"The Governator": Schwarzenegger als Comic-Held

Schwarzenegger ist wieder im Unterhaltungsgeschäft: Als Comicfigur "The Governator" jagt er Gangster. Spider-Man-Schöpfer Stan Lee ist für die Produktion der Geschichte zuständig. Echte Rollen überlegt er auch.

(c) REUTERS (JEAN-PIERRE AMET)

Schon im Vorfeld hatte man sich bei der Fernsehmesse in Cannes auf den hohen Besuch eingestimmt – und online über die besten Schwarzenegger-Sager abgestimmt. „Hasta la vista, baby“ machte das Rennen, viel praktischer ist aber jener auf Platz zwei: „I'll be back.“ Das „Terminator“-Zitat dürfte derzeit wieder strapaziert werden, denn: Arnold Schwarzenegger kehrt wieder einmal zurück, zurück ins Showbusiness.

34 Jahre, nachdem er in Cannes seine Filmkarriere begonnen hatte – damals war er beim Festival gewesen, um seine Bodybuilding-Doku „Pumping Iron“ zu vermarkten –, trat er dort gestern wieder vor die Presse. Im biederen grauen Anzug präsentierte der Polit-Pensionist seine Idee, wie er die Unterhaltungswelt zurückerobern wolle. Als Comicfigur nämlich.

„The Governator“ ist ein etwas verjüngtes, faltenfreies Alter Ego Schwarzeneggers, das sich an jene Klientel wendet, die womöglich gar nicht mehr mit „Conan“ oder „Terminator“ aufgewachsen ist: an Kinder. Die halbfiktionale Hauptfigur ist sowohl Schwarzenegger als auch Superheld, ist mit Maria Shriver verheiratet, war ebenfalls Gouverneur. Der Unterschied: Mit Ausscheiden aus der Politik entscheidet sich „The Governator“ für eine Karriere in der Verbrechensbekämpfung. Er baut eine geheime Kampfzentrale unter seinem Haus (die in unverkennbarer Anlehnung an Batman „Arnold Cave“ heißt), ist mit „Super-Anzügen“ ausgestattet und macht Jagd auf die Bösewichte einer Ganovenorganisation mit dem fragwürdigen Namen G.I.R.L.I.E. Men.


Für die Produktion der Geschichte hat Schwarzenegger einen Veteranen des Geschäfts angeheuert: Stan Lee, den heute 88-jährigen Schöpfer von Spider-Man. Verbreitet wird sie quasi multimedial, sowohl als Fernsehserie als auch als Buch. Klingt altmodisch, ist es aber nicht. Comics haben im Buchhandel unter dem seriöseren Titel „Graphic Novels“ gerade einen neuen Siegeszug angetreten.

Für die Karriere nach der Politik hat Schwarzenegger offenbar schon länger vorgebaut. Schon als ihn die ersten politischen Beobachter „Governator“ zu nennen begannen, habe er sich den Titel schützen lassen, schreibt die „Financial Times“. Nun hat er damit Großes vor. Ihm sei es wichtig, „die ganze Welt“ anzusprechen, erklärte Schwarzenegger der „FT“. Er sei als einer der ersten Schauspieler von Kontinent zu Kontinent gezogen, um seine Filme zu bewerben. Dementsprechend soll wohl auch „The Governator“ noch im entlegensten Winkel laufen.

Nichtsdestoweniger reizt es den Steirer, selbst vor die Kamera zurückzukehren. Einige „großartige“ Drehbücher würden schon auf seinem Schreibtisch liegen. Fans setzen dabei auf einen fünften „Terminator“, während Schwarzenegger auch „True Lies 2“ ins Spiel bringt. Die Idee gebe es schon seit zehn Jahren, „doch dann kam der 11. September, danach wollte niemand einen Film machen, in dem es um einen Terrorangriff geht“.

Die Interessen der letzten Jahren hat er freilich nicht ganz ad acta gelegt. Ende März besuchte er mit Bill Clinton und James Cameron einen Nachhaltigkeitsgipfel in Brasilien. Und erst letzte Woche leistete er in London dem konservativen Premier David Cameron Schützenhilfe und radelte mit ihm brav auf Mieträdern durch die Stadt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2011)

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