Harmonische Koalition im ORF: Darf die Regierung das denn?

TV-Notiz Die "demonstrative Harmonie" der einjährigen Koalition gefällt nicht jedem, im "Report" und in der "ZiB 2" wurde sie am Dienstag misstrauisch beäugt.

Ihre Eintracht macht so manchen stutzig.
Ihre Eintracht macht so manchen stutzig.
Ihre Eintracht macht so manchen stutzig. – (c) Screenshot

Nachdem die Regierungsspitze am Dienstag in der Albertina ihr Resümee über ein Jahr Regierung sehr geeint zog, war das medial ein großes Thema. Das gegenseitige Lob von Kanzler Sebastian Kurz und seinem Vize Heinz-Christian Strache, der sehr freundliche Umgang miteinander: Das ist, auch wenn wir es schon seit einem Jahr sehen, doch irgendwie noch neu. Die koalitionäre Eintracht wurde auch in den TV-Sendungen des Dienstagabends betont - allerdings mit Unterton.

"Inszenierung wird groß geschrieben. Ein Teil des Erfolgs der türkis-blauen Koalition: das plakativ zur Schau gestellte gute Einvernehmen." So hieß es etwa im Beitrag des ORF-"Report". In der "ZiB 2" war das erste Jahr Regierung ebenfalls Thema, und auch hier wurde über die Harmonie zwischen ÖVP und FPÖ gesprochen. Die Worte "demonstrativ" und "Inszenierung" begleiteten den Beitrag. Und den Zuschauer irgendwann  das Gefühl, dass ein Einvernehmen etwas recht Unehrliches sein muss.

In der "ZiB 2" wurde auch darauf hingewiesen, dass der "harmonische türkis-blaue Paarlauf" bei vielen Wählern gut ankomme. Hinter der Harmonie stecke freilich Kalkül, sagte eine Meinungsforscherin in dem entsprechenden Beitrag. Schließlich wisse man, dass das gut ankomme. Nun ja, warum denn auch nicht? Ist es nicht gut, auf das Keppeln, Sticheln und Frotzeln zu verzichten, das die Vorgängerregierungen medial inszenierten? Also, ganz ironiefrei: Ist Harmonie nicht etwas Gutes? Warum muss sie uns misstrauisch machen? Anlass zur Kritik können doch eher die Maßnahmen der Regierung geben.

Übrigens kam die Harmonie gestern im "Report" noch an anderer Stelle zurück: Offenbar hat es auch noch den Bundespräsidenten erwischt. Im Interview mit Susanne Schnabl zum Thema Klimaschutz (Alexander Van der Bellen ist gerade im polnischen Katowice beim Weltklimagipfel) zeigte er sich sehr versöhnlich, was die Arbeit der Regierung betraf. Als Schnabl kritisch anmerkte, Österreich würde seine Hausaufgaben nicht erledigen, die vorgelegte Klimastrategie sei doch laut Experten viel zu unverbindlich, kam von Van der Bellen keine hörbare Kritik. Dafür ein "wir" statt einem "sie": "Wir wissen, dass wir in einigen Bereichen gut unterwegs sind. Aber wir wissen auch, dass es noch zu wenig ist, was wir tun" sagte er.

Schnabl versuchte es von einer anderen Seite: Es gebe ja gute Maßnahmen (wie die Förderung von E-Autos) und gegenteilig wirkende Maßnahmen (wie die höheren Tempolimits auf der Autobahn). "Reicht Ihnen das aus, Herr Bundespräsident? Muss Österreich da nicht nachschärfen?" Van der Bellen, sehr gelassen: "Ich kann mir verschiedene Bereiche vorstellen, wo wir nachschärfen werden müssen." Wir müssten uns eben den Kopf darüber zerbrechen, wie wir stärker auf E-Mobilität umstellen. Harmonischer wurden Personalpronomen seltener verwendet. Vielleicht sind Österreichs Politiker ja einfach schon in Weihnachtsstimmung.

Die "ZiB 2" zum Nachschauen >>>
Der "Report" zum Nachschauen >>>

 

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