Fotografie: Nackte, Stars und wilde Pferde

Manfred Baumann ist Österreichs Mann für Models, Missen und Berühmte. Nun zeigt er bei Leica Bilder aus 30 Jahren – und Mustangs im Museum.

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Manfred Baumann beim Aufbau seiner Ausstellung in der Leica-Galerie in Wien. – (c) Katharina Fröschl-Roßboth

Begrüßt wird man von Manfred Baumanns Ehefrau Nelly – beziehungsweise ihrer bloßen Kehrseite: Unbekleidet steht sie in der Wüste des Joshua-Tree-Nationalparks, sorgfältig in Szene gesetzt in einem Spiel aus Licht und Schatten. „Eines meiner Lieblingsbilder“, sagt Manfred Baumann – und dabei keine Überraschung. Akte sind eines der beiden großen Themen, mit denen man den Wiener Fotografen verbindet. Das andere sind Stars. Beides wird man in der Ausstellung in der Leica-Galerie finden.

Seit zwei Jahren fotografiert Baumann mit Leica, die Ausstellung „The Collection“ sei nun quasi der Kick-off für die Kooperation – und der Beginn einer Tour seiner Bilder durch Leica-Galerien von Singapur bis Los Angeles. Dort, in Amerika, vor allem in Los Angeles, ist Baumann gern und oft, auch das zeigen die Fotos. Da ist Drew Barrymore im Auto auf dem Weg zur Golden-Globe-Verleihung. Natalie Portman beim Tisch beim Filmfestival in Palms Springs, „wo die Stars ihre Reden für die Globes proben“, wenige Minuten, bevor sie auf die Bühne geht. Baumann unterrichtet dort und ist einer der wenigen Fotografen, die nicht nur auf dem Red Carpet, sondern auch drinnen fotografieren dürfen. „L. A. Stories“ heißt die Serie, „was eigentlich komisch ist, weil es ja Palm Springs ist“.

Angesichts der vielen Rufzeichen, mit denen seine Arbeit üblicherweise beworben wird, erzählt Baumann seine Geschichte erstaunlich wenig marktschreierisch. Wie er als Meinl-Verkäufer das Hobby (der Großvater hatte ihm die Kamera geschenkt) zum Beruf machte. Wie er sich ein Portfolio zusammenstellte und überall angeklopft hat, die ersten Bekannten zum Aktshooting bat („Mein großes Vorbild ist Helmut Newton“), die ersten Stars vor die Linse bekam. Die Ausbildung als Kaufmann sei rückblickend kein Nachteil gewesen. „Viele, die von der grafischen Seite kommen, können da draußen nicht überleben.“

 

Camper und Surfer

Die neue Schau zeigt nun einen Querschnitt aus 25, 30 Jahren: Bruce Willis' Eierkopf, nur von der Glatze bis zur Nase, fotografiert anlässlich einer Kinopremiere in Wien, „wir hatten 15 Minuten mit ihm im Hotel“ (Willis habe das Bild selbst recht cool gefunden, „weil ihn bisher kaum ein Fotograf halb fotografiert hat“). Aber auch ein analoges Bild von der Route 66, oder zerlemperte Campingwagen – Baumann und seine Frau reisen gern, sind selbst oft wochenlang mit dem Wohnwagen unterwegs. Auch Surfer fotografiert er mit großer Leidenschaft. „Wann immer es große Wellen gibt, sind wir auch dort“; CSI-Darstellerin und Surferin Jorja Fox steckt ihm üblicherweise, „wo sie sind“.

Kennengelernt hat er Fox bei einem Shooting im Auftrag eines Kinomagazins. Er bemühe sich aber auch stets um Kontakte zu Presseagenten und Agenturen, erklärt Baumann, wie das mit den Stars so läuft. Etwa so, dass er für eine Agentur deren neue Schauspieler porträtiert – und im Gegenzug die Berühmten in der Kartei ablichten darf. „Als Fotograf hat man die Ambition, dass deine Werke gesehen werden“, sagt er. Und Hollywoodstars seien dabei hilfreicher als heimische. Inzwischen kämen Agenturen oder Prominente auch selbst auf ihn zu. „Man weiß, wir sind unkompliziert, schnell, aber mit österreichischer Gemütlichkeit.“ Eben etwa durfte er den 100-jährigen Kirk Douglas in seinem Haus in Beverly Hills fotografieren. „Er hat mit 93 die letzten Pressefotos machen lassen und gemeint, er brauche neue.“

Im Herbst hat Baumann dann noch einmal eine Ausstellung in Wien – im Naturhistorischen Museum. Dort zeigt er Fotos amerikanischer Mustangs. Im „Stern“ hatte er eine Reportage über die Tiere gelesen, deren Lebensraum durch Viehzucht und Fracking bedroht ist. Tierschutz sei eines seiner Anliegen, sagt Baumann. Seine knappe Million Social-Media-Follower sei da kein Nachteil. „Da kann man zwischen den hübschen Damen den Leuten auch hier und da etwas bewusst machen.“

ZUR PERSON

Manfred Baumann (49) ist auf Porträt-, Akt- und Landschaftsfotografie spezialisiert. Seit zehn Jahren verbringt er regelmäßig Zeit in Los Angeles. Die Retrospektive „The Collection“ wurde gestern in der Leica-Galerie Wien eröffnet und läuft bis 27. September. Seine Mustangs kommen im November ins Naturhistorische Museum. Die Schau „Special“ über Menschen mit Behinderung ist gerade in Deutschland.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2017)

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