Amadeus-Musikpreis: Würstel, Windmühlen und viel Vielfalt

Bei der Gala der österreichischen Musikindustrie ging es diesmal betont harmonisch zu: Es fiel kein böses Wort, und außer der EAV erhielt niemand mehr als einen Preis. Conchita war gleich mehrfach anwesend.

Außer der EAV erhielt niemand mehr als einen Preis.
Außer der EAV erhielt niemand mehr als einen Preis.
Außer der EAV erhielt niemand mehr als einen Preis. – (c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

„Voll fett!“ Mit diesen tief empfundenen Worten bedankte sich DJ Ötzi für einen Stern, den ihm Kollegen, auf sein Lied „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ anspielend, überreichten: „Das is megaliab und war echt gar net ausg'macht!“ Ob ausgemacht oder nicht, die 19. Verleihung der Amadeus Austrian Music Awards – zum achten Mal im Volkstheater zelebriert – quoll fast über vor lauter Harmonie. Es fiel kein böses Wort und kaum eine spitze Bemerkung, die am ehesten kritische Ansage kam von Gert Steinbäcker (STS), der in seiner Rede für die fürs Lebenswerk prämierte EAV daran erinnerte, dass die Lederhose einst als „rustikales Kabarettsujet“ galt.

Nein, der bekennende Lederhosenträger Andreas Gabalier war nicht anwesend, er bekam auch keinen Preis; Norbert Schneider, der die Kategorie „Album des Jahres“ moderierte, in der Gabalier nominiert war, erklärte, dass Nominierte auch „divers und diskussionswürdig“ sein könnten, bevor er den schönen Satz fand: „Wir san alle Würsteln unter der Sunn.“ Später sangen die Edlseer in Lederhosen: „Aber heit mach ma uns a geile Zeit.“

Bester Song: „Cordula Grün"

Immer wieder wurden Vielfalt und Diversität beschworen, und die Liste der Preisträger, in der fast niemand doppelt vorkommt, liest sich, als ob sie mit Bedacht darauf erstellt worden sei. Und die beiden Bands, die die jahrelang die Musikpreise dominiert und miteinander konkurriert haben? Wanda bekamen für 2018 gar keinen Preis, Bilderbuch nur den für den besten Sound (ihres Albums „Mea Culpa“). Zum Song des Jahres wurde das possierliche, für gehobene Volksfeste gut geeignete „Cordula Grün“ von Josh gewählt, zum Album des Jahres „Klee“ von Ina Regen, deren oberösterreichische Poesie ziemlich breit strömt, auch wenn sie eine Rede hält, diesfalls für Thomas Spitzer (EAV) und Lemo, die für das Lied „Gegen den Wind“ als Songwriter des Jahrs ausgezeichnet wurden.

Kurz die restlichen Kategorien: Liveact: Pizzera & Jaus; FM4 Award: Mavi Phoenix; Alternative: Avec; Electronic/Dance: Parov Stelar; Hard & Heavy: Krautschädl; Hip-Hop/Urban: Raf Camora; Jazz/World/Blues: Norbert Schneider; Pop/Rock: Seiler & Speer; Schlager/Volksmusik: Die Mayerin.

Die Preisträger der  19. Verleihung der Amadeus Austrian Music Awards
Die Preisträger der  19. Verleihung der Amadeus Austrian Music Awards
Die Preisträger der 19. Verleihung der Amadeus Austrian Music Awards – (c) APA/HERBERT NEUBAUER

Wurst mit Wollmütze

Durch den Abend führte Thomas Neuwirth bzw. seine Kunstfigur Conchita Wurst, die sich inzwischen zumindest dupliziert hat: Als Conchita mit langem Kleid präsentierte sie sich und manche Gewinner auf der Bühne, als Wurst mit Wollmütze und großem, aber betont männlichem Rundausschnitt interviewte sie/er andere, ihre/seine Dialektfärbung fast perfekt an den der jeweiligen Interviewten anpassend. Als sie/er dann noch eine zweite Wurst-Inkarnation mit ausrasierter Frisur, stark hervortretender Schläfenader und Strapsen als Sänger auf die Bühne bat, wurde es vielleicht ein bisschen inflationär.

Mit Seiler & Speer konnte Conchita sich darauf einigen, dass man hinter der Bühne am liebsten eine Wurstplatte isst. Sonst waren die Witzworte eher dünn gesät, dafür gab es sehr viel gefühlige Statements (z.B. „Musik ist eine Gefühlssache, man muss aufhören, das erklären zu wollen, es muss einfach passieren“), Lob für den ORF, vor allem für FM4, und ein tragendes Schlusswort Conchitas: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. Wir wollen die mit den Windmühlen sein.“ Und was sagt Don Quichotte dazu?

Die Auszeichnungen im Überblick:

  • Song des Jahres: "Cordula Grün" von Josh.
  • Album des Jahres: "Klee" von Ina Regen
  • Liveact des Jahres: Pizzera & Jaus
  • Songwriter des Jahres: Thomas Spitzer (Musik & Text) und Lemo (Text) für "Gegen den Wind" (EAV feat. Lemo)
  • Tonstudiopreis: "Best Sound": "Mea Culpa" von Bilderbuch; Recording: Marco Kleebauer; Mix: Maximilian Walch; Künstlerische Produktion: Marco Kleebauer
  • Lebenswerk: EAV
  • FM4-Award: Mavi Phoenix
  • Alternative: Avec
  • Electronic/Dance: Parov Stelar
  • Hard & Heavy: Krautschädl
  • Hip-Hop/Urban: RAF Camora
  • Jazz/World/Blues: Norbert Schneider
  • Pop/Rock: Seiler & Speer
  • Schlager/Volksmusik: Die Mayerin

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