Badora bringt am Volkstheater 22 Premieren

Intendantin Anna Badora wechselt vom Schauspielhaus Graz nach Wien. Sie beginnt dort am 5. September mit einer reichhaltigen Saison: Klassiker, Moderne, Avantgarde und viele neue Gesichter.

VOLKSTHEATER: ANNA BADORA NEUE DIREKTORIN
VOLKSTHEATER: ANNA BADORA NEUE DIREKTORIN
(c) APA/GEORG HOCHMUTH

Totale Erneuerung scheint das Motto Anna Badoras zu sein, der künftigen Direktorin des Volkstheaters, die am Donnerstag in Wien den Spielplan für 2015/16 vorstellte. Die Generalsanierung, die in den nächsten Jahren an die 35 Mio. Euro kosten soll, kündigt sich bereits im Herbst im Parkett an. Dort soll eine Tribüne dafür sorgen, dass die Zuseher bessere Sicht haben. Zugleich wird die Zahl der Sitzplätze von 970 um 120 reduziert.

Das Ensemble Direktor Michael Schottenbergs, der das Haus zehn Jahre lang geleitet hat, wird fast völlig ausgetauscht, nur vier Darsteller werden übernommen – Claudia Sabitzer, Günter Franzmeier, Alexander Lhotzky und Günther Wiederschwinger. Badora nimmt von ihrer bisherigen Wirkungsstätte, dem Schauspielhaus Graz, wesentliche Kräfte mit – etwa Steffi Krautz, Katharina Klar, Birgit Stöger, Stefan Suske und Jan Thümer. Vom Burgtheater wurde Jungstar Stefanie Reinsperger abgeworben, die neue Chefin kennt sie noch aus ihrer Intendanz in Düsseldorf. Weitere Neuzugänge kommen aus Deutschland und der Schweiz. Die Truppe besteht aus 22 Schauspielern, auch Gäste sollen zum Einsatz kommen. Genannt wurde TV-Star Adele Neuhauser.

In der Regie setzt die Direktorin ebenfalls auf ihre Grazer Zugnummern der vergangenen neun Jahre, zum Beispiel auf den Ungarn Viktor Bodó und die Israelin Yael Ronen. Eine Stütze des Hauses wird offenbar auch der Tscheche Dušan David Pařízek, er soll in der ersten Saison dreimal Regie führen. Insgesamt sind 22 Premieren geplant, von 17 Regisseuren aus neun Ländern. Auch Anja Salomonowitz konnte für eine Inszenierung gewonnen werden. Badora will intensive aktuelle Auseinandersetzungen. Neben Bewährtem (Shakespeare, Nestroy, Ibsen Tschechow) gibt es viel Moderne (Camus, Handke, Bernhard, Lavant, Yasmina Reza) und Avantgarde, meist auf Nebenbühnen.

 

Mehr Jugend und Volx/Margareten

Die Dramaturgie leiten Heike Müller-Merten und Roland Koberg, das Junge Volkstheater führt Constance Cauers, das in den Bezirken weiterhin Doris Weiner. Hier gibt es eine Neuerung. Die Tour mit 19 Spielstätten beginnt stets mit Premieren im Volx/Margareten, wie das kleine Haus am Hundsturm nun modisch heißt. (Margaretenstr. 166). Es ist als Experimentierraum der neuen Intendanz gedacht: Fünf von den acht Uraufführungen 2015/16 wird es dort geben, drei im Haupthaus. Weiterbestehen soll auch der Rote Salon als Diskussionsforum. Die großen Inszenierungen für 2015/16:
•„Fasching“ (5.9.) Gerhard Fritschs Heimkehrerroman wird Badora selbst inszenieren, sie und Koberg haben den Text adaptiert.
•„Hakoah Wien“ (9.9.) Die Übernahme des tollen Erfolges von Yael Ronen aus Graz.
•„Nora“ (12.9.) Pařízek versucht eine Erneuerung Ibsens, es ist ebenfalls eine Übernahme, vom Düsseldorfer Schauspielhaus.
•„Der Marienthaler Dachs“ (25.9.) Uraufführung von Ulf Schmidts Stück, das in Heidelberg 2014 gewann. Regie: Volker Lösch.
•„Alte Meister“ (18.10.) Dramatisierung von Bernhards Roman, als Komödie. R.: Pařízek.
•„Das Missverständnis“ (23.10.) Nikolaus Habjans Inszenierung des Stücks von Albert Camus ist auch eine Übernahme aus Graz.
•„Zu ebener Erde und erster Stock“ (21.11.) Susanne Lietzow inszeniert Johann Nestroy.
•„Überzeugungskampf“ (18.12.) Yael Ronen führt in ihrem neuen Stück wieder Regie.
•„Romeo und Julia“ (23.1.2016) Philipp Preuss inszeniert William Shakespeare.
•„Iwanow“ (18.3.) Bodó versucht sich an Anton Tschechows frühem Meisterwerk.
•„Homohalal“ (22.4.) Sarantos Zervoulakos inszeniert Ibrahim Amirs witzige Utopie.
•„Site-Specific Theatre“ (14.5.) Signa und Arthur Köstlers Festwochen-Koproduktion.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2015)

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