Die Testerinnen: Deli Bluem

Diesmal vegan in London, äh, im Achten.

(c) Stanislav Jenis

Hey, dieses Rezept kenn ich doch, hier hat auch jemand das Yotam-Otto­lenghi-Kochbuch studiert – statt mit Joghurt wurde die Safransauce über den gebratenen Melanzanischeiben und Granatapfelkernen hier eben nur mit veganer Majo zubereitet. Aber ja, bemerkt Neo-Gastronomin Andrea Vaz-König auf unseren ober­gscheiten Blick – wozu Neues erfinden, wenn es solche genialen Typen wie den Londoner Nobel-Slow-Fast-Food-Guru gibt. Am Food-Styling könnte man im Vergleich dazu noch arbeiten im neuen Deli Bluem am Josefstädter Hamerlingplatz – von vor orientalisch angehauchten, überquellenden Schalen ist hier nur andeutungsweise die Spur. Immerhin sympathisch, dass frau am ersten geöffneten Wochentag nach einem ersten völlig überrannten Wochenende nicht gastronomisch hyperventilierte und von ihrer Ernährungs-Spezialistinnen-Truppe die Massen (zum Wegschmeißen) produzieren ließ.

(c) Stanislav Jenis
Unter der Woche scheint es in dem von der ehemaligen Finanzierungsexpertin räumlich riskant großzügig kalkulierten Büffet – inklusive eigenem Kinder-Extrazimmer – doch eher gemütlich zuzugehen. Optisch ist es eher in der Ecke cool-schick als alternativ-vegan angesiedelt, die namensgebenden Blümlein sprießen auch aus den Lustern, sehr nett. Ein richtiges Frauenlokal, stellt meine Begleiterin fest, ich verzeihe ihr den süffisanten Unterton. Fleischfixierte Gatten werden es hier tatsächlich schwer haben zwischen Congee-Reissuppen und Fenchel-Orangen-Salat mit Haselnüssen. Zumindest kann man sich die zwei Suppen und die kalten Salate alle vorher anschauen am appetitlichen Buffet, ob‘s nicht doch zu gesund ist (kleiner Teller 6,50, großer 10,50 Euro). Der Quinoa-Salat mit Rotkraut, Datteln und Minze ist unser Favorit. Beim mit Kichererbsen, Spinat und Koriander gefüllten georgischen Fladenbrot beginnt man sogar als Nichtvegetarierin das Vegane zu vergessen. Und beim zum Gragger-Brotkörberl servierten, aus Berlin geklauten „Keinei“-Aufstrich, der sehr nach Ei-Aufstrich schmeckt, ist man fast überzeugt von Dinkelnudeln statt Eiweiß. Was wie harmonisiert, stärkt, nährt oder sogar reinigt, kann man unserer Meinung gern vergessen. Die Adresse werden wir uns trotzdem merken. Falls wir Sehnsucht auf Londoner Delis bekommen.

Tipp

Deli Bluem, Hamerlingplatz 2, 1080 Wien, 0664/197  53  27, Mo–Fr 7.30–19 Uhr, Sa, So 9.30–16 Uhr Mehr Kolumnen auf: → Schaufenster.DiePresse.com

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