Stadtbild

Wenn ein blinder Stadtfleck zum Blickpunkt wird

Der Verein Stadtschrift, seine Sammlung von Geschäftsaufschriften und seine Feuermauer-Zukunft.

Bald „Typografisches Museum“? Mollardgasse/Hofmühlgasse.
Bald „Typografisches Museum“? Mollardgasse/Hofmühlgasse.
Bald „Typografisches Museum“? Mollardgasse/Hofmühlgasse. – (c) Freitag

Gewiss, Enthusiasmus findet mitunter die erstaunlichsten Objekte seiner Begierde, von den seit Kurzem unter dem vielsagenden Label Brutalismus hofierten Betonstrukturen der 1960er und 1970er bis hin zum dieser Tage wieder einmal grassierenden Panini-Bilder-Sammelfuror in Sachen Fußball-WM. Die Begeisterung für möglichst kahle, möglichst leere, möglichst abweisende Feuermauern dagegen dürfte selbst unter den verwegensten Enthusiasten aller Stimmungslagen und Interessenrichtungen gegenwärtig noch kein Massenphänomen sein, und daran wird sich auf absehbare Zeit wohl nicht viel ändern.

Was den meisten behübschungsbedürftig oder einfach nur ein blinder Fleck im Stadtbild zu sein scheint, hat für den Verein Stadtschrift freilich großen Wert. Seit Jahren hat man sich dem Sammeln historischer Geschäftsaufschriften verschrieben, mit dem Ziel, den durch den Niedergang der Lokalversorgung heimatlos gewordenen Zeugnissen hiesiger Geschäftsidentität neue Geltung zu verschaffen – in einem „Typografischen Museum im öffentlichen Raum“. Und 2014 ist es auch gelungen, eine geeignete Fläche aufzuspüren, eben an einer Feuermauer, der des Sperlgymnasiums, Wien Leopoldstadt. Das Problem: Dieses Quartier ist nur ein Quartier auf Zeit – bis sich die dem Gymnasium benachbarte Baulücke mit einem Gymnasiumszubau schließt.

Eine weniger vergängliche Heimstatt haben die beiden Stadtschrift-Initiatoren, Birgit Ecker und Roland Hörmann, nun im unteren Mariahilf ausgemacht: an der Ecke Hofmühlgasse/Mollardgasse. Genehmigungen aller Art sind schon vorhanden, doch es fehlt am Geld für die Montage. Das will man nun via Crowdfunding lukrieren. Näheres unter https://wemakeit.com/projects/stadtschrift-mauerschau.

E-Mails an: wolfgang.freitag@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2018)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Wenn ein blinder Stadtfleck zum Blickpunkt wird

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.