Wenn der weiße Kittel langweilt: Das Ende der TV-Ärzte

Blut, Sex und hübsche Menschen in weißen Kitteln - Ärzteserien sind ein Erfolgsgarant. Doch Patrick Dempsey hat genug vom "McDreamy"-Image.

(c) AP (Miguel Villagran)

Es war ein Schock für alle Fans der Ärzteserie „Grey's Anatomy“: Frauenschwarm und TV-Chirurg Patrick Dempsey – besser bekannt als „McDreamy“ – erklärte im Sommer, Skalpell und weißen Kittel an den Nagel hängen zu wollen. Nach der achten Staffel wolle er die Serie verlassen – das erklärte er in einem Interview mit der italienischen „Vanity Fair“: „Es war eine große Sache für mich, ein Teil meines Lebens, aber jetzt habe ich genug“, so Dempsey. Viel lieber würde er in Actionfilmen mitspielen.

Im Sommer war er dann tatsächlich auf der Kinoleinwand in der Fortsetzung der „Transformers“-Reihe zu sehen. „Ich hoffe, damit kann ich mich in einer Action-Situation zeigen, in der ich nicht der Mister-weinerlich-Arzt-Kerl bin“, sagte der Schauspieler damals. Auch von der Rolle eines Comic-Helden träumt der 45-Jährige. Bei der Verfilmung von „Doctor Strange“ würde er gern den ehemaligen Neurochirurgen spielen, der als Magier gegen Bösewichte kämpft und andere Superhelden berät.

Und dennoch zieht es Dempsey wieder in die klinisch reine Krankenhausatmosphäre zurück – ganz aufgeben will der Schauspieler die Rolle des Frauenschwarms Derek Shepherd wohl doch nicht. In einem Interview mit dem US-Magazin „TV Guide“ vor wenigen Tagen widersprach er seiner Aussage vom Sommer: „Ich habe eine Familie zu ernähren, also warum sollte man nicht darüber reden weiterzumachen? Die Frage ist, ob ich eine ganze Staffel mache, nur eine halbe oder überhaupt weiterdrehe.“ Allerdings: Er habe jede Menge andere Projekte, die er gern verfolgen würde – Autorennen fahren oder Filme drehen. „Aber wenn ich alles auf die Reihe bekomme, warum nicht?“ so Dempsey.


Der Job als TV-Arzt scheint also seinen Reiz verloren zu haben. Damit steht Patrick Dempsey nicht allein da. Auch Hugh Laurie, der den zynischen Dr. House in der gleichnamigen Serie spielt, konzentrierte sich in den letzten Monaten eher auf sein Musikdebüt als auf Diagnosen. In einem Interview deutete Laurie an, dass seine Zeit als Hauptdarsteller in der US-Serie zu Ende gehen könnte. Er sei nur bis zum Ende der achten Staffel engagiert, die im Sommer 2012 abgedreht werden soll. Das Ende der Staffel könnte auch das Ende der Show bedeuten. „Es scheint so zu sein, dass die Lebenserwartung für erfolgreiche Serien in etwa acht Jahre beträgt“, so der Schauspieler zur „Frankfurter Allgemeinen“.

Und tatsächlich: In den USA sinken die Quoten. Der Misanthrop ist lange nicht mehr so beliebt, wie er es zu Beginn seiner Karriere vor acht Jahren war. Neben Laurie hat „Dr. House“ im Übrigen auch der Schauspielerin Olivia Wilde zum internationalen Durchbruch verholfen. Wilde, die in der Serie Dr. Remy Hadley verkörpert, spielte zuletzt in den höchst erfolgreichen Hollywoodfilmen „Cowboys & Aliens“ und „In Time“ mit.

Der Trend, Stethoskop und Skalpell für neue Schauspielprojekte aufzugeben, macht sich auch im deutschsprachigen Raum bemerkbar: Die witzige Krankenhaus-Show „Doctor's Diary“ wurde im Oktober nach drei Jahren eingestellt. Diana Amft, alias Margarete Haase, schaffte als Assistenzärztin ihren Durchbruch. Jetzt ist sie in zahlreichen Filmen wie etwa „Moppel-ich“ zu sehen. Ihre Schauspielerkollegen Kai Schumann und Florian David Fitz sehen sich auch lieber ohne weißen Kittel auf der Leinwand. Der ehemalige Oberarzt Marc Meier war zuletzt im Kinofilm „Männerherzen“ zu sehen.


Für einige „Doctor's Diary“-Fans ist das Ende der beliebten Serie unverständlich: Sie verfielen sogar auf die Idee, eine Petition an den deutschen Bundestag zu richten, um die Absetzung zu verhindern. Das Image des Weißen-Kittel-Trägers werden Schauspieler also so schnell nicht los. Gerade deshalb könnte sich Dempsey so vehement gegen die „McDreamy“-Rolle wehren.

Neue Serien in den USA Seite 25

Auf einen Blick

Ausstieg auf Raten. „Grey's Anatomy“-Schauspieler Patrick Dempsey will seinen weißen Kittel langsam, aber doch an den Nagel hängen. Die Frage sei, ob er eine ganze Staffel mache, nur eine halbe oder überhaupt weiterdrehe. Auch Hugh Laurie, der den zynischen Dr. House in der gleichnamigen US-Serie spielt, deutete zuletzt seinen Ausstieg an. TV-Ärzte scheinen immer mehr an Reiz zu verlieren. Auch die deutsche Serie „Doctor's Diary“ wurde im Oktober nach drei Jahren eingestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.01.2012)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Wenn der weiße Kittel langweilt: Das Ende der TV-Ärzte

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.