Mein Samstag

Wie kommt man nur auf solche Ideen?

Interessanterweise sind es oft einzelne Szenen, die Filmemacher dazu veranlassen, einen ganzen Film daraus zu machen.

Kinobesucher in einem Kinosaal
Kinobesucher in einem Kinosaal
Kinobesucher in einem Kinosaal – (c) imago/Seeliger (imago stock&people)

Im Kino zu sitzen und sich zu wünschen, dass der Film nie aufhört, kommt nicht allzu oft vor. Wahrscheinlich ist das sogar das Schönste, was man über einen Film sagen kann. Wie viele kommen für so eine Auszeichnung schon infrage? Unter den österreichischen Streifen vielleicht „Indien“, „Das weiße Band“ oder „Revanche“. Und ganz sicher „Siebzehn“, der am 28. April ins Kino kommt. Was Regisseurin Monja Art mit ihrem ersten Langspielfilm gelungen ist, schaffen viele Filmemacher in ihrem ganzen Leben nicht – nämlich eine Atmosphäre zu kreieren, die einem das Gefühl gibt, wie in einem Tagtraum Teil der Handlung zu sein. Mit unvergesslichen Szenen, Dialogen und Charakteren. Wie sie wohl auf die Idee für diesen Film gekommen ist? Vielleicht verrät sie es ja irgendwann.

Das ist im Übrigen eine der häufigsten Fragen, die Regisseuren gestellt wird. Durchaus berechtigt, will man meinen. Bei all den verrückten Storys, die sie auf die Leinwand bringen. Auf die Handlung von „Pulp Fiction“, „7 Psychos“ und „The Lobster“ muss man erst einmal kommen. Erstaunlicherweise sind es oft einzelne Szenen, die Autoren veranlassen, einen ganzen Film daraus zu machen. Tom Tykwer beispielsweise hatte nur das Bild einer Frau vor Augen, die unter einem Bus liegt und nach Luft ringt. Daraus entstand „Der Krieger und die Kaiserin“. Aus einer Frau, die den ganzen Film durch das Bild läuft, wurde „Lola rennt“. Aus einem Mann, der Tausende Puddingpackungen kauft, um über eine Werbeaktion an genug Flugmeilen für den Rest seines Lebens zu kommen, ging „Punch-Drunk Love“ hervor. Über einen solchen Mann hatte Regisseur Paul Thomas Anderson in der Zeitung gelesen.

Schon erstaunlich, aus welch banalen Ereignissen und Nachrichten großartige Filme werden können. Und irgendwie auch beruhigend. Zu wissen, dass niemand aufwacht und einen fertigen Film im Kopf hat. Dass Kreativität nicht einfach da ist, sondern erst entstehen muss. Wie eigentlich alles Schöne im Leben.

E-Mails an: koeksal.baltaci@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2017)

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