Neue Netzwerke für freie Schreiber

Auslandskorrespondenten werden heute über neue Kanäle vermittelt.

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)


Die orange Protestwelle in der Ukraine, russische Truppen auf georgischem Boden, Bomben in Taschkent: Es passiert nicht oft, dass sich die Nebenschauplätze des Weltgeschehens als Schlagzeile auf Seite eins einer Tageszeitung wiederfinden. Die Medien, die keinen Korrespondenten vor Ort haben, müssen in diesem Fall auf Agenturmeldungen zurückgreifen.
„Schade eigentlich“, dachten sich einige Nachwuchsjournalisten und Quereinsteiger und gründeten „n-ost“, Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung (www.n-ost.de). Die Idee: den Redaktionen „Hintergrund und Analyse“ zu liefern, vor allem den Redaktionen von Regional- und Lokalzeitungen, die über kein ausgebautes Korrespondentennetzwerk verfügen, wie Geschäftsführer Matthias Echterhagen erklärt. „Wir berichten aus Regionen, in denen sonst keiner ist.“ Mit diesem ungewöhnlichen Köder klopfte man an die Redaktionstüren.


Mit Erfolg. Mittlerweile sind bei n-ost freie Korrespondenten in über 20 Ländern vertreten; eine Geschäftsstelle in Berlin kümmert sich um die Vermittlung von Artikeln. Sie nimmt den freien Schreibern die zeitaufwendige Kontaktaufnahme zu den Redaktionen ab und sichert Qualitätsstandards; umgekehrt melden sich Redaktionen mit speziellen Rechercheaufträgen. Gerade in Zeiten, in denen fixe Korrespondentenstellen vielerorts abgebaut werden, sind Freie – ohne Fixkosten für Redaktionen – willkommen. „Wir haben von dieser Entwicklung ein Stück profitiert“, sagt Echterhagen.


„Funding Journalism“ aus der Schweiz


Ähnlich funktioniert das Journalistennetzwerk „weltreporter.net“ – allerdings weltweit. Eine zentrale Anlaufstelle in Hamburg bringt die 33 freien Korrespondenten, die in Bagdad und Sydney, Buenos Aires und Moskau, Jakarta und Kabul sitzen, zusammen. Honorare und Spesen werden einzeln verhandelt. Mitunter kann ein Autor eine engere Bindung zur Redaktion herstellen: Einige frühere „Weltreporter“ wurden später fix von Redaktionen übernommen.


Nach dem amerikanischen Vorbild des „spendenfinanzierten Journalismus“ funktioniert hingegen die Schweizer Onlineplattform „Maiak.info“, die seit Kurzem online ist. Sie bietet ihre Recherchen mit Schwerpunkt Osteuropa – auf der Website als Dossiers veröffentlicht – zum kostenlosen Abdruck für Medien an.

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