Unterberger wird 70 – Altersmilde ist ihm fremd

Andreas Unterberger, Alt-Chefredakteur dieser Zeitung, ist digital erfolgreich und hält sein rechtskonservatives Banner hoch. Und denkt hoffentlich noch lang nicht an die publizistische Pension.

Andreas Unterberger, Ex- Chef der „Presse“.
Andreas Unterberger, Ex- Chef der „Presse“.
Andreas Unterberger, Ex- Chef der „Presse“. – (c) APA-Fotoservice/Preiss (Thomas Preiss)

Sie verwenden Modewörter wie Disruption, verwenden Fachchinesisch und beschwören bei jeder Gelegenheit die Digitalisierung. Er spricht stets Klartext, scheut Moden wie überflüssiges Vokabular und ist digital erfolgreich. Wirklich erfolgreich. Andreas Unterberger erreicht mit seinem Blog „Politisches Tagebuch“ mehr als jeder andere politische Publizist in Österreich. Und mit eigener Tastatur mehr als eingangs erwähnte Experten.

Am Mittwoch wird der ehemalige Chefredakteur dieser Zeitung 70. Große Gefühle sind ihm ebenso fremd wie Pathos, daher in aller Nüchternheit: Unterberger war als Chef und Ressortleiter dieser Zeitung lang erfolgreich. Schon aus einem Grund: In der Ära Unterberger wurde eine ganze Generation ausgebildet, die diese Zeitung führt(e) und prägt(e): Florian Asamer, Christian Ultsch – und Franz Schellhorn, der heute die Agenda Austria leitet. Politisch waren und sind ihm die österreichischen Journalisten viel zu links, bis zu einem gewissen Grad sogar Teile der „Presse“-Redaktion. Unterberger, der einst als Außenpolitiker sehr nüchtern bis trocken schrieb, ist der publizistische Bannerträger der Rechtskonservativen Österreichs. In seinen Texten trifft er oft den Punkt und immer die Emotion eines mitunter wütenden Bürgertums, das nicht viel von der vermeintlichen Mitte oder den modernen Zeiten hält. Und schon gar nicht von deren Medien.

Als Außenpolitiker war er bekennender Transatlantiker, verstand die Welt geostrategisch wie kaum einer. Wenn er die von China verfolgte Minderheit der Uiguren vor Jahrzehnten auf die Seite eins hievte, verstand das nicht jeder, aber er bewies früh Kenntnis kommender und bleibender geopolitischer Konflikte.

Unser Chefhistoriker Günther Haller bezeichnete Unterberger als ein „Presse“-Produkt: „Schon als Mittelschüler war ,Die Presse‘ seine ,Leibzeitung‘ gewesen, nach dem Studium ging er in die Lehrredaktion, es begann eine ,monogame Karriere‘ (Gerd Bacher) für diese Zeitung, als Leiter der Außenpolitik, 1995 bis 2004 als Chefredakteur. Er war ein Fan Otto Schulmeisters – Fan, diese Tradition trug er fort, als einer, der diese Zeitung als unverzichtbare Institution sah, ihr zu dienen: eine patriotische Verantwortung.“ Haller: „Unterberger führte die Redaktion wie ein Abt sein Kloster, der Strenge verlangte, Sachlichkeit und Disziplin. Ein großes und breit gefächertes Faktenwissen, wie er selbst es besaß, erwartete er auch von den anderen. Ironie und Pointengeilheit verachtete er. Er hasste den ,Einser-Schmäh' à la Thomas Bernhard: Wer das Land als dümmlich oder faschistoid bezeichne, promoviere zum Intellektuellen.“

Es gab charmantere und intern beliebtere Chefredakteure der „Presse“, von ihrer Mission überzeugtere nicht.
[P2XDJ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.01.2019)

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