Kurt Sobotka: Wiener Komödiant, aus Musik geboren

Am Freitag starb der Kabarettist und Schauspieler Kurt Sobotka 87-jährig. Als Produzent brachte er unter anderem auch den beliebten Radio-Klassiker »Guglhupf« heraus.

Kurt Sobotka als "der liebe Gott" auf der Bühne der Josefstadt in "Aus Liebe" im Jahr 2013.
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Kurt Sobotka als "der liebe Gott" auf der Bühne der Josefstadt in "Aus Liebe" im Jahr 2013.
Kurt Sobotka als "der liebe Gott" auf der Bühne der Josefstadt in "Aus Liebe" im Jahr 2013. – APA/HERBERT PFARRHOFER

Am Prayner-Konservatorium hatte er studiert. Dort zog es den im März 1930 geborenen jungen Mann aus Wien-Fünfhaus hin. Musik und Theater, die hatte er als untrennbare Einheit empfunden und für sich entdeckt. Musikalisch musste er auch sein für die Karriere, die er gemacht hat, auch wenn ihn sein Publikum als Schauspieler und Kabarettist lieben lernte: Kurt Sobotka war nämlich wie wenige andere ein Multitalent, das seine Profession ganzheitlich lebte: Er war perfekt als Charakterdarsteller, weil er sein Gefühl für Rhythmus und Dramaturgie zur punktgenauen Selbstinszenierung nutzen konnte.

Der ideale Josefstädter. Deshalb war Kurt Sobotka nicht nur ein idealer Josefstädter, wenn er in komischen oder noch besser zynischen Rollen auf der Bühne stand. Sondern er war der spiritus rector der Radio-Legende „Guglhupf“, die er im perfekten Kleeblatt mit Lore Krainer, Gerhard Bronner und Peter Wehle gestaltete. Sobotka war aufgrund seiner organisatorischen Begabung unter vier geborenen Komödianten und Sprachkünstler der sozusagen natürliche Regisseur der Sache.

Und er war sogar derjenige, der den Studioraum für die Sendung zur Verfügung stellte, bei der man immer das Gefühl hatte, sie mache denen, die sie gestalten ebensoviel Spaß wie den begeisterten Hörern: Viele Guglhupfe wurden in Sobotkas Mödlinger Haus, wo sich ein Tonstudio befindet, gebacken und dann „brennheiß serviert“.

Brennheiß und gepfeffert, möchte man ergänzen; wobei die Gürtellinie nie unterschritten wurde. Wie als Darsteller ließ Sobotka auch als Inszenator immer erkennen, dass er auch wusste, wo die Grenzen des guten Geschmacks waren. Der Mann hatte Stil.

Kabarettistische Galeerenjahre

Der war ihm angeboren. Sein Handwerk gelernt hat er als Eleve im Burgtheater-Ensemble – im Ausweichquartier Ronacher an der Seite von Gerhard Klingenberg und Michael Kehlmann, vor allem aber in „Galeerenjahren“ in Wiener Kellertheatern, im „Theater der Courage“, ehe er 1957 in der Josefstadt debütierte. Ganz da war Kurt Sobotka dann, als er im „Simpl“ vom Mitwirkenden zum Chef wurde. Von Farkas, Qualtinger und seinem Freund Bronner schaute er sich, learning by doing, live ab, was er für seinen eigenen letzten Schliff noch brauchte.

Das Theaterspielen hat Sobotka nie ganz aufgegeben. In der Josefstadt war er beispielsweise noch in Peter Turrinis „Aus Liebe“ zu sehen. Und seine Neigung zum Musiktheater pflegte er hie und da auch als Regisseur von Operetten-Produktionen.

Freunde von „Arielle“ staunten nicht schlecht, als sie sich die ganz auf Österreich zugeschnitte, neu synchronisierte Version von „Arielle, die Meerjungfrau“ anschauten: Da vernahmen sie eine wohlvertraute Stimme aus einer ganz anderen Illusions-Welt: Kurt Sobotka lieh in dieser Ende der Neunzigerjahre erstellten Fassung dem König Triton die Stimme. So wurde aus dem Beherrscher der Pointen zur Abwechslung einmal auch der „Beherrscher der Meere“, ein Aperçu mehr im reichen Künstlerleben.

(APA)

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