Ehemaliger "Universum"-Chef macht ORF Konkurrenz

Im November verließ er mit der gesamten "Universum"-Redaktion den ORF. Jetzt stellt Walter Köhler mit Red-Bull-Chef Mateschitz eine neue Naturfilmschiene auf die Beine. Der ORF sucht indes einen Nachfolger.

(c) AP (Anonymous)

Im November ließ Walter Köhler eine Bombe platzen: Mit der kompletten „Universum“-Redaktion im Schlepptau verließ deren Leiter den ORF, um mit seinem Naturfilm-Know-how beim kommerziellen Konkurrenten Dietrich Mateschitz (Servus-TV) anzuheuern. „Universum“ läuft im ORF weiter – die Marke gehört dem Sender, die konnte Köhler nicht mitnehmen, auch wenn er entscheidend an ihrem Erfolg beteiligt war: „Universum“ ist die zweitgrößte Marke für Naturfilme weltweit – nach der BBC; Köhler war ab der ersten Sendung 1987 mit dabei.

Die Nachbesetzung läuft auf vollen Touren. „In den nächsten 14 Tagen wird entschieden“, sagt ORF-Wissenschaftschef Gerhard Klein der „Presse“. Die Stelle sei ausgeschrieben gewesen, „ich habe aber auch aktiv gesucht“. Nicht nur im ORF, auch international. „Ich möchte, dass ,Universum‘ weiterhin stark bleibt – das liegt auch an internationalen Koproduktionen. Damit kann man keinen Anfänger betrauen.“ Der neue Leiter (der interimistische, Gerhard Jelinek, hat sich nicht um den Posten beworben) soll rasch eine Redaktion von derselben Größe wie die bisherige aufbauen, sagt Klein. An Personaleinsparungen sei nicht gedacht. Neben internationalen Koproduktionen wünscht sich Klein auch Dokumentationen aus und über Österreich – so wie das „Universum“ über den Arlberg vom 3.Februar, das „ein unglaublicher Erfolg“ war (666.000 Seher, 25Prozent Marktanteil).

 

Köhler: Für Mateschitz und den Weltmarkt

Während der ORF dabei ist, den Schock zu überwinden und seine Naturfilmschiene auf neue Beine zu stellen, erfüllt sich Köhler seinen Traum von der Selbstständigkeit mit Hilfe von Red-Bull-Boss Mateschitz: Mit ihm hat Köhler eine Produktionsfirma gegründet, erzählt er der „Presse“: „Wir werden dokumentarische Hochqualitätsprodukte herstellen. Das Unternehmen ist eine Tochter des Red Bull Media House und wird für den Weltmarkt produzieren.“ Für Mateschitz' Servus-TV werde man eine Programmschiene im Hauptabend gestalten. Noch im Jänner soll mit der Produktion begonnen werden.

Köhlers Erfolgsrezept? „Die Zutaten sind dieselben wie im Spielfilm: Eine Topproduktion hat bei Story und Kamera Spitzenleistungen zu erbringen.“ Wenn er an die Marke „Universum“ denkt, „schwingt naturgemäß Wehmut mit“, sagt Köhler. Allerdings: „Unter den gegebenen Umständen wollten und konnten wir nicht weitermachen.“ Über den Hintergrund seiner Entscheidung, den ORF zu verlassen, will er „aus Gründen der Fairness und Loyalität“ nichts sagen. Viele Naturfilmer – darunter Michael Schlamberger, Kurt Mündl und Georg Riha – zeigten sich von Köhlers Abgang beim ORF betroffen. Konkrete Vereinbarungen über eine zukünftige Zusammenarbeit habe er noch nicht treffen können, „aber natürlich freut es mich sehr, dass viele unserer Regisseure, Produzenten und internationalen Partner vorhaben, die Zusammenarbeit auch unter neuen Vorzeichen fortzusetzen“. Ob er mit dem ORF kooperieren wird? „Es ist zu früh, über diesen Aspekt zu spekulieren.“

Er werde mit seinem Team „weiterhin große Dokumentationen und Serien in den Genres Nature, Science und History produzieren“, sagt Köhler. Der Naturfilmmarkt wächst. „Er ist eben jenes Format, das als einziges keine Sprachbarrieren kennt. Und natürlich ist weiterhin HD eine Zauberformel, die nun um den Faktor 3-D erweitert wird.“ Köhler wartet auf „Angebote aus der Produzentenlandschaft“. Denn: Die üblichen 300.000 Euro Budget für eine Natur-Doku reichen in dem Fall nicht aus. Über konkrete Projekte will er noch nichts sagen. Neue Träume hat er aber schon: „Wir wollen auch auf die große Leinwand.“ Das Kino ruft.

Zur Person

Walter Köhler (*9. März 1962 in Wien) studierte an der Universität Wien und arbeitete als freier Journalist. 1982 ging er zum ORF, arbeitete seit Gründung von „Universum“ 1987 für die Sendung, deren Redaktion er seit 1994 leitete. Mit Ende 2010 verließ er den ORF und gründete mit Dietrich Mateschitz eine Produktionsfirma für Naturfilme. Wem die Firma genau gehört und wie sie heißt, soll bis Mitte Februar bekannt gegeben werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2011)

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