Pohoda-Festival: Wer Charlotte Gainsbourg sehen will, muss in die Slowakei

Von 11. bis 13. Juli treten in Trenčín auch Lianne La Havas, Skepta, Jeff Mills, The Roots und Liam Gallagher auf.

Die Französin Charlotte Gainsbourg.
Die Französin Charlotte Gainsbourg.
Die Französin Charlotte Gainsbourg. – (c) APA/AFP/CHRISTOPHE SIMON

Seit Jahren profitieren heimische Festivals von ungarischen, slowakischen und tschechischen Fans, die ihren Lieblingen ins österreichische Ausland nachreisen. Die umgekehrten Ströme sind geringer, am ehesten noch das Sziget-Fest in Budapest (heuer von 7. bis 13. August, u. a. mit Franz Ferdinand und The National) ist in Österreich bekannt. Dabei ist das Line-up der österreichischen Großfestivals Nova Rock und Frequency durchaus nicht sonderlich originell, im Burgenland setzt man etwa Jahr für Jahr auf Die Toten Hosen und/oder Die Ärzte sowie Heavy-Metal-Oldies . . .

Feinsinniger und vielfältiger programmiert ist etwa das Festival in Trenčín, einem optisch von einer mächtigen Burg dominierten Städtchen in der westlichen Slowakei, 131 Kilometer von Bratislava entfernt. Es veranstaltet auf seinem Flugplatz seit 1997 ein Festival, das der britische „Guardian“ bereits in seine Top Ten europäischer Musikevents aufgenommen hat. Es nennt sich Pohoda, das heißt auf Deutsch so viel wie Behaglichkeit oder Wohlbefinden, was schon einmal recht freundlich klingt.

Das mittelgroße Event, das pro Tag etwa 30.000 Zuhörer anlockt, findet heuer von 11. bis 13. Juli statt. Es bietet einige attraktive Acts, die man hierzulande noch nie oder selten gesehen hat. Die Französin Charlotte Gainsbourg etwa, die eigenwillige Tochter des Künstlerehepaars Jane Birkin und Serge Gainsbourg, die schon mit 14 gemeinsam mit ihrem Herrn Vater das schlüpfrige Chanson „Lemon Incest“ aufgenommen hat. Auf ihrem jüngsten, bislang vielschichtigsten Album, „Reste“, singt die seit Jahren in New York residierende Künstlerin erstmals auch Französisch: Dies war für sie „ein Akt der Selbstbefreiung“, wie sie der „Presse“ anvertraute. „Auf Französisch kann ich melancholische Inhalte besser ausdrücken. Geht es hingegen um Spaßiges, dann ist mir das Englische sehr viel lieber.“

Auch die britische Soulsängerin Lianne La Havas hat man hierzulande noch nicht live gesehen. Erstaunlich bei einer Künstlerin, die vor einigen Jahren sogar Besuch von Prince bekommen hat: Er tauchte kurzerhand in La Havas' kleiner Londoner Wohnung auf und lud sie zu Sessions ein. So ist La Havas auf den Prince-Alben „Art Official Age“ und „Hitnrun Phase One“ zu hören. Unter eigenem Namen schrieb sie sich mit eleganten Songs wie „Unstoppable“ und „Wonderful“ in die britische R&B-Geschichte ein. Von besonderem Kaliber ist auch der britische Grime-Künstler Skepta: Dass er mit seinem afrobritischen Patois auch in den USA, der Heimat des Rap, ankommt, gleicht einem Wunder.

Freunde elektronischer Klänge werden sich wohl auch für Jeff Mills erwärmen, Gitarrenrock-Traditionalisten etwa für Liam Gallagher und The 1975, Ethno-Freunde für Calypso Rose und das afrikanische Duo Amadou & Mariam. Im Rahmenprogramm findet sich die Reihe „Sporka Science and Magic“ mit Vorträgen zu Themen wie „What is space made of?“ und „The physics of beer“. Es gibt noch Restkarten. (sam)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2019)

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