Eine Irrfahrt durchs exotische Österreich

Der Theater-Parcours „Der Wal, der Österreich verschluckte“ zeigt das Land durch die Hollywood-Brille.

(c) Beigestellt

Wie könnte ein Themenpark aussehen, den findige Amerikaner über österreichische Eigenheiten zusammenzimmern? Wie mutet der Blick auf die Bundesländer durch die Hollywood-Brille an? Was kommt dabei raus, wenn man sanfte politische Satire, Fetzen aus dem kollektiven Geschichtsgedächtnis, Klassiker aus der Filmgeschichte und spaßige Performancekunst zusammenwirft?

Eine Antwort darauf ist gerade im sonst nicht zugänglichen Dachboden des Wiener Museumsquartiers zu sehen. Die Theatergruppe Toxic Dreams und die Band Fuckhead haben dort unter dem Titel „Der Wal, der Österreich verschluckte“ einen szenischen Parcours zusammengestellt, den es in einstündigen Führungen zu erkunden gilt. Durch den voller Schmäh, aber auch unheimlich dekorierten Bretterverschlag führt Friedrich Anton Maria Hubertus Bonifacius Graf von Ledebur-Wicheln (Didi Bruckmayr) – den gab es wirklich, der aus Österreich stammende Weltenbummler und Schauspieler wurde als Südseeinsulaner Queequeg in der „Moby Dick“-Verfilmung von John Huston (1956) bekannt. Hier wird ihm noch ein weiterer Karriereschritt angedichtet: Zurück aus Amerika, geht er nun im österreichischen Ozean gemeinsam mit dem Publikum auf „Walsuche“.

 

Killerclown und Kannibalen

Dabei wird vor allem lustvoll und schrill mit Hollywood-Ikonen und Einträgen aus dem Österreich-Lexikon gespielt – und Gewohntes dabei in ein exotisches Licht gerückt: In schwitzigen gelben Regenmänteln und in Begleitung eines Killerclowns (Stephen King lässt grüßen) geht es vorbei an einem NASA-Astronauten am Holzpferd, Jörg Haiders Beachvolleyballarena, wo wandelnde Starbucks-Becher für Unbeschwertheit werben, und an der burgenländischen Einöde, wo sogar die Flüchtlinge singen: „Holt mich hier raus!“ Figls Weihnachtsrede („Glaubt an dieses Österreich!“) wird als erbauliche Pianoballade vertont, ein Matrosenchor vertreibt den fad gewordenen Jedermann aus Salzburg und in Oberösterreich schmort der letzte Sozialdemokrat im Kochtopf der Kannibalen. Vorstellungen finden mehrmals täglich noch bis Sonntag statt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2018)

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