„Diagnose: Arzt“: Disco, Disco! Patient, Patient!

Omar Sarsam operiert Kinder und bespaßt Erwachsene im Theater. Und das geht sich nicht nur aus, es „potenziert sich sogar“.

 Omar Sarsam spielt demnächst „Diagnose: Arzt“ im Kabarett Niedermair.
 Omar Sarsam spielt demnächst „Diagnose: Arzt“ im Kabarett Niedermair.
Omar Sarsam spielt demnächst „Diagnose: Arzt“ im Kabarett Niedermair. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Treffen sich zwei Kamele, beide explodieren.“ Das funktioniert nicht. Also bei Omar Sarsam schon, der mag Antiwitze, aber seine Patienten mögen sie nicht so gern. Der 35-jährige Arzt arbeitet als Kinderchirurg und Kabarettist. War das eine Berufung, ist ihm das andere passiert. Über einen Umweg zum Musical kam er während der Studienzeit zum Kinder- und Improvisationstheater bei Michaela Obertscheider, die auch heute noch für ihn Regie führt. Bald war klar, dass er eigentlich ganz lustig ist. „Ich bin bekannt für mein Geblödel“, sagt er. Musikalisches Nonsens-Kabarett ist also sein Metier geworden, inspiriert von der Medizin.

Mit seinem neuen Soloprogramm, „Diagnose: Arzt“, will er den „überzogenen Respekt vor dem Doktor, der so eine dicke Wand aufbaut“, abbauen. Ärzte sind nur Menschen. Manchmal sogar sehr ängstliche Menschen, die an einem alten Klischee nagen, wonach sie erstens alles und zweitens alles ganz schnell wissen müssen. Ähnlich schwer, wie sich der Arzt tut zuzugeben, dass er keine Antwort hat und nachfragen muss, tut sich der Kabarettist vor einem kleinen Publikum.

„Bei 10.000 Leuten ist die Wahrscheinlichkeit noch größer, dass jemand lacht.“ Omar Sarsam kennt sich mit dem großen Publikum aber schon ganz gut aus. Mit seinem YouTube-Hit „Disco, Disco! Party, Party!“ absolvierte er zusammen mit seinem Kollegen Marc Bernhuber vulgo The Discoparty Brothers eine Clubtour. „Es ist lustig, weil es passiert ist.“ Dabei will er es aber auch belassen. Der Versuch, einen Nachfolger zu schreiben, wurde aus Lustlosigkeit eingestellt.

Im OP hört der Spaß auf

Omar Sarsams Publikum – im Spital, im Theater oder in der Disco – ist nicht sehr homogen, aber Chance hat man auf allen Seiten nur eine. Mit einem Witz lassen sich Kinderpatienten nicht beruhigen, erzählt er. „Begegnet man ihnen mit einem breiten Grinsen, merken sie schnell, dass etwas nicht stimmt, man etwas verbirgt. Kinder haben ein irrsinnig gutes Gespür.“ Eher helfe der ernste Blick, der ernst nehmende Blick, der sie zum Entspannen bringt. Er spreche auch fast nur mit den Kindern und fast nicht mit den Eltern, ziemlich egal, wie alt sie sind.

„Und ich spreche mit ihnen wie mit jedem anderen, so fühlen sie sich völlig zu Recht ernst genommen.“ Und dann hilft natürlich auch sein Humor. „Kinder auf einer rationellen Ebene zu fassen ist zwar möglich, aber wahnsinnig schwer, mit Humor ist es einfacher. Wenn das Kind Unsicherheit oder Angst spürt, oder das Gefühl bekommt, dass der Arzt verunsichert ist oder Angst vor der Reaktion des Kindes hat, dann hat man seine einzige Chance vertan.“ Hier sieht Sarsam auch den Knoten zwischen beiden Berufen. „Alle Kinderärzte und Kinderchirurgen, die ich kenne, haben Humor.“ Außer beim direkten Kontakt mit dem Patienten kommt es aber zu wenig Vermischung. „Der Kabarettist hat in einer ernsten Situation, in der chirurgischen Arbeit, nicht viel Platz.“

Wie sich das alles in einem Leben ausgeht? „Es potenziert sich sogar“, meint er. Außerdem würden sich seine Texte wie von selbst unter der Dusche schreiben. Und an einer anderen Stelle spare er eine Menge Zeit. Seine Frau, die ihr zweites Kind erwartet, und er hätten keinen Fernseher. Ein Klavier seiner Großmutter ist stattdessen das zentrale Objekt seiner Wohnung, auf dem habe alles begonnen, und auf dem spielt er heute noch. Außerdem drücke ihm die chirurgische Arbeit nicht so auf die Seele, weil es in seinem Fachbereich viele Happy Ends gibt.

„Ich würde mir sehr schwertun, wenn ich nur mit Kindern zu tun hätte, die eine schlechte Prognose haben – das würde ich nicht schaffen.“ Vor allem müsse er als Vater dann aufpassen, dass er seinen Sohn nicht „unter dauerhafter intravenöser Antibiose in eine Schaumgummirolle wickle“.

Zur Person

Omar Sarsam. Der 35-jährige Wiener mit arabischen Wurzeln ist eineinhalbfacher Vater (die Nummer zwei ist auf dem Weg) und hauptberuflich als Kinderchirurg tätig. In seiner Freizeit steht er auf der Bühne, spielt Impro- und Kindertheater, in erster Linie aber Kabarett. Sarsam debütiert am 9. Februar mit seinem musikalischen Soloprogramm „Diagnose: Arzt“ im Kabarett Niedermair. Eher unabsichtlich produzierte er 2015 zusammen mit Marc Bernhuber den YouTube-Hit „Disco, Disco! Party, Party!“. Alle Termine unter www.omarsarsam.com.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2016)

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