Ein Stückchen Spaß im Schauspielhaus

Lukas Linders "Ich war nie da" bietet in der Wiener Inszenierung von Lilja Rupprecht 90 Minuten absichtslose Kurzweil.

Stueckchen Spass Schauspielhaus
Stueckchen Spass Schauspielhaus
c APA GEORG HOCHMUTH GEORG HOCHMUTH

„Möchten Sie Schauspielerin werden?“, fragt der angehende Regisseur Jorgos Brontosaurus eine junge Frau, die sich aus dem Fenster stürzen will. Warum nicht? Die Angesprochene mit dem bezeichnenden Namen Fandra Fatale disponiert um, schon befindet sie sich als vernachlässigte Hauptdarstellerin in einer Probe, die durch Dilettantismus, Verwirrung der Gefühle, Ziellosigkeit und Verzweiflung geprägt ist. Lukas Linder (*1984) hat mit diesem bewährten Plot, mit Spiel im Spiel, bei dem fast alles schiefgeht, 2010 das Hans-Gratzer-Stipendium gewonnen. Zum Lohn dafür wurde nun noch im Schauspielhaus dieses „Ich war nie da“ unter der Regie von Lilja Rupprecht (*1984) uraufgeführt, leicht hingeworfen, ohne spürbar tiefere Bedeutung, die brave Diplominszenierung einer Absolventin der Berliner Ernst-Busch-Schule.

Immer wieder probt man eine Szene mit dem Schlüsselsatz „Die Liebe ist ein Ruderboot“, bei der sich weder der chaotische Regisseur noch die Schauspieler darauf einigen können, ob man einander küssen, schlagen – oder doch lieber rauchen soll. Die Figur der Fandra (Veronika Glatzner) bleibt im Durcheinander seltsam unbestimmt, während Jorgos (Gabriel von Berlepsch) das Klischee des irrlichternden Künstlers auslebt. Flankiert werden diese beiden Darsteller von holzschnittartigen Charakteren.

Fandra rennt gegen die Wand – daheim (der Vater ist eine Zombiepuppe, die geschwätzige Mutter dominant), beim Arzt (er verpasst ihr gewaltige Betonschuhe, damit sie nicht abhebt), beim Freund, in der Wohngemeinschaft. Sie kann dem Irrsinn entkommen. Ihr gelingt schließlich doch ein Abgang, der stark gedacht ist, aber nach diesen seltsamen Proben traurig untergeht.

Die tatsächliche Inszenierung wirkt fast so unentschlossen wie das in ihr karikierte Spiel, da helfen keine Videoclips auf Tüchern und auch kein Singen und Tanzen zur Auflockerung. Die Träume vom Erfolg, die der verunsicherte Spielleiter Brontosaurus hegt, erfüllen sich im Schauspielhaus ebenfalls nicht, mag auch der Schlussapplaus nach diesen eineinhalb Stunden absichtsloser Kurzweil freundlich gewesen sein, mögen sich auch die Darsteller bei diesem Theater-im-Theater-Karren richtig ins Zeug legen – „Ich war nie da“ bleibt eine Talentprobe ohne viel Nebenwirkung.

Termine: 19./20. Feb. und 2./30. 3.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2013)

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