Gert Voss ist 70: "Faust" zum Geburtstag

Einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Schauspieler feiert am Montag Geburtstag – mit einer Festvorstellung von "Faust I."

Gert Voss Faust Geburtstag
Gert Voss Faust Geburtstag
(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)

Am Montag, dem 10. Oktober, feiert einer der herausragenden Schauspieler seiner Generation seinen 70. Geburtstag: Gert Voss. Am Jubeltage steht er - wie könnte es anders sein? - auf der Bühne. Voss spielt den Mephisto in einer Festvorstellung von "Faust I." im Burgtheater.

Vor wenigen Jahren durchlebte Voss eine schwere Sinnkrise, hervorgerufen durch gesundheitliche Krisen und Unfälle. "Was willst du eigentlich noch mehr in dem Beruf, sagte ich zu mir, du hast so viel Schönes erlebt. Das reicht", habe er sich damals gedacht, schreibt Voss in seiner kürzlich erschienenen Autobiografie "Ich bin kein Papagei". Doch er hat weitergemacht. Für seinen bei den Salzburger Festspielen gezeigten Herzog Vincentio in "Maß für Maß" ist er heuer erneut für einen Nestroy-Preis nominiert.

Seit Claus Peymanns Direktionsantritt am Wiener Burgtheater feierte Gert Voss seine Sternstunden fast ausschließlich in Wien: mit "Richard III" (1986), als Shylock in Zadeks legendärem "Kaufmann von Venedig" (1988), "Prospero" im "Sturm" (1988), "Othello" (1990) und als Tschechows "Iwanow" (1990).

Komplizierter Buch im "Faust"

Dazu kamen in den vergangenen Jahren die großen Altersrollen wie "Lear" unter Luc Bondy (2007), "Wallenstein" unter Thomas Langhoff (2007) und der Mephisto in "Faust" (2009). In einer Vorstellung der Eröffnungsproduktion von Matthias Hartmanns Direktion stürzte er schwer und zog sich einen komplizierten Beinbuch zu.

"Maß für Maß" ist an der Berliner Schaubühne zu sehen und Thomas Bernhards "Einfach kompliziert", mit dem Voss nach einem zwischenzeitlichen Zerwürfnis seine Zusammenarbeit mit Claus Peymann wieder aufgenommen hat, läuft neben der Burg auch am Berliner Ensemble. "Mir hat das wahnsinnig gut getan, nach so langer Zeit, in der ich ausschließlich in Wien gearbeitet habe, wieder einmal rauszukommen", sagte der Schauspieler kürzlich "Welt online".

In Shanghai geboren

Geboren wurde Gert Voss am 10. Oktober 1941 als Sohn eines deutschen Kaufmanns in Shanghai. 1947 kehrte er mit seinen Eltern nach Hamburg zurück. Nach einem abgebrochenen Studium der Germanistik und Anglistik nahm er in München Schauspielunterricht. Nach einem ersten Engagement am Stadttheater Konstanz wechselte er 1968 an das Staatstheater Braunschweig, nächste Stationen waren das Münchner Residenztheater und das Staatstheater Stuttgart, wo 1974 Peymann Schauspieldirektor wurde.

In Stuttgart ereignete sich bei Proben zu Schillers "Die Räuber" auch jene Episode, die der Autobiografie den Titel gab: Als Peymann Voss bei ihrer ersten gemeinsamen Arbeit eine Szene vorspielte, antwortete dieser: "Ich kann sie nicht imitieren, Herr Peymann. (...) Ich bin nicht ihr Papagei!" Der lautstark eskalierende Streit konnte nur durch geschickte Vermittlung von Martin Schwab wieder kalmiert werden und Voss begann - unter anderem als Büchners "Woyzeck", als Kleists Dorfrichter Adam und als Molieres "Tartuffe" - jenen Weg, der ihn zu einem der am meisten gefeierten Bühnenstars der vergangenen drei Jahrzehnte machte.

Ging mit Peymann nach Wien

1979 wechselte Voss mit Peymann nach Bochum und verbuchte dort 1982 in "Die Hermannsschlacht" einen sensationellen Erfolg. 1986 brillierte er bei den Salzburger Festspielen als Ludwig in der Komödie "Ritter, Dene, Voss". 1986 ging er mit Peymann nach Wien und wurde mit seinem charakteristischen Sprechduktus und seinem suggestiven Spiel einer der prägenden Schauspieler des Burgtheaters. Neben Peymann waren Peter Zadek und George Tabori seine bevorzugten Regisseure. Ihr Tod war für ihn ein großer Verlust.

Ausflüge von der Burg führten Voss unter anderem in das Theater an der Josefstadt, wo er unter Luc Bondy die Titelrolle in Ödön von Horvaths "Figaro lässt sich scheiden" spielte, und 1995 bis 1998 als "Jedermann" zu den Salzburger Festspielen. Für seinen Trigorin in Bondys Tschechow-Inszenierung "Die Möwe" am Akademietheater erhielt Voss im Jahr 2000 den erstmals verliehenen Nestroy-Preis als bester Schauspieler. Ob nach drei weiteren Nominierungen heuer ein zweiter Nestroy folgen wird, wird man am 14. November wissen.

Viele Auszeichnungen

Doch auch so sind die Auszeichnungen des seit 45 Jahren mit der Dramaturgin Ursula Voss Verheirateten (die gemeinsame Tochter Grischka wurde ebenfalls Schauspielerin) kaum überschaubar: Die Kainz-Medaille bekam er für "Richard III", 1992 wurde ihm der Kortner-Preis verliehen, seit 1998 trägt er den Berufstitel Kammerschauspieler, 2009 wurde er Ehrenmitglied des Burgtheaters. Sechsmal wurde er in der Kritikerumfrage von "Theater heute" zum "Schauspieler des Jahres" gekürt.

Als er im Vorjahr mit Harald Schmidt über seine Karriere plauderte, erhielt der dabei von Andre Heller gedrehte Film "Scheitern, scheitern, besser scheitern!" einen Romy-Fernsehpreis als beste Doku. Herausragend unter seinen erstaunlich wenigen Film- und Fernseharbeiten sind Axel Cortis "Radetzkymarsch" (1993/94) und Paulus Mankers "Der Kopf des Mohren" (1992).

"Kein Ende"

Gut möglich, dass das kommende Lebensjahrzehnt des Ausnahmeschauspielers von neuen Herausforderungen beim Film geprägt sein wird - entsprechend interessante Angebote vorausgesetzt. Als nächstes wird man Gert Voss in der Komödie "Zettl" von Helmut Dietl sehen können. Der Kinostart ist für das Frühjahr geplant. Auf der letzten Seite von Voss' Autobiografie steht jedenfalls "kein Ende".

Von und über Voss

Gert Voss: "Ich bin kein Papagei. Eine Theaterreise", aufgezeichnet von Ursula Voss, Styria Verlag

Klaus Dermutz: "Die Verwandlungen des Gert Voss. Gespräche über die Schauspielkunst", Edition Burgtheater im Residenz Verlag

(APA)

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