ORF: Ingrid Thurnher gibt "Im Zentrum" ab

Die ORF-Moderatorin verlässt nach Informationen der "Presse" das Talkformat nach fast zehn Jahren und wird Chefredakteurin von ORF III. Ihre Neuorientierung soll auch eine Folge der Tempelberg-Berichterstattung vor der Bundespräsidentschaftswahl sein.

Wahl 16
Wahl 16
Wahl 16 – (c) ORF (Thomas Ramstorfer)

Offiziell bestätigen wollte es am Donnerstag niemand. Doch am Freitag wird - nach "Presse"-Informationen - eine größere Personalentscheidung im ORF bekannt gegeben: Ingrid Thurnher wird nach zehn Jahren die Moderation der Sonntagabend-Diskussionssendung „Im Zentrum“ abgeben. Sie dürfte stattdessen 2017 die Chefredaktion des Info- und Kulturspartensenders ORF III von Christoph Takacs übernehmen. Ihr Vorgänger wird ja neuer ORF-Landesdirektor in Salzburg. Die Redakteure von ORF III werden jedenfalls am Freitag jedenfalls über Neuerungen im Sender informiert, wie Geschäftsführer Peter Schöber bestätigte. Welche genau das seien, wollte er gegenüber der "Presse" aber nicht sagen.

Anfeindungen, Hassmails und Morddrohungen

Thurnhers Abgang von „Im Zentrum“ nach ziemlich genau zehn Jahren soll auch eine Folge der Tempelberg-Berichterstattung vor der Bundespräsidentschaftswahl sein. Sie wollte FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer in der TV-Konfrontation am 19. Mai nicht zu den Einzelheiten seiner Israelreise befragen, heißt es aus ihrem Umfeld. Die „ZiB“-Redaktion drängte aber, es doch zu tun. Thurnher wurde danach massiv von FPÖ-Sympathisanten angefeindet, erhielt Hassmails und sogar Morddrohungen - aber sie verteidigte ihre Redaktion und den ORF stets. Der anhaltende Druck von außen und die Möglichkeit einer Neuorientierung sollen nun dazu geführt haben, dass sich der ORF und sie auf den Wechsel geeinigt haben. Ingrid Thurnher war am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Thurnher: Mehr als 30 Jahre im ORF

Die gebürtige Vorarlbergerin Ingrid Thurnher (Jahrgang 1962) ist seit 1985 im ORF tätig. Sie begann ihre Karriere zunächst als Programmansagerin, wurde aber nach einem bravourös abgelegten Sprechertest Redakteurin im Aktuellen Dienst. Anfang der 1990er-Jahre war sie als Innenpolitikredakteurin beim Hörfunk tätig, bevor sie ab 1995 diverse Sendungen moderierte, darunter etwa "Land und Leute", "Österreich-Bild" und "Niederösterreich heute". Mehr als zehn Jahre, von 1995 bis 2007, war sie eine der Moderatorinnen der "Zeit im Bild 2". In die Fernsehgeschichte ein ging unter anderem ihr Interview mit dem deutschen Komödianten Otto Waalkes, der während des Live-Gesprächs mit ihr unter das "ZiB"-Pult kroch.

2007 wechselte Thurnher in die "Zeit im Bild" um 19:30 Uhr und bekam mit der Sonntagabenddiskussion "Im Zentrum" ihr eigenes Talkformat. Sie moderiert zudem seither als Hauptmoderatorin die Sendung "Runder Tisch", die bei aktuellen politischen Ereignissen ausgestrahlt wird. Thurnher wurde für ihre Moderationen mehrfach mit dem österreichischen Fernsehpreis "Romy" ausgezeichnet und hat zwei Bücher geschrieben. Eines davon über den zum sechsfachen Mord verurteilten Unternehmer Udo Proksch ("Auf den Spuiren des Udo Proksch", Ecowin, 2011)

Worum ging es bei der Tempelberg-Geschichte?

Zur Erinnerung: Worum ging es bei der Tempelberg-Geschichte? Norbert Hofer hatte im Vorfeld der Bundespräsidentschaftswahl mehrfach öffentlich berichtet, er sei  mit einer FPÖ-Delegation im israelischen Parlament, der Knesset in Jerusalem, empfangen worden. Auf dieser Israelreise sei er am Tempelberg in einen Terrorakt geraten sei, bei dem neben ihm eine mit Handgranaten bewaffnete Frau erschossen wurde, die versucht habe, betende Menschen zu töten. Tatsächlich war der Besuch in der Knesset nur ein informelles Treffen gewesen, und den Terrorakt hat es so nicht gegeben. Vielmehr war an der Klagemauer einer unbewaffneten Frau ins Bein geschossen worden. Armin Wolf hatte Hofer in der "ZiB 2" mit dem Knesset-Besuch konfrontiert, Ingrid Thurnher in der Wahldiskussion mit dem Terrorakt.

(awa/red.)

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