Hochpeinliche Fragen an Strache: „Das muss Ihnen doch wehtun“

TV-Notiz Dass Ex-Vizekanzler Strache einen neuen Job hat, erfuhr man gestern in einem TV-Interview. Wolfgang Fellner sprach „ein bissl einfühlsam“ mit Strache, etwa über „Schneebrunzer“.

(c) Screenshot

Eine der Erkenntnisse des jüngst veröffentlichten Ibiza-Buchs ist ja die, dass Heinz-Christian Strache den Wiener Begriff „Schneebrunzer“ verwendet. Die deutschen Kollegen mussten das Wort erst mal recherchieren. Und auch "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner hatte dazu noch Fragen, die er dem früheren FPÖ-Vizekanzler Donnerstagabend in einem überlangen Interview stellte. Warum Fellner das Maledictum interessiert? Weil es ihn betraf. Strache hatte auf Ibiza vom „Schneebrunzer“ der Zeitung „Österreich“ gesprochen, der medial - neben dem ORF - ein Konkurrent sein könnte.

„Heute soll es nicht nur frech und kritisch werden, sondern auch ein bissl einfühlsam“, erklärte der Herausgeber gleich zu Beginn, und schloss dann genüsslich seine erste peinliche Frage an: „Bin ich als Schneebrunzer gemeint und was heißt das bitte?“ Strache versuchte sich erfolglos mit Erinnerungslücken aus der Affäre zu ziehen.

Auf dieselbe Art einfühlsam blieb Fellner, als es um Straches Sager zu Journalisten als Huren und das potenzielle Verscherbeln der „Kronen Zeitung“ ging. „Wie kann ein Politiker die Idee haben, er will die ‚Krone‘ kaufen?“ Das sei ja Unsinn, meinte Strache, und wand sich, während er Antworten gab, die nicht den Gesetzen der Logik folgten.

Und ja, es wurde auch emotional. Denn Fellner wollte genau wissen, wie zerstört Strache nun eigentlich sei und wie sehr er darunter leide, dass er so vieles vernichtet habe. „Das muss Ihnen doch wehtun, bitte, Sie wollten doch in dem Land eine positive Stimmung machen und jetzt haben Sie alles kaputtgemacht“.

In rund 70 Minuten erzählt Strache viel vom Weiß seiner Weste, von der Reinheit seines Gewissens und der Ungeheuerlichkeit der Verleumdungen.
In rund 70 Minuten erzählt Strache viel vom Weiß seiner Weste, von der Reinheit seines Gewissens und der Ungeheuerlichkeit der Verleumdungen.
In rund 70 Minuten erzählt Strache viel vom Weiß seiner Weste, von der Reinheit seines Gewissens und der Ungeheuerlichkeit der Verleumdungen. –

In grotesk-tragischer Haltung

„Das tut mir aufrichtig leid. Deshalb habe ich mich auch zurückgezogen“, sagt Strache. Und erzählte auch, dass er in einem „Wellental der Gefühle“ sei, manchmal gehe es ihm sehr schlecht, dann wieder besser. Wobei er stets auf sein reines Gewissen hinwies. Und schließlich sagte, dass man sich und anderen verzeihen können müsste.

Will man Strache, auch wenn man seine demokratiegefährdenden Aussagen im Video noch im Kopf hat, in einer so grotesk-tragischen Haltung sehen? Fellner würde jedenfalls mit einem satt-zufriedenen „Ja“ antworten. Doch er ließ dem ehemaligen FPÖ-Chef auch genügend Zeit, seine gewagte Interpretation des Ibiza-Buchs zu präsentieren („eine Rehabilitation“) oder über seinen ehemaligen Koalitionspartner herzuziehen („Sebastian Kurz ist ja bekanntlich Teflon“) und allerlei Verdächtigungen auszusprechen.

Straches berufliche Zukunft

Und wie sieht Straches Zukunft aus? Journalismus wäre doch auch eine Möglichkeit für ihn, meinte Fellner noch, auf seine vielen Anhänger auf Facebook hinweisend. Aber Strache hat schon einen Job. „Ich bin mit Ende dieses Monats in einem beruflichen Verhältnis, über das ich jetzt aber nicht näher sprechen werde. Ich werde für eine Firma tätig sein und mich wirtschaftlich neu ausrichten“, sagte er. (Näheres wurde kurz danach bekannt.)

Ist das nur ein Übergangsjob? Dass Strache aktuell nicht weiß, wann er ein politisches Comeback wagt, glaubte man ihm gestern jedenfalls. Und bis zur Wahl will er auch keine Interviews mehr geben, sich („in der Regel“) zurückziehen. Er tut damit nicht nur der FPÖ, sondern auch sich selbst einen Gefallen. Und dem TV-Zuschauer ebenfalls.

Die Sendung zum Nachschauen >>>

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Hochpeinliche Fragen an Strache: „Das muss Ihnen doch wehtun“

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.