Mein Freitag

Nicht nur Manfred trägt wieder Schnurrbart

Das mit den Einhörnern sei längst vorbei, heißt es.

Vollbart ist out, Schnurrbart wieder in.
Vollbart ist out, Schnurrbart wieder in.
Vollbart ist out, Schnurrbart wieder in. – EPA

Sie sind zwar noch überall zu sehen, egal, ob auf T-Shirts, Tassen oder Punschkrapfen, aber genau diese Überpräsenz bedeutet, dass es zu Ende geht mit dem Hype um Fabeltiere, die wohl die Sehnsucht nach mehr Magie und Regenbogen in einer unsicheren Welt erfüllen sollten.

Der Trend hat sich erstaunlich lange gehalten – Eule und Flamingo waren dagegen nur Strohfeuer –, und er hat nicht nur Kinder erfasst. Die erstaunlichste Wandlung war die des Einhorns selbst – das kluge, edle Tier, das sein Horn unbeugsam in die Welt reckte, mutierte letztlich zu einem kurzbeinigen Pummelpony mit Miniatur-Einhorn. Vielleicht auch ein Sinnbild, wie große Träume zurechtgestutzt werden, damit sie alltagstauglich werden. Und sich trotzdem nicht erfüllen.

Noch ein Trend scheint endlich vorbei zu sein: Nun, da bärtige Männer präsenter in der Werbung sind als früher nackte Frauenhaut, kann der Vollbart getrost für abgehakt erklärt werden. Denn es gilt die klare Regel: Wenn etwa eine Bank etwas für absolut angesagt hält, ist die Karawane schon längst weitergezogen. Diese Regel gilt allerdings nicht bei langem, wehendem Frauenhaar, das kommt nie aus der Mode und auch nicht aus der Werbung.

Aber jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit und eines guten Rasierers, bis Männer wieder bloßes Kinn zeigen. Dafür soll angeblich der Schnurrbart ein Comeback feiern. Wer sich noch an die Zeit erinnern kann, als junge Männer Herbert und Manfred hießen und jeder Polizist (der damals noch ein Gendarm war) einen Schnauzer trug, als Dienstkleidung sozusagen, wird dies schwer glauben können.

Aber noch etwas hätte man nicht für möglich gehalten: Sogar Pullover werden derzeit wieder in die Hose gesteckt. Ein Kurt Jara muss her, ganz rasch, jemand, der trotzig sein Leiberl flattern lasst, sonst nähern wir uns wieder recht beengten Zeiten.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2017)

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