"The Bruno Kreisky Lookalike": Dieser Kreisky wirbt für Putzmittel

KritikDer verstorbene Altkanzler als strahlendes Werbegesicht? Toxic Dreams lässt auf der Bühne des WUK eine liebevoll verblödelte Sitcom entstehen.

(c) WUK

Das könnte jetzt drei Stunden oder länger dauern, warnt Yosi Wanunu sein Live-Publikum. Live ist das Publikum im Theater natürlich immer, aber das ist eine besondere Situation: Wanunus Theatertruppe Toxic Dreams spielt kein herkömmliches Stück, sondern die Aufzeichnung einer Sitcom, komplett mit Regieanweisungen, Intro-Song, fahrbaren Sets, einer Tribüne davor für Zuschauer, die an den richtigen Stellen lachen oder applaudieren müssen (angezeigt durch Leuchttafeln) und einer Audiospur, die einspringt, wenn es die Zuschauer doch nicht tun.

So sieht man also amüsiert zu, wie ein U-Bahnsteig von der Bühne gerollt wird, sich eine Wohnzimmerwand inklusive Kamin entfaltet und ein Sofa erscheint – zentraler Schauplatz jeder Sitcom. Auf dem Sofa sitzt, in Schlapfen und mit Snips-Packung in der Hand, ein Mann namens Hermann Swoboda (Markus Zett), ein mittelalter verheirateter Österreicher in all seiner klischeehaften Durchschnittlichkeit. Aber seit Kurzem ist alles anders: Eine Agentur hat auf der Suche nach brauchbaren Werbegesichtern erhoben, dass der vertrauenswürdigste Österreicher nach wie vor Bruno Kreisky ist – und in Swoboda zufällig einen Kreisky-Doppelgänger entdeckt. Für Swoboda beginnt ein neues Leben: Statt Versicherungen zu verkaufen, erweckt er jetzt seinen inneren Altkanzler und preist in dessen Namen Produkte vom Putzmittel bis zum Abenteuerurlaub in Israel an.

Mehr Spaß als Politik

Mit „The Bruno Kreisky Lookalike“ will Toxic Dreams – eine Gruppe, die formellen Experimenten und popkulturellen Späßen immer schon zugetan war – „die Personifizierung der ,alten‘ Sozialdemokratie“ in den „kommerzialisierten Kontext der Produktwerbung“ stellen. Ja, eh: Man kann politisch schon etwas herauslesen, wenn man will. Diese Sitcom spielt mit absurden Werbebotschaften genauso wie mit dem vielschichtigen Image Kreiskys als israelkritischer Medienmensch – für eine Parfumwerbung posiert er ultramaskulin als „a man who is ready for a fight with Simon Wiesenthal“ (gedreht wird auf Englisch – wegen des internationalen Fernsehmarkts).

Vor allem aber ist die Show ein großer Spaß: Man sieht Darstellern zu, wie sie äußerst spielfreudig eine liebevoll verblödelte Sendung mit schlechten Scherzen basteln: Anna Mendelssohn sprüht als schrille Werbechefin, die viel zu laut und hoch lacht, vor Energie; Susanne Gschwendtner spielt die polithistorisch besessene Frau des Kreisky-Lookalikes, die von dessen neuem Alter Ego ziemlich angeturnt wird und bald von Sex mit Kreisky und Willy Brandt träumt („the holy threesome of social democracy“). Wanunu selbst gibt auch hier den Regisseur, der mit seinen Darstellern scherzt und über Pannen lächelnd hinwegsieht.

Bis Samstag wird die „Aufzeichnung“ der ersten drei Folgen im Wiener WUK wiederholt (je 19.30 Uhr), neue Folgen kommen dann im Frühling.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.11.2018)

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