Das zweite Haus der Stadt

Vor 20 Jahren kaufte die Pühringer-Stiftung das Palais Coburg, seit 15Jahren ist es Hotel. Ein Buch erzählt die Geschichte der Coburgs.

Chefin Karin Pühringer und Autor Günter Fuhrmann erkunden die Geschichte des Palais Coburg.
Chefin Karin Pühringer und Autor Günter Fuhrmann erkunden die Geschichte des Palais Coburg.
Chefin Karin Pühringer und Autor Günter Fuhrmann erkunden die Geschichte des Palais Coburg. – (c) Katharina Fröschl-Roßboth

Es ist ein seltsames Haus. Eines, dem man bis heute seine verschiedenen historischen Schichten ansieht. Eines auch, über das man letztlich nicht besonders viel weiß – vor allem über seine ehemaligen Bewohner. Er sei erstaunt gewesen, wie wenig über sie zu finden war, sagt Autor Günter Fuhrmann.

1898 hatte das Kulturmagazin „Alt-Wien“ die Frage nach dem zweiten Haus der Stadt gestellt. Nummer eins war klarerweise die Hofburg, Stammsitz der Habsburger. Nur ein Haus, im Sinn von Gebäude wie auch Adelsgeschlecht, so meinte man, käme für den zweiten Platz infrage: das Palais Coburg. Der spätere portugiesische König wurde hier ebenso geboren wie der erste Zar von Bulgarien der Neuzeit.

Dass sich Günter Fuhrmann, Jurist, Fremdenführer und Kulturmanager, just nun mit der österreichischen Nebenlinie des deutschen Hauses Sachsen-Coburg und Gotha beschäftigte, ist kein Zufall. (Gut) 20 Jahre ist es her, dass die Stiftung des Vermögensverwalters und Mäzens Peter Pühringer das Palais übernommen hat. Pühringer war da gerade nach Wien gezogen, wollte es ruhiger angehen, erzählt seine Tochter Karin. Doch dann habe sich der gelernte Bauingenieur in das Haus verliebt. „Und wenn mein Vater etwas macht, dann mit voller Kraft.“

Seit 15 Jahren ist das Coburg nun Luxushotel mit 34 Suiten. Dass es das würde, erzählt Karin Pühringer, war lang gar nicht klar. Noch während der Sanierung standen eine Nutzung für Wohnen oder Büros im Raum. Sie sei damals schon fürs Hotel gewesen, sagt die Architektin: „Um es als Ganzes weiterhin erlebbar zu machen.“

Das funktioniert teils natürlich über seine beiden Restaurants, Silvio Nickols Zweisterner und die Clementine (neu mit „Coburger“), und den Weinkeller auf Weltklasseniveau. Auch für Veranstaltungen steht das Coburg offen. Vielen sei gar nicht bewusst, dass über dem modernen, vorgesetzten Eingangsbereich, „der sicher eine gewisse Blockade darstellt“, ein idyllisch gepflegter Garten thront. In dem man übrigens für 125 Euro Decke und Picknick-Korb bekommt; jeden ersten Sonntag im Monat gibt es in den Prunkräumen einen Champagnerbrunch, im Winter Afternoon Tea.

 

„Ziel ist, das Haus zu öffnen“

„Das Ziel ist, dass wir das Haus öffnen“, sagt Pühringer, die mit ihrem Mann, einem Franzosen, auch ein Hotel am Fuß der Pyrenäen betreibt, wo man in steinernen Weintanks nächtigt. Das Buch über das „Haus der Könige“ sei Teil dieser Strategie. „Wir möchten den Wienern zeigen: Was ist dieses Haus überhaupt?“

Gut bekannt ist es schon im Iran: Während der Atomgespräche hatten Journalisten aus aller Welt das Palais wochenlang belagert – weil es lang nichts zu berichten gab, erzählten sie vom Coburg. Bis heute, schildert Pressedame Anita Resch, wollen iranische Gäste wissen, was ihr Außenminister in der Hand hatte.

Autor Fuhrmann hat viel im Ausland recherchiert – und stieß auf offene Türen. „Endlich interessiert sich jemand aus Österreich für unseren König Ferdinand“, sei der Tenor in Portugal gewesen, aus Bulgarien kamen Kamerateams zur Buchpräsentation. Im Mai soll dem Buch eine Ausstellung über die einstigen Bewohner folgen, im Herbst eine weitere über das Haus und seine Architektur. Fuhrmann wird zudem immer wieder Vorträge halten.

„Was mich besonders berührt, ist, wenn man hinter den Lebensdaten den Menschen findet“, sagt er. Das sei sein Ziel gewesen – und in vielen Fällen gelungen. Ferdinand Georg von Sachsen-Coburg etwa, mit dessen Hochzeit mit der vermögenden Maria Antonia Koháry der Aufstieg des Hauses begann, habe sich als „innovativer Manager und verantwortungsvoller Vater“ entpuppt. Die schönste Geschichte betrifft aber dessen spätere Frau. Von ihr meldete die Geheimpolizei, dass ihr der britische Botschafter auf dem Ball vor Beginn des Wiener Kongresses „in den Hintern gezwickt“ habe. Im Bericht eines französischen Grafen fand Fuhrmann ihre Reaktion: Sie habe sich umgedreht und dem Botschafter eine Ohrfeige gegeben.


Günter Fuhrmann:
„Haus der Könige. Das Wiener Palais Coburg“
Amalthea-Verlag
272 Seiten, 28 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2018)

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