Die Dichands - die Familie hinter dem Patriarchen

750 Millionen Euro hinterlässt der Medienzar seiner Ehefrau, die bisher im Hintergrund stand, aber großen Einfluss hatte, und seinen drei so unterschiedlichen Kindern.

Dichands Familie hinter Patriarchen
Dichands Familie hinter Patriarchen
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Die Todesnachricht kam für die Familie dann doch überraschend: Hans Dichand, seit Längerem altersschwach, war zwar vor einer Woche ins Krankenhaus eingeliefert worden, zuletzt jedoch auf dem Weg der Besserung. Doch Donnerstagvormittag trat plötzlich ein akutes Nierenversagen auf. Gegen Mittag verstarb er.

Zu Lebzeiten hatte Dichand den Plan, die „Krone“ und ihr Vermögen in eine Stiftung einzubringen. Es dürfte nicht mehr dazu gekommen sein. Sein letzter Wille ist noch unbekannt. Hat er kein Testament hinterlassen, wovon kaum auszugehen ist, würde seine Frau Helga (73) ein Drittel des auf 750 Millionen Euro geschätzten Vermögens erhalten, die drei Kinder den Rest zu gleichen Teilen.

Erbstreitigkeiten kommen bekanntlich in den besten Familien vor. Nun auch im „Krone“-Clan? Christoph Dichand (45), von seinem Vater als Chefredakteur eingesetzt, könnte Konkurrenz bekommen. In der „Krone“-Belegschaft rechnet man durchaus damit, dass sich der Erstgeborene, Michael Dichand (48), nun verstärkt in der Redaktion zu Wort melden könnte. Keinerlei publizistisches Interesse hat hingegen Johanna Dichand (46). Sie war der Liebling ihres Vaters, die einzige Tochter, ein Bild von ihr ziert seinen Schreibtisch im 16. Stock des Pressehauses.

Die wohl entscheidende Rolle kommt nun Hans Dichands Witwe Helga zu, nach schwerer Erkrankung wieder genesen. Sie stand stets im Hintergrund, war aber nicht ohne Einfluss. Ihr Interesse für den Umwelt- und Tierschutz bewog ihren Mann dazu, sich dieser Themen anzunehmen. Helga Dichand, Burgenländerin aus Frauenkirchen und evangelisch, war Sekretärin in der „Krone“ gewesen. Der Legende nach habe sie im Zuge eines Personalabbaus entlassen werden sollen, aber noch einen Termin beim Chef bekommen – wenig später wurde geheiratet. Es war Hans Dichands zweite Ehe.

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Der exzentrische „Snoopy“

Michael, genannt „Snoopy“, der älteste Sohn, gilt als exzentrisch und gescheit. Er machte einst als linksalternativer Biobauer – einer der Ersten im Lande, wirtschaftlich aber nicht rasend erfolgreich – von sich reden. Später beriet er die kroatische Regierung in Ökostrom-Fragen und lebte in Kuba und den USA. 2003 goss er mit einem Interview Öl ins Feuer des Dichand-WAZ-Konflikts: Die WAZ habe bei ihrem Medienengagement auf dem Balkan mit der Mafia zusammengearbeitet. WAZ-Chef Bodo Hombach konterte: Bei Michael Dichand seien wohl „alle Sicherungen durchgebrannt“.

Tochter Johanna, die in der Dichand-Villa in Döbling lebt, verwaltet die Dichand'sche Kunstsammlung, ist Gesellschafterin und Aufsichtsrätin im Dorotheum. Lange lebte sie in New York und führte ein exaltiertes Leben in der Kunstszene. Sie stand Andy Warhol Model, ließ sich von ihm fotografieren. Bis sie nach Wien zurückkehrte und im Auftrag ihres Vater die Galerie Würthle übernahm.

Christoph Dichand, politisch ein Liberaler, wurde 2003 – gegen den Willen der WAZ – von seinem Vater zum Chefredakteur der „Krone“ gemacht. Der Jurist wirkt sehr zurückhaltend, ja fast scheu, in der Redaktion weiß er sich aber durchzusetzen. Unterschätzen sollte man ihn nicht. Er ist allerdings mehr Unternehmer denn Publizist. Gemeinsam mit den Bau-Brüdern Soravia beteiligte er sich am Wiener Hilton, am Internet-Auktionshaus „OneTwo-Sold“ und kaufte das Dorotheum.

Als Autor ist Christoph Dichand bisher nicht aufgefallen. Daher erscheint jenes Szenario, das derzeit kolportiert wird, durchaus realistisch: Christoph Dichand wird Herausgeber, ein anderer – etwa Hans Mahr – Chefredakteur. Sofern die WAZ dem zustimmt.

 

Eva Dichand ante portas?

Vorläufig wird Christoph Dichand die Chefredakteurs-Geschäfte weiterführen. Vielleicht sogar mit seiner Frau an der Seite. Denn vakant dürfte in Bälde auch der Posten des Geschäftsführers der „Krone“ werden: Wolfgang Altermann, längst pensionsberechtigt, hat Hans Dichand versprochen gehabt, an Bord zu bleiben, so lange dieser lebt. Seine mögliche Nachfolgerin: Eva Dichand.

Die gebürtige Grazerin hat mit Christoph Dichand drei Kinder, Constantin (6), Arthur (3) und Annabelle (1). Die WU-Absolventin und gelernte Investmentbankerin kam ebenfalls aus der Wirtschaft, von der UIAG, ehe sie das Gemeindebau-Magazin „Die Stadt“ übernahm. Später wurde sie dann Herausgeberin der Gratiszeitung „Heute“.

Christoph und Eva Dichand sind gern gesehene Gäste auf dem Societyparkett. Gegen Eva gibt es allerdings Vorbehalte – im Pressehaus und in der Familie. Und beides – „Heute“ und die „Krone“ – wird sie wohl schwer leiten können. Denn damit würde auch offensichtlich, was bisher stets dementiert wurde: dass die „Krone“ doch hinter „Heute“ steckt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2010)

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