Juristen sind nicht spröde

„Goldene Bulle“. Die Wiener Universität erneuerte nach fünfzig Jahren die Doktorate für Alois Mock und Thomas Chorherr.

Die Presse (Bruckberger)

 

Die Pressefreiheit ist ein Grundrecht, die Medienfreiheit in der Menschenrechtskonvention hat Verfassungsrang.“ Worauf wollte der frühere Präsident des Verfassungsgerichtshofs, Ludwig Adamovich, am Mittwoch im Festsaal der Wiener Universität hinaus? Es galt, nach 50 Jahren die Doktordiplome für elf hervorragende österreichische Juristen zu erneuern, darunter Ex-Außenminister und Vizekanzler Alois Mock und Langzeitchefredakteur der „Presse“, Thomas Chorherr. Da war Guiseppe Verdis Triumphmarsch aus „Aida“ gerade recht.

Adamovich, Freund von „t.c.“ seit dem Akademischen Gymnasium, nahm sich kein Blatt vor den Mund: „Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention garantiert dieses Grundrecht der Pressefreiheit, aber es bringt in der Ausübung Pflichten und Verantwortung mit sich . . . Verantwortung kann nicht immer nur auf Gerichtsebene abgehandelt werden. Aus diesem Grunde hatte man einst den Presserat geschaffen. Es gibt ihn nicht mehr!“ Chorherr war lange Zeit Vorsitzender dieses Gremiums freiwilliger Selbstkontrolle der Zeitungen. Die ist längst aus dem Ruder gelaufen. Adamovich, auf den „Fall Arigona“ anspielend: „Jetzt wird von einem Bundesasylgerichtshof gesprochen. Es gibt immer noch einen Verfassungs- und einen Verwaltungsgerichtshof! Das hat sich leider noch nicht bis zu den Medien herumgesprochen!“


Aber nicht nur der Journalist aus Leidenschaft, Chorherr, der „seiner“ Zeitung auch heute noch die Treue – als Kommentator – hält, hat in seiner langen Karriere für seine Alma mater Ehre eingelegt. Auch der Berufspolitiker Alois Mock, der tapfer gegen seine schwere Krankheit ankämpft. Professor Walter Rechberger (ein stolzer Mostviertler wie der Jubilar), erinnerte an die Wegzeichen, die Mock unverrückbar aufgestellt hat: Die Südtirol-Streitbeilegung; der Beitrittsantrag Österreichs in Brüssel 1989; der EU-Beitritt Österreichs mit 1. Jänner 1995; und der unvergessliche 27. Juni 1989, als Außenminister Mock mit seinem ungarischen Amtskollegen den „Eisernen Vorhang“ an der Grenze im Burgenland symbolisch zerschnitt. Es war der Beginn des Prozesses der europäischen Wiedervereinigung nach Jahrzehnten brutaler Trennung durch den Kommunismus.

Wir sahen neben den Familienmitgliedern der Geehrten die Ex-Politiker Herbert Schambeck, Bernhard Görg, Peter Marboe, Josef Höchtl, Werner Fasslabend, die Diplomaten Wolfgang Wolte, den Ex-Botschaftsrat der USA in Wien, Felix Bloch, die journalistischen Wegbegleiter Hubert Feichtlbauer, Peter Bochskanl, Erich Witzmann, Inge Faseth, Sektionschef Wolf Frühauf, Frau Antonia Sallinger, Josef Fröhlich, den früheren Siemens-Chef Walter Wolfsberger . . .

Dass bei solch feierlichen Anlässen auch die Probleme der Zunft nicht zu kurz kommen, dafür sorgte bereits eingangs Dekan Heinz Mayer: Die europaweit „mit einer Welle der Begeisterung“ geplante Studienreform sei „für unser Jusstudium nicht geeignet“. Ein dreijähriger Crash-Kurs mache noch keinen kompetenten Juristen, gerade in einer Zeit, die immer mehr umfassendes Wissen verlange. „Eine Uniformierung und Modularisierung wünschen wir uns am allerwenigsten.“

AUF EINEN BLICK

Sie beendeten 1957 ihr Jusstudium in Wien: Thomas Chorherr, Alois Mock, Kurt Neu-teufel, Georg Weißmann, Rudolf Haselberger, Franz Loicht, Leo- pold Vavra, Josef Demmelbauer, Klaus Galle, Helmuth Würth.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2007)

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