Kolumne zum Tag

Was das Beisl vom Haberer mit Bethlehem zu tun hat

Eine kleine Gaststätte hat in Österreich völlig andere Wurzeln als in Deutschland.

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Themenbild: Beisl – (C) Clemens Fabry

Dazulernen ist schön. Dass etwa der Haberer sich nicht von der Berufsbezeichnung des Haferbauern ableitet, ist ein Erkenntnisfortschritt. Der – der Haberer, nicht der Erkenntnisfortschritt – hat nämlich jüdische Wurzeln. „Haver“ oder „chaver“ steht im Hebräischen für den Freund, Gefährten oder Genossen und machte über das Jiddische seinen Weg zum Kumpel. Möglicherweise ging aus dem ostösterreichischen Hawara (Übersetzung für Nichtwiener: Haberer) irgendwann auch der Habschi (Freund in vielerlei Variationen, vom abwertenden Kerl bis zum Geliebten) hervor. Wie auch immer, sollten Sie mit einem Haberer oder Habschi demnächst im Beisl sitzen, können Sie ja mit diesem Hintergrundwissen ein nettes Gespräch starten. Apropos Beisl, vermutlich haben Sie sich auch schon häufig die quälende Frage gestellt, wo denn dieser Begriff für eine Gaststätte herkommt. Nun, auch das besungene Objekt in Peter Alexanders berühmtem Schlager „Das kleine Beisl“ hat seinen Ursprung im Hebräischen. Dort steht Bajit für das Haus, das sich über das westjiddische Bajis irgendwann zum Beisl mauserte. (Dann können Sie einwerfen, es ist ja bald Weihnachten, dass das Beisl sprachlich mit Bethlehem verwandt ist: Beth als Haus, Lechem als Brot – die „Stadt des Brotes“, also.)

Nun werden die bundesdeutschen Peter-Alexander-Fans einwerfen, dass es ja auch die Version „Die kleine Kneipe“ gibt. Stimmt, dieser Begriff hat allerdings keine Wurzeln im Nahen Osten. Er kommt ganz profan von der Kneipschenke – und vermutlich steckt dahinter das Kneipen, das mittlerweile zum Kneifen wurde und so etwas wie zusammendrücken bedeutet. Es ist also eine Schenke gemeint, in der man eng zusammengedrückt sitzen muss. Vielleicht sagt man in Wien zu manch kleinem Lokal ja auch deswegen Quetschen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2017)

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