Zaz: „Ich singe, ich falle“

KritikDas vierte Album der raukehligen Chansonnière Zaz.

(c) Yann Orhan

Sie ist die im Ausland berühmteste französische Sängerin seit Edith Piaf. Auf ihrem letzten Studioalbum „Paris" (2014) hatte sie sich dem klassischen Chanson zugewandt. Abgesehen von ihrer intensiven Lesart von Klassikern von Charles Trenet und Edith Piaf und dem herrlich absurden Video von „Paris sera toujours Paris", in dem die Metro in luftigen Höhen fährt, ist vor allem ein kleiner, im Studio gedrehter Film im Gedächtnis geblieben: Zaz steht zwischen Charles Aznavour und Quincy Jones und klopft den kleinen Männern kühn auf die Glatzen. Ein Bild, das die freche, aber charmante Persönlichkeit der 1980 in Tours als Isabelle Geffroy geborenen Sängerin auf den Punkt bringt. Nach einer intensiven mehrjährigen Welttournee präsentiert sie nun das Album „Effet miroir" (auf Deutsch: Spiegelfechtereien) mit zeitgenössischen Liedern unterschiedlichster Komponisten. Zusammengehalten werden die disparaten Geschichten über Zweifel und Glückseligkeiten nur durch ihre markante Stimme. Das Album fasziniert durch jene Rauheit, die sich Zaz als Straßenmusikerin in Bourdeaux erworben hat. Dank dieser bringt sie den Jazz ins Chanson. Und erobert sich auch neues Territorium. Die Single „Qué vendrá" charmiert mit Latin-Rhythmus und gemütsaufhellenden Bläsersätzen. Zaz singt sogar zeitweilig Spanisch, eine Sprache, die sie von Kindheit an berührt hat. Und klingt so ein wenig nach Manu Chao, der zur Jahrtausendwende von Paris aus ein latinesk gewürztes Amalgam aus Lebenslust und Politkritik geschaffen hat. Zudem vergnügt sich Zaz auf „Effet miroir" mit Rocksounds, Dub-Reggae und Walzerklängen, im munteren „Pourquoi tu joues faux" flirtet sie mit aktueller Elektronik. Sogar Nachdenklichkeit, wie in der verschummerten Klavierschlussnummer „Laponie", passt ihr gut. Eindringlich ist die von einem federnden Rhythmus genährte Rockballade „Si c’était à refaire". „Ich singe, ich falle, ich bewege mich, ich schreite voran", proklamiert sie darin.

(c) Beigestellt

Sozial engagiert. Für Zaz, die sich ihre Lieder zwar von anderen komponieren lässt, aber in den Entstehungsprozess Ideen einbringt, sind idealistische Texte wichtig. Die Liedpoesie muss Ausdruck ihrer solidarischen Grundhaltung sein. Zaz träumt und singt nicht nur von einer besseren Welt, sie engagiert sich in etlichen sozialen Organisationen. Und manchmal leistet sie sich ein bisschen Melancholie, wie in der Ballade „Mes souvenirs de toi". So ist „Effet miroir" ein Kaleidoskop der Gefühle, in dem sich das Bittere und Süße aufs Schönste verbinden.

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