Regisseur Felix Hafner: „Ich bin kein sturer Mensch!“

Volkstheater. Der junge Regisseur Felix Hafner über Nestroys „Höllenangst“, seinen Lehrer Martin Kušej, seine Kindheit auf dem Land und seinen Wunsch, einen Film zu drehen.

Der 25-jährige Regisseur Felix Hafner, der das Reinhardt-Seminar absolviert hat, bringt am 23. 9. im Wiener Volkstheater Nestroys „Höllenangst“ heraus. Dort zeigte er zuletzt Molières „Menschenfeind“ und „Isabelle H.“ von Thomas Köck.
Der 25-jährige Regisseur Felix Hafner, der das Reinhardt-Seminar absolviert hat, bringt am 23. 9. im Wiener Volkstheater Nestroys „Höllenangst“ heraus. Dort zeigte er zuletzt Molières „Menschenfeind“ und „Isabelle H.“ von Thomas Köck.
Der 25-jährige Regisseur Felix Hafner, der das Reinhardt-Seminar absolviert hat, bringt am 23. 9. im Wiener Volkstheater Nestroys „Höllenangst“ heraus. Dort zeigte er zuletzt Molières „Menschenfeind“ und „Isabelle H.“ von Thomas Köck. – (c) Stanislav Jenis

Die Presse: Haben Sie Martin Kušejs „Höllenangst“-Inszenierung 2006 an der Burg gesehen?

Felix Hafner: Ausschnitte, ich habe mir das jetzt nicht ganz angeschaut.

Fürchtet man sich vor so einem Vorbild?

Ich nicht. Ich kenne Kušej, ich habe bei ihm studiert. Über gewisse Sachen denken wir anders. Aber ich möchte diese Aufführung jetzt nicht als Beispiel neben mir haben.

In welcher Hinsicht denken Sie anders?

Kušejs Inszenierung ist elf Jahre her, da tun sich heute neue Assoziationen auf. Die Besonderheit bei uns wird sein, dass es Couplets mit aktuellen Strophen von Peter Klien gibt, der mit seinen Reportagen für „Willkommen Österreich“ Aufmerksamkeit erregt hat – und wir werden auch eigene Kompositionen von Clemens Wenger haben, der Teil der Band 5/8erl in Ehr'n ist.

Was haben Sie von Kušej gelernt?

Das Wichtigste war, dass er mir einen klaren theaterpraktischen Zugang eröffnet hat: Wie arbeitet man mit Schauspielern? Es geht darum, sie auf die richtige Fährte zu setzen, wenn sie die einmal haben, ergeben sich neue Perspektiven. Man braucht sehr viel ernsthafte Vorbereitung, auch das habe ich von Kušej gelernt: Man kann nicht auf die Probe kommen und schauen, was passiert.

 

Am Theater gibt es viele Intrigen, oder?

Ich habe versucht, mich dem zu entziehen. Ich kann mich ganz gut verteidigen, aber ich bin kein sturer Mensch, wenn jemand eine bessere Idee hat, nehme ich das gern an.

Ist es nicht schwierig, diese Typen bei Nestroy heute herzustellen?

Nein. „Höllenangst“ ist ein Jahr nach der 1848er-Revolution entstanden. Nestroy hatte eine französische Vorlage: „Der Besessene“. Er wusste genau, warum er dieses Stück zu jener Zeit geschrieben hat. Er fächerte den Mikrokosmos einer Stadt auf. Wendelin ist ein Arbeitsloser, der Oberrichter ist Teil des Establishments. Nestroy zeigt die Unterdrückung der Armen und beschäftigt sich damit, ob und was man dagegen machen kann, er zeigt Hierarchien und jene, die auf- und wieder abgestiegen sind.

Wie sind Sie zum Theater gekommen?

Ganz klassisch über Schultheater in Deutschlandsberg, wo ich aufs Gymnasium gegangen bin. Es gibt dort das Theaterzentrum Deutschlandsberg, das viel Jugend- und Förderungsarbeit betreibt. Ich war immer jemand, der die Bühne gesucht hat. In meiner Familie gab es auch immer künstlerische Interessen, mein Großvater war bildender Künstler.

Spielen Sie ein Instrument?

Schlagzeug und Klavier. Ich arbeite in meinen Inszenierungen immer sehr gern und genau mit Musik. Ich habe immer eine lange Playlist für jede Produktion, ich höre sehr viel alternative Musik und immer mehr Hip-Hop. Über die Musik kommt man an die Leute heran und kann ansprechen, was einen beschäftigt.

Was hören Sie momentan?

Zum Beispiel Kendrick Lamar, einen Rapper und Songschreiber aus Kalifornien. Sein jüngstes Album ist wunderbar und handelt auch von dem momentan durch Präsident Trump gespaltenen Amerika. Lamar ist jemand, der aus seinen persönlichen Geschichten etwas sehr Generelles macht.

In Ihrer Generation ist man durch Internet und Comics sozialisiert. Englisch ist quasi Zweitsprache, oder?

Ja. Man ist nicht mehr an synchronisierte Filme gebunden. Das ist eine große Änderung, dass Firmen wie Netflix oder andere Serien produzieren, die spannender als Film und Kino sind. Unkonventionelle Geschichten wie „House of Cards“ oder „Breaking Bad“ erreichen ein Massenpublikum.

Hatten Sie eine glückliche Kindheit?

Ja. Ich komme aus einer Patchworkfamilie, mein Vater und meine Mutter hatten schon je zwei Kinder und ich bin ihr gemeinsamer Sohn. Ich stamme aus dem Marienwallfahrtsort Maria Lankowitz in der Nähe von Voitsberg. Wenn ich jetzt heimkomme, genieße ich das total, da kannst du 15 Minuten auf der Straße stehen, es passiert nichts, kein Auto, keine Fußgänger, Stillstand.

Werden Sie auch eine Familie gründen?

Ja, aber das ist noch eine ferne Geschichte.

Was haben Sie für Zukunftspläne?

Derzeit bin ich mit dem Theater ziemlich ausgelastet. Im Winter inszeniere ich eine eigene Bearbeitung von Joseph Roths Roman „Flucht ohne Ende“, die am Niederösterreichischen Landestheater in St. Pölten herauskommt. Gegen Ende der Spielzeit werde ich am Münchner Volkstheater inszenieren. Aber ich möchte auch spielen – und später Filme machen. Da müsste ich mich allerdings erst professionell damit beschäftigen, das ist ein eigener Bereich, davor habe ich großen Respekt. Und Geld für einen Film aufzutreiben ist auch nicht so leicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2017)

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