Mein Dienstag

Aus dem Urlaub

Unhöflich war in Tokio nur der weiß getünchte Roboter „Pepper“.

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(c) REUTERS

Jetzt, da alle wieder zurück sind, die friedsame Ausnahmesituation am Strand hinter sich gelassen und sich der Realität gestellt haben, wie sich ein frech gewordener Fünfjähriger reuig seiner Mutter stellt, jetzt also könnte ich mal fragen: Wie oft seid ihr heuer für Australier gehalten worden? Ich nämlich fast gar nie, und so kommt es mir vor, dass die Menschheit langsam von sich aus begreift, dass wir ein eigenständiges Land ohne Tropenklima sind – und nicht erst nach langen, mühseligen Ausführungen über Mozart und Berge und Punschkrapfen und, wenn alle Stricke reißen, Arnie. Während einer Reise in Südamerika vor einiger Zeit hat sich der Reiseführer einfach nicht mit Austria abfinden können und mich bei jeder Gelegenheit nach Australia hinfantasiert, bis ich irgendwann nicht einmal mehr in Gedanken protestiert habe. Später stellte sich heraus, dieser Reiseführer war schon einmal in Wien, und da fragt man sich natürlich, wie sich dessen Reisebuchung im Detail gestaltet hat.

Ich selbst habe diesen Sommer ein bisschen Zeit in Japan verbracht – ein schönes Land mit enorm höflichen Umgangsformen, und aus Wien kommend ist das natürlich eine Irritation zweiten Grades. Unhöflich war in Tokio nur der weiß getünchte Roboter „Pepper“, der in Verkaufsräumen eingesetzt wird, und der mir an zwei verschiedenen Orten über den Weg rollte. Zu meiner tiefen Enttäuschung hat Pepper sowohl mein „Hello“, als auch mein „Hello, Pepper“ entweder nicht verstanden oder selbstgefällig ignoriert, jedenfalls hat mich das elektronische Wesen aus grün funkelnden Augen angestarrt, woraufhin ich auch keine Lust mehr auf Plauderei hatte.

Das Schöne an Japan ist ja, dass sich die Leute richtig freuen, wenn man ihr Geschäft betritt, interessiert herumschaut und etwas kauft, oder auch nicht. Nach meiner Rückkehr war ich in der Filiale einer Bäckereikette in Wien, und darüber hat sich niemand gefreut, die Verkäuferin schon gar nicht. Ein schnelles „Wer ist der nächste?“, ein hastiges „Und außerdem?“, schon hat man das Wechselgeld in der Hand und hat auf das Lächeln vergessen.

E-Mails an: duygu.oezkan@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2017)

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