Stadtsaal-Eröffnung: Das Kabarett im alten Ballsaal

31.12.2010 | 11:31 |  von Karin Schuh (Die Presse)

Der Stadtsaal soll nicht nur der heimischen Kabarett-Szene eine Bühne bieten. Auch internationale Stars und Künstler aus anderen Kultursparten sind hier ab Montag zu Gast.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Diese Zauberformel wird gerne angeführt, wenn es darum geht, Erfolg zu erklären. Noch ist es nicht so weit, aber die Assoziation drängt sich bei der neuen Kabarett-Bühne namens „Stadtsaal“ irgendwie auf. Am Montag wird der historische Saal direkt an der Mariahilfer Straße von Größen der heimischen Kabarett-Szene eröffnet. Alfred Dorfer, Josef Hader, Werner Schneyder, Thomas Maurer, Lukas Resetarits, Stermann&Grissemann oder Weinzettl&Rudle – das ist nur eine Auswahl jener Menschen, die sich bei der Eröffnung die Bühne teilen werden.

Dass die Betreiber des Stadtsaals den richtigen Ort gefunden haben, liegt auf der Hand. Nicht nur die Lage ist zentral und somit gut. Es hat auch eine schöne Symbolik, wenn genau an jener Straße, die den Einkaufswahnsinn des Landes veranschaulicht, eine Kabarett-Bühne eröffnet. Und dass es die richtige Zeit ist, davon sind die Betreiber überzeugt. Ihre „Bedarfsanalyse“ in der heimischen Kabarettszene ließ sie zu dem Schluss kommen, dass genau so eine „neue Bühne“, wie sie den ehemaligen Ballsaal aus 1870 gerne nennen, jetzt gebraucht wird.

Vorbereitungen im Endspurt. Noch kann man sich, ein paar Tage vor der Eröffnung, allerdings nicht vorstellen, dass sich hier täglich bis zu 364 Personen einfinden, um unterhalten zu werden, nachzudenken oder einfach zu lachen. Der Saal sieht eher nach Baustelle aus, eine Bühne ist noch nicht in Sicht. Junge und ältere Männer schrauben die Sitzreihen zusammen, die wiederum – weil staubig – geradezu nach einer gründlichen Reinigung schreien. Im Gang liegen noch frisch verpackte WC-Muscheln.

Ein Brauerei-Mitarbeiter würde sich gerne die Schankanlage anschauen. Immerhin soll er dort das Bier anschließen. Nur: Die Schankanlage hat noch nicht den Weg in die Mariahilfer Straße 81 gefunden. „Bis Montag muss alles fertig sein, ich hoffe wir schaffen das“, sagt Fritz Aumayr, der gemeinsam mit Andreas Fuderer den Stadtsaal leitet. Unterstützung bekommen sie dabei von Till Hofmann. Alle drei Herren sind in der Kabarett-Szene keine Unbekannten. Aumayr war einst für Kulisse, Spektakel und Vindobona verantwortlich. Fuderer leitet nach wie vor das Kabarett Niedermair. Tillmann ist in München für mehrere Kabaretthäuser verantwortlich und damit sozusagen die personifizierte Internationalisierungs-Bestrebung des Duos. Denn der Stadtsaal soll nicht nur heimischen Kabarettisten eine Bühne bieten, sondern auch Kollegen aus den (deutschsprachigen) Nachbarländern.

Kabarett statt Konsumentenschutz

Aber zurück zur Bühne. Warum kommt erst jetzt jemand auf die Idee, den ehemaligen Hotel-Ballsaal zu nutzen? Obwohl, genutzt wurde er ja bis vor Kurzem, allerdings nicht so, wie man sich das vorstellt. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) war in dem Saal und den Nebenräumen angesiedelt. Aumayr und Fuderer haben vier Jahre lang nach einer passenden Räumlichkeit gesucht. „Es war ein Glück, dass wir so lange nichts gefunden haben. Sonst hätten wir diesen Saal verpasst“, sagt Fuderer.

Der Zufall brachte die Herbergsuchenden und die Herberge zusammen. Ein Freund belauschte das Gespräch über die erfolglose Suche und schlug die Räumlichkeiten in seinem Wohnhaus vor. „Das einzige Problem war, dass dort der VKI angesiedelt war. Die waren aber sehr gesprächsbereit und haben nur ein bisschen Unterstützung bei der Übersiedelung verlangt“, sagt Aumayr. Immerhin waren die Konsumentenschützer mit dem Saal als Ort für Beratungsgespräche nicht ganz glücklich. „Der Saal ist allein von der Akustik her gut fürs Theater, aber schlecht zum Mauscheln“, meint Aumayr.

Und gemauschelt soll hier – zumindest auf der Bühne – ab Montag nicht mehr werden. 850.000 Euro steckten die Betreiber übrigens in die Umbauarbeiten. Unterstützung von Seiten der öffentlichen Hand oder durch private Sponsoren gab es keine. „Wir wollen keine Subventionen, aber wir hätten gerne eine kleine Starthilfe gehabt. Da gab es nichts, das ist ein Witz“, so Aumayr.

Alternativ-Rock und Lesungen

Kabarett bildet natürlich den Schwerpunkt im Stadtsaal-Programm. Aber auch andere Kultur-Sparten sollen hier eine Bühne erhalten. So will man auch die freie Theaterszene, Literaten oder Musiker einladen. „Bei der Musik hätten wir gerne alternativen Mainstream. Es ist noch nichts fix, aber wir haben eine Wunschliste“, sagt Fuderer. Die genannten Musikerinnen und Musiker könnten sich auch auf einer Best-of-CD von FM4 finden: Gustav, Soap&Skin, Sophie Hunger, Sportfreunde Stiller. Letztere natürlich eher in der Akustik-Variante.

„Wir wollen auch eine hauseigene Schiene fahren, vielleicht etwas Literarisches oder Philosophisches, oder ein ganz neues Format erfinden. Aumayr kann sich gut vorstellen, dass etwa der Schriftsteller Franz Schuh, der Österreich-Berichterstatter der „Süddeutschen Zeitung“, Michael Frank, oder „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo Lesungen im Stadtsaal halten. Aber auch gegen den einen oder anderen Comedy-Unterhalter ist nichts einzuwenden, sofern es sich um ein „tiefgründiges und hochgeistiges Programm“ handelt. „Der gesellschaftliche Bezug ist uns wichtig. Es geht nicht nur ums Blödeln, sondern auch ums Nachdenken über die Formen des Zusammenlebens oder über Demokratie“, so Aumayr. Nachsatz: „Es soll eine neue Bühne im Zentrum Wiens sein – mit möglichst wenig Musikantenstadl.“

Adresse
Mariahilfer Straße 81 1060 Wien,
✆ 01/909 22 44

Eröffnung
am 3.1.2011, 20 Uhr, mit Alfred Dorfer, Josef Hader, Willy Astor, Gunkl, Nadja Maleh, Thomas Maurer, Lukas Resetarits, Martina Schwarzmann, Stermann & Grissemann, Werner Schneyder, Thomas Stipsits, Mike Supancic, Helmuth Vavra, Weinzettl & Rudle.

Programm
www.stadtsaal.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.01.2011)

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