ORF-Stadtkomödie: Warum nicht Wintersport in Eisenstadt?

Für „Curling für Eisenstadt“ mussten Regisseur Andreas Schmied und Hauptdarstellerin Katharina Straßer sich erst einarbeiten. Kalt war's. Aber Spaß hat's gemacht. Und der „Spirit of Curling“ fasziniert beide.

Marlene Morreis, Veronika Polly, Katharina Straßer und Maddalena Hirschal treten als „Chicken Nugget Queens“ beim Curling an.
Marlene Morreis, Veronika Polly, Katharina Straßer und Maddalena Hirschal treten als „Chicken Nugget Queens“ beim Curling an.
Marlene Morreis, Veronika Polly, Katharina Straßer und Maddalena Hirschal treten als „Chicken Nugget Queens“ beim Curling an. – (c) ORF (Hubert Mican)

Curling ist als Zuschauersport nicht gerade der Heuler. Zwei Stunden, wenn nicht länger, werden schwere Steine langsam über's Eis geschoben, wird mit Besen gewischt, um sie schneller gleiten zu lassen oder den gewünschten Drall zu geben. Und wenn man die Regeln nicht kennt, ist man nach wenigen Minuten vor dem Fernseher eingeschlafen . . . Andererseits: Welchen Wintersport könnte man sonst ausüben – im verschlafenen, völlig bergfreien Eisenstadt? Touristik-Managerin Vicky (Katharina Straßer), die neben dem Rausschmiss auch die Abhängigkeit vom Vater überwinden muss, hat jedenfalls die Idee, es allen, vor allem aber ihrem „Papsilein“ (Wolfgang Böck), zu zeigen – und die Damen-Curling-WM nach Eisenstadt zu bringen.


Recycelte Grabsteine. Das ist der Plot der ORF-Stadtkomödie „Curling für Eisenstadt“ (13. 9., 20.15 Uhr, ORF eins). Regisseur Andreas Schmied („Harri Pinter, Drecksau“, „Love Machine“) und Hauptdarstellerin Katharina Straßer mussten sich auch erst einlesen – oder besser: einüben. „Ich habe mich null ausgekannt“, erzählt Schmied im Interview, ist aber sicher: „Das ist das ultimativ spannendste Curling-Match der Filmgeschichte . . . weil so viele Curling-Filme gibt's nicht.“ Am Ende treten die „Hendl Kaisers Chicken Nugget Queens“ (was für ein Sponsor!) gegen die (echte) Curling-Mannschaft aus Kitzbühel an. Wobei die Eisenstädterinnen mehr Handicaps haben als den schrägen Namen und peinliche Outfits. Ihre Curlingsteine sind Recyclingware vom Steinmetz: „Mein Sohn, der Basti, ist Legastheniker, der hat einen großen Verschleiß.“ An Grabsteinen. Aber zurechtgeschnitten und poliert schauen sie eh fast so aus wie die echten . . .

Straßer hat sich bisher „immer köstlich amüsiert“, wenn Curling im Fernsehen lief. Beim Training für den Film fand sie aber heraus, dass das „ein gefinkelter, toller, interessanter Sport ist – eine Mischung aus Boccia, Kegeln und Schach“. Nicht zu vergessen der „Spirit of Curling“, der Straßer wie Schmied beeindruckt – ein Ehrenkodex, der die Spieler verpflichtet, sich den Konkurrenten gegenüber fair und anerkennend zu verhalten. „Ich finde Vicky am Anfang richtig unsympathisch, aber sie entwickelt sich“, sagt sie: „Der Spirit of Curling macht alle zu anderen Menschen.“ Das Wischen mit dem Besen sei anstrengend und beim Abgeben des Steins „war das Beckenbodentraining inklusive“. Straßers Tochter war erst wenige Wochen alt – und der elegante Ausfallschritt, mit dem der Stein auf den Weg geschickt wird, eine echte Herausforderung.

So wie die Rolle der Vicky. „Es ist viel schwieriger, lustig zu sein, als traurig, ernst, böse oder laut“, sagt sie. „Komödien zu machen ist immer schwieriger, auch für den Regisseur. Im Theater Komödien zu proben kann total öd sein.“ Die Dreharbeiten seien aber sehr lustig gewesen. „Gott sei Dank, denn wir haben ständig gefroren.“

Schmied ist mittlerweile hauptsächlich auf Komödie gebucht. „Das liegt in meiner Natur“, sagt er und erinnert sich an Michael Ostrowski („Die Werkstürmer“), der sagte: „Irgendwie bis du wie Obelix, du findest das Leben eher amüsant als ernst.“ Außer Krimis und Komödien seien in Österreich aber auch keine anderen Genres möglich: „Hier einen Actionfilm zu drehen, wäre vermessen. Da müsste man mit Hollywood mithalten – mit Filmen, die 200 Millionen Dollar kosten!“


Netflix klopft an. Curling ist jedenfalls kein Einschlafsport mehr für die beiden. Straßer stimmt sich wieder auf ihr Soloprogramm ein – das von ihr geschriebene („Ich wollte einfach eine coole Rolle spielen“), produzierte, gespielte und gesungene „Alles für'n Hugo“ über Cissy Kraner und Hugo Wiener (ab 2. Oktober im Rabenhof). Schmied schneidet gerade seinen Film „Hals über Kopf“ – „eine romantische Entführungskomödie“ mit Otto Jaus und Miriam Fussenegger, die nächstes Jahr in die Kinos kommt. Mittlerweile klopfen auch internationale Produzenten bei ihm an. „Ich bin sehr bemerkt worden, vor allem durch den Erfolg von ,Love Machine‘.“ Neben mehreren deutschen Kinokomödien liegen auch zwei Serienangebote von Netflix auf seinem Schreibtisch, darunter eine Action-Komödienserie. „Mehr kann ich dazu aber noch nicht verraten.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2019)

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