Häupl und das Wiener Wesen

Peter Ahorner ist stets auf der Suche nach der Seele unserer Hauptstadt. Nun hat er die besten Sprüche des Kultwieners Michael Häupl gesammelt.

Er schreibt Schimpfwörter auf, dichtet Wienerlieder und hat nun die Sprüche von Michael Häupl gesammelt: Autor Peter Ahorner.
Er schreibt Schimpfwörter auf, dichtet Wienerlieder und hat nun die Sprüche von Michael Häupl gesammelt: Autor Peter Ahorner.
Er schreibt Schimpfwörter auf, dichtet Wienerlieder und hat nun die Sprüche von Michael Häupl gesammelt: Autor Peter Ahorner. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Aalglatt war er nie, gemütlich vielmehr, verschmitzt vielleicht und auf jeden Fall nicht scheu. Rhetorisch hochbegabt. Da kam er manchmal mit der feinen Klinge, andere Male mit geistreichem Humor und oft auch nur mit dem Presslufthammer. „Er hat, wie der Wiener sagen würde, ,eine Goschn'“, fasst Peter Ahorner konzis zusammen. Und in diesem Fall würde der Wiener das über einen anderen Wiener sagen, einen Kultwiener gar, den langjährigen Bürgermeister Michael Häupl.

Dessen Sprüche waren ja schon zu Amtszeiten, man möchte sagen, legendär. Autor und Dichter Ahorner hat Häupls Sager nach ganz subjektiven Kriterien gesammelt und legt sie nun in Form eines Büchleins vor. Folgerichtig heißt die Sammlung „Man bringe den Spritzwein!“, Häupls bekanntester Satz rund um sein Identifikationsgetränk. Nie habe er sich gedacht, sagt Ahorner, „dass ich mal mit einem Politiker was mache. Aber ich habe es gern gemacht.“ Häupl, wo auch immer man politisch stehen möge, sei als Mensch eine spannende Erscheinung, habe er doch etwas Barockes an sich, ein Fiaker-Image, gegen das er sich nie gewehrt habe.

Bürgermeister Häupl, das Wiener Wesen also. Mit den Einwohnern dieser Stadt und ihren Eigenheiten beschäftigt sich Ahorner schließlich nicht erst seit gestern. Das „Wiener Wörterbuch“ (Ueberreuter) gab er schon heraus, er dichtet Wienerlieder für seine Lieblingsband „Die Strottern“.

Schimpfen mit schwarzer Poesie

Was ist der Wiener, was der Vorarlberger nicht ist, Herr Ahorner? Vorarlberger sind sicherlich fleißiger, fällt das Resümee des Mannes aus, der zwar in Bregenz auf die Welt kam, dort aber nicht aufwuchs. Also fleißiger, offener, freundlicher, vielleicht protestantischer, insgesamt eher Alaska als Süditalien. „Ja, den Schmäh haben sie nicht erfunden.“ Das hingegen hat Wien sehr wohl, aber dafür sei man hier einfach grundgrantig. Da stimmt einfach das Klischee.

Wenn Ahorner sich auf die Suche nach der Poesie des Wienerischen macht, dann hört er sich in den Konditoreien, wo die runden Tische stets eng beieinander stehen, die Nebengespräche an. Torte essend wird da meistens geschimpft, sagt der Autor, „der blöde Ehemann, die dumme Jugend, die unmöglichen Leute im Fernsehen“. Positiv seien die Dialoge selten, fasst Ahorner die Konditorei-Szene zusammen, und einmal habe er, aus Neugier über die mögliche Reaktion der Gäste, dort selbst ein lautes Gespräch mit einem Freund geführt. Vorher gut abgesprochen, versteht sich. So diskutierten die Männer in aller Ernsthaftigkeit bei Kuchen und Melange: „Wos mochma jetzt mit der Leich'?“

Morbider Humor, diese vielstrapazierte Charakterisierung Wiens, irgendwie stimmt auch das. Geschimpft wird hier deftig, weiß der Schimpfwort-Experte, aber sogar das hat bisweilen eine „schwarze Poesie“, etwas tiefsinnig larmoyantes. Was Ahorner jedenfalls nicht passt, das ist das Konstruierte am Wienerischen, Sätze und Bezeichnungen, die nicht organisch zusammengewachsen sind. „A Eitrige und a 16er Blech“, also die Käsekrainer und eine Dose Ottakringer, die Redewendung sei eher Humbug, die man deutschen Touristen aufschwatze.

Authentisch muss es also sein, so wie Häupl, der auch das Vorwort für Ahorners Sammlung verfasst hat: „Authentizität ist die Übereinstimmung mit sich selbst.“ Authentisch, und sicherlich auch schon Kult, ist im Übrigen ein weiterer: Karikaturist Michael Pammesberger, der Häupl für Ahorners Buch in verschiedenen Posen gezeichnet hat.

AUF EINEN BLICK

Peter Ahorner, Jahrgang 1957, ist Autor und Dichter. Die Band „Die Strottern“ vertonen seine Liedtexte. Erschienen ist von ihm unter anderem das „Handbuch der österreichischen Schimpfwörter“.

Neuerscheinung. „Man bringe den Spritzwein! Die legendärsten Sprüche von Michael Häupl“ erscheint am 17. September bei Ueberreuter, 10 Euro. Mit Zeichnungen von Michael Pammesberger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2018)

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