TV-Kritik: „Mentalist“ verspricht Lebenshilfe

Zauberei? Wo? Der ORF will mit seiner neuen Freitagsshow die Menschen glücklich machen. Und gaukelt ihnen einiges vor.

„Denken, Denise!“ Manuel Horeth, von Beruf „Mentalist“, steuert mit verbundenen Augen einen Jet-Ski durch einen Wasserparcours. Kandidatin Denise, im Teenageralter, sitzt hinter ihm auf dem Gefährt – und muss Horeth mit ihren Gedanken leiten.

Mehr Lebenshilfe als Zaubershow ist es, was ORF1 ab heute, Freitag, 21.10 Uhr, mit „Manuel Horeth – der Mentalist“ präsentiert. Denise gibt die Sendung Selbstvertrauen, einer älteren Dame das Andenken an ihren Großvater, zwei blinden Menschen den Glauben an ihren „sechsten Sinn“, Paaren aus dem Publikum den „Beweis“ gegenseitiger Liebe. „Besser leben mit dem ORF“, verspricht der in seiner aktuellen Werbekampagne. Das klingt ein bisschen altmodisch und so, als wäre der ORF vertonte und bebilderte Ratgeberliteratur à la „Das Glücksrezept“ oder „So stärken Sie Ihr Ego“. Genau.

Horeth hatte Anfang des Jahres an der Pro7-Castingshow „The next Uri Geller“, moderiert vom berühmten Schweizer Löffelverbieger, teilgenommen. „Unerklärliche Phänomene“, um dieses Thema ging es gleich in der ersten Sendung mit Moderatorin Carolina Inama (vom seriöseren Wissenschaftsmagazin „Newton“ ausgeborgt). Wobei Horeth auch gleich den Unterschied zwischen Zauberei und Mentalismus erklärt: Der Zauberer lässt eine Münze verschwinden, der Mentalist beeinflusst z.B. durch Gedankenlesen, Hypnose oder Suggestion das Denken der Versuchsperson. Was allerdings nur funktioniert, wenn die kooperiert.


Das Publikum sanft für dumm verkauft

Gleich der erste „Trick“ ist relativ durchsichtig: Auf einem Supermarktparkplatz geht Horeth ganz zielstrebig auf eine ihm „völlig unbekannte“ Person zu, spricht sie an, lädt sie zum Hubschrauberflug, errät, welcher Mensch für die Dame ein „Phänomen“ war – dessen Name erscheint in den Rasen gemäht am Boden: Großvater Michael! Kaum zu glauben, dass da nicht vielleicht Familie oder Freunde der Kandidatin ihre Hände im Spiel hatten und Horeth vielleicht gerade dieses Detail aus der Biografie der Frau Elisabeth verraten haben...

Damit ist die Sendung praktisch gelaufen – offensichtlich werden die Zuschauer da ganz sanft für dumm verkauft, man gaukelt ihnen einiges vor. Ob sie das mögen? trick

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2009)

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