Song Contest 2019 findet in Tel Aviv statt

Sabbatruhe, Sicherheit und Kosten: Der Song Contest ist schon jetzt von Querelen und Protesten überschattet. Aber Ort und Datum für den nächsten Eurovision Song Contest stehen fest.

LISBON PORTUGAL MAY 13 2018 Singer Netta Barzilai R representing Israel wins the Grand Fina
LISBON PORTUGAL MAY 13 2018 Singer Netta Barzilai R representing Israel wins the Grand Fina
Sängerin NEtta siegte beim Song Contest 2018 in Portugal – (c) imago/ITAR-TASS (Vyacheslav Prokofyev)

Nun ist es also entschieden: Der Eurovision Song Contest 2019 findet in Tel Aviv statt. In den vergangenen Monaten hatte es einigen Streit um den Austragungsort gegeben, neben Tel Aviv waren vor allem Jerusalem, aber auch Haifa und Eilat gernannt worden. Die Bühne wird im Kongresszentrum Tel Aviv Expo im Norden der Stadt aufgebaut, hier kann man am 18. Mai dann das Finale sehen.

Die israelische Sängerin Netta hatte im Mai mit ihrem Song "Toy" den ESC in Portugal gewonnen, sie hatte gleich danach über Jerusalem als Austragungsort gejubelt. Der Song Contest in einer Stadt, die häufig Schauplatz von Anschlägen ist? Es gab schnell Bedenken. Auch weil die Anreise bunter Fangruppen in dem eher religiös und konservativ geprägten Jerusalem zu zusätzlichen Spannungen führen könnten. Und weil sich die Sabbatruhe mit Proben und dem traditionellen Samstags-Finaltag spießt - das aber freilich auch in Tel Aviv.

Streitigkeiten überschatten den Eurovision Song Contest (ESC) auch auf anderer Ebene: Bis vor Kurzem stritten der für die Übertragung zuständigen Fernsehsender Kan und die israelische Regierung darüber, wer für die Kosten aufkommen soll. Insgesamt gehe es um einen Betrag von rund 24 Millionen Euro. Der Sender erwarte, dass die Regierung die Verantwortung für die grundlegende Finanzierung der Veranstaltung übernehme, hieß es.

Es gab auch Unstimmigkeiten zur Frage, wer denn zum Song Contest einreisen darf. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) forderte die Zusage von Israel, dass Visa ohne Blick auf politische Ansichten vergeben werden. Israel hatte im Jänner nämlich angekündigt, Aktivisten bestimmter Organisationen, die zu einem Israel-Boykott aufrufen, die Einreise zu verweigern.

Berichten zufolge fordert die EBU auch keine Beschränkungen durch die religiösen Vorschriften für den Sabbat, den jüdischen Ruhetag. Das Finale des Eurovision Song Contest (ESC) findet traditionell am Samstagabend statt, direkt zum Ende des Sabbat. Proben müssten allerdings währenddessen stattfinden. Tel Avivs Bürgermeister Ron Chuldai hatte nach Medienberichten bereits zuvor zugesichert, dass das Kongresszentrum im Norden der 430.000-Einwohner-Stadt als Veranstaltungsort durchgängig genutzt werden könne. Zudem werde es in der Stadt auch am Sabbat öffentlichen Nahverkehr geben. 

Kulturschaffende rufen zum Boykott auf

Dutzende Kulturschaffende haben sich vergangene Woche in einem Boykottaufruf gegen die Ausrichtung des European Song Contest in Israel ausgesprochen. Zu den Unterzeichnern gehören laut der Zeitung "The Guardian" der Pink-Floyd-Mitbegründer Roger Waters und der britische Filmemacher Ken Loach, die beide als Aktivisten bekannt sind.

In dem Brief wird die Europäische Rundfunkunion (EBU) dazu aufgerufen, den Event an ein anderes Land zu vergeben. Grund seien Menschenrechtsverletzungen gegen Palästinenser. Boykottaufrufe gegen Israel gibt es immer wieder - und sie sind umstritten, weil Kritiker darin die Grenze zum Antisemitismus überschritten sehen.

Die Türkei ist nicht dabei

Die Türkei hat allerdings bereits angekündigt, keinen Vertreter zum ESC zu schicken. Als Grund verwies der Direktor des Staatssenders TRT, Ibrahim Eren, unter anderem auf die ESC-Gewinnerin von 2014, Conchita Wurst. Ein staatlicher Sender könne nicht abends - wenn auch noch Kinder zuschauten - live übertragen, wenn ein Österreicher zu sehen sei, "der Bart und einen Rock trägt und sein Geschlecht nicht akzeptiert", sagte er laut dem Sender CNN Türk. Die Eurovision sei von ihren "Werten abgekommen". 

(Red./APA/dpa)

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