im Boulevard besonders zeigen", widersprach sie der Vorstellung, im Kleinformat schreibe sie für ein "Dodelpublikum". Und ihre Entscheidung für den Boulevard "war sehr überlegt": "Für elitäre Magazine zu schreiben, bedeutet auch, nur von einem elitären Kreis gelesen zu werden. Ich habe aber die Hoffnung, auf breiter Basis eine gewisse Art von Toleranz zu üben."

Zur "Kronen Zeitung" kam sie Anfang der 90er Jahre und leitete die Wochenendbeilage ("Krone bunt"). Bald aber konzentrierte sie sich auf ihre Kolumne und ihre Reportagen. Als Familienmensch habe sie auch nicht wirklich Lust auf eine Chefinnenposition gehabt, ließ sie einmal durchblicken. Zudem sie diese Erfahrung bereits abhaken konnte: Sie war in den 80er Jahren die Gründungs-Chefredakteurin der "Wienerin". "Wir waren ein schrilles Orchester", erinnerte sie sich später an die Anfangsjahre des Frauenmagazins.

Die Enge der Provinz

Geboren wurde Marga Swoboda 1955 in Düns in Vorarlberg. An ihre Kindheit und Jugend in Rankweil hatte sie keine besonders rosigen Erinnerungen. "Wie lange ich noch fort sein muss, um Rankweil richtig zu lieben, weiß ich nicht. Ich bin ja im Zorn gegangen", schrieb sie Mitte der 2000er Jahre. Die Enge der Provinz machte ihr zu schaffen, zumal sie doch eigentlich "gerne die Uschi Obermaier von Rankweil gewesen" wäre. Sie habe schon als Kind zu schreiben begonnen, da sie keinen Ansprechpartner gehabt habe. Der Wunsch, Journalistin zu werden, war mit 17 so groß, dass sie dafür die Schule abbrach und auf die Matura verzichtete.

Von einem Praktikum beim "St. Galler Tagblatt" - wo sie "Klecksi" gerufen wurde - führte ihr beruflicher Weg zur "Neuen Vorarlberger Tageszeitung", wo sie neun Jahre lang schrieb. Ein Interview mit Dagmar Koller, die in Bregenz gastierte, öffnete ihr den Weg nach Wien, mit einem Empfehlungsschreiben von Kollers Gatten Helmut Zilk im Gepäck. Der nannte sie übrigens "Swoberl".

Schicksalsschläge eines Lebens

Swoboda schrieb für den "Trend", den "Kurier", fürs "profil" und später fürs "Format", auch noch, als sie bereits fix bei der "Krone" war. 2011 veröffentlichte sie einen Sammelband ihrer Werke. Da hatte sie sich schon länger mit dem "Westen" versöhnt. In Liechtenstein hatte sie einen Wohnsitz, und in Porträts anlässlich der Buchveröffentlichung war zu lesen, dass mit den Kindern zuhause Vorarlbergerisch gesprochen wurde. Marga Swoboda hinterlässt drei erwachsene Kinder. Einen Sohn verlor sie vor einigen Jahren, eine Tochter starb früh am plötzlichen Kindstod.

Selbstironie war der nach eigenen Angaben fast schon "wahnhaft" Frankophilen - "in Paris bin ich ich selber" - nicht fremd. So trug sie vor einigen Jahren bei der "Langen Nacht der Kolumnisten" im Wiener Rabenhof ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Boulevardschlampe" zur Schau. Swoboda wollte schreiben, solange "die Finger halten und bis ich 105 bin". Sie verstarb im Alter von 58 nach kurzer, schwerer Krankheit.

(APA)

Kommentar zu Artikel:

Marga Swoboda: Die Frau fürs Menschliche ist tot

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen