Robert Jungbluth ist tot: Abschied vom General

Robert Jungbluth, einer der durchsetzungs-kräftigsten österreichischen Kulturmanager, starb 81-jährig in Wien. Eine Würdigung.

(c) APA (HERBERT PFARRHOFER)

Am 5. Jänner hätte Robert Jungbluth Geburtstag gefeiert. 81 wäre er geworden. Zwei Tage zuvor ist er in Wien gestorben, bis zuletzt heftig interessiert an den Vorgängen in der heimischen Theaterszene - auf und hinter der Bühne. Das war sein Leben gewesen. Wobei ihn vor dem via Statisterie und Burgtheater-Nebenrollen avisierten Schauspieler-Dasein nur eines rettete: Seine Lust, Dinge, die er als richtig erkannte, voranzutreiben und um jeden Preis in die Tat umzusetzen, war entschieden stärker ausgeprägt als sein darstellerisches Talent. Robert Jungbluth war, wie man das seit geraumer Zeit gern nennt, ein Alpha-Tier, der geborene Manager. Seine Durchsetzungskraft war stupend. Am liebsten trieb er Projekte voran, die andere, maßgebliche Herrschaften für undurchführbar hielten.

Oder solche, an denen manch potente Vorgänger gescheitert waren. Spektakulärstes Beispiel: Dass Herbert von Karajan 1977 an die Staatsoper zurückkehrte, 13 Jahre nach seinem Abgang im heiligen Zorn, war auf die penible Vorbereitungsarbeit zurückzuführen, die Jungbluth als damaliger Chef der Bundestheaterverwaltung geleistet hatte. Jahrelang war Karajans Comeback betrieben worden, scheiterte jedoch stets an irgendwelchen Hindernissen nicht nur, aber auch finanzieller Natur. Nur: Hindernisse waren in Jungbluths Lebensplan nicht vorgesehen. Waren welche auszumachen, wurden sie aus dem Weg geräumt; wenn es sein musste, mit Brachialgewalt. In der Regel aber mittels fein geknüpfter politischer Vernetzung und unwiderstehlicher Eloquenz. Niemand zauberte im Dialog so viele unerwartete Argumente aus dem imaginären Hut, umso magischer, je skeptischer das Vis-a-vis sich gebärdete.

Finanzielle Absicherung inklusive

Und außerdem hatte er nie vergessen, sich rechtzeitig das Pouvoir zu sichern, im entscheidenden Moment auch ein Scheckheft zücken zu dürfen. Wenn Robert Jungbluth sich anschickte, eine Idee zu realisieren, waren finanzielle Grundbedingungen stets gesichert. Oder zumindest die politische Willensbildung dafür abgeklärt.

Darauf zu vergessen, wäre ihm nie passiert. Dazu war er zu früh in die Management-Kanäle des österreichischen Kulturlebens eingedrungen. Noch während seiner Lehrer-Ausbildung hatte er Funktionen im Stadtschulrat übernommen. Da war er gerade 20. Wenig später programmierte er bereits Kultur-Veranstaltungen in der Wiener Stadthalle, deren Leitung er kurzfristig auch übernahm, nachdem er an Rolf Kutscheras Seite, anknüpfend an Marcel Prawys Pioniertaten im Theater an der Wien für eine die erste und bisher in Wahrheit einzige echte Blütezeit des Genres Musical in Wien gesorgt hatte.

Von der Burg und der Josefstadt bis nach Salzburg

Ab Anfang der siebziger Jahre aber war Jungbluth der Bundestheater-„General", freigespielt vom direkten ministeriellen Zugriff, mit Kompetenzen für weitreichende Reformen, omnipräsent in Burg und Oper, mit einem weiten Herz für die Volksoper, der er - vie belächelt zunächst, doch bald ehrfurchtsvoll als weitblickende Aktion bestaunt - zum ersten Japan-Gastspiel verhalf. Das kulturpolitisch so werbewirksame und bis heute höchst lukrative Fernost-Engagement der Wiener Großbühnen wäre ohne den energischen Mann im Hanuschhof so rechtzeitig nicht zustande gekommen. Darüber waren sich auch Jungbluth-Skeptiker stets einig.

Man holte den wandelnden Kultur-Motor, der instinktiv auch immer genau wusste, wann es Zeit ist, sich zurückzuziehen, ins Salzburger Festspiel-Kuratorium, man machte mit ihm nach seiner Bundestheater-Tätigkeit einen Erneuerungs-Versuch in Sachen Theater in der Josefstadt. Und man hörte ihn im privaten Gespräch bis zuletzt gern mit Innovationen hadern, die seinem Naturell so ganz und gar widersprachen, Findungskommissionen oder Ausschreibungs-Gesetze inbegriffen.

Er hatte noch mit Ministern und Bundeskanzlern diskutiert, welche prominente Künstler man an Wien binden sollte - und war dann ausgezogen, um diese zu engagieren. Kommissionen hat er nie gebraucht, um zu wissen, wer bedeutend genug ist, in Österreich einen hohen Kultur-Posten zu bekleiden, und wer daher sicher nie ein Bewerbungsschreiben im Zuge einer Ausschreibung verfassen würde . . .

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