"Wien in seiner Vielfalt sehen": Im Abo durch die eigene Stadt

Die Fremdenführerinnen Katrin Kadletz und Elisabeth Wolf wollen Wiener durch Wien führen. Ihre Kultur-Touren bieten sie nun im Abonnement.

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Manchmal, da treffen die richtigen Menschen mit den richtigen Ideen aufeinander. Und das, was vorher nur ein unausgegorener Wunsch war, ist plötzlich eine fertige Geschäftsidee.

Wobei, zuerst bestand in Fremdenführerin Katrin Kadletz eigentlich nur der persönliche Wunsch, Elisabeth Wolf besser kennenzulernen. Die beiden waren einander bei einem Frühstück mit einem gemeinsamen Kunden vorgestellt worden – und trafen sich umgehend auf einen Kaffee. Beim zweiten Treffen brachten sie ihre Ideen mit. Seit Jahren schon hatte Kadletz „eine Schiene für Österreicher“ im Programm. „Das wird immer sehr gelobt und nie gebucht“, konstatiert sie trocken. „Und dann jammern immer alle, dass diese oder jene Ausstellung schon vorbei ist. Aber ich kann ja nicht alle immer extra anrufen und fragen.“

Berufskollegin Elisabeth Wolf wiederum hatte in London eine Freundin besucht, die beschlossen hatte, sich „etwas Gutes zu tun“. Wolf dachte an einen Spa-Besuch, gemeint war ein Kulturklub. Auf eine der Touren durfte Wolf mit, es ging zu Christie's, Sotheby's und in zwei Galerien. Wolf hing an den Lippen des Guides – und war begeistert. „Da hab' ich beschlossen: Das mach' ich in Wien auch.“ Zumal hier Freunde immer wieder Interesse bekundet hatten, auf eine ihrer Touristentouren mitzukommen, „aber das geht halt organisatorisch nicht“.

Museen, Ateliers und Grätzel

Die Kombination der Ideen heißt nun Artissimi. Das Kunstwort haben sich die beiden ausgedacht, es soll in etwa für „das Beste“ stehen. Der Plan sind geführte monatliche Touren zu Kunst und Kultur im Abonnement. Konkret verstehen sie darunter Besuche in Ausstellungen, Galerien, Museen und Künstlerateliers, von Kunst im öffentlichen Raum und Architektur, kombiniert mit Grätzelführungen oder Spannendem, das in keine der Kategorien fällt, aber auf dem Weg liegt. Wie die Rosen im Volksgarten, die die beiden bei einer ihrer Probetouren ansteuerten.

Zum Auftakt etwa geht es um die Ringstraße und ihre Entstehungsgeschichte, inklusive eines Besuchs der zugehörigen Ausstellungen in der Secession („Zu modern für die erste Reihe“) und im Wien-Museum. Ende Oktober wird auf dem Weg in die Ausstellung zum US-Street-Fotografen Joel Meyerowitz im Kunsthaus unter fachkundiger Anleitung selbst fotografiert. Im November öffnet die römische Malerin und Tänzerin Lucia Riccelli ihr Atelier, im Mai gibt es eine „Fliedertour“ über den Zentralfriedhof. Denn auch vermeintlich Bekanntes nehmen die beiden ins Programm – wie den Stephansdom und seine Valentinskapelle, zum Valentinstag.

Wolf, ein „Mariazeller Gasthauskind“, hatte von klein auf „Gästen die Kirche oder die Schatzkammer gezeigt“, dann international in der Hotellerie gearbeitet. Kadletz ist die Führungsveteranin, seit zwölf Jahren arbeitet sie als Guide. Früher war sie in einer Reederei und in einer Containerspedition gewesen, kinderbedingt wechselte sie ins Controlling, wollte aber lieber wieder mit Menschen als mit Zahlen zu tun haben. Auf die Menschen und das, was auf dem Weg passiert, zu reagieren, hält sie denn auch für das Wichtigste. „Es gibt keine zwei gleichen Führungen. Wenn am Praterstern plötzlich 20 Nacktradler auftauchen, dann muss man darauf eingehen.“

Anders als in London, wo allenfalls ein Becher Kaffee im Gehen drin sei, wollen die beiden Führerinnen auch den sozialen Austausch pflegen. Jede Tour endet an einem Social Point, wo jeder noch bleiben kann, der mag. Ein Aspekt, der, wie sie glauben, vor allem für Expatriates interessant sein könnte. Nicht umsonst bieten sie die Führungen nicht nur auf Deutsch (Donnerstag und Samstag), sondern auch auf Englisch (Dienstag) an.

„Meine Vision ist, dass uns in drei Jahren die Institutionen von sich aus anrufen“, sagt Wolf. Als Konkurrenz zu museumseigenen Führungen sehen sie sich nicht: Man kombiniere ja immer, etwa Ausstellung mit umliegendem Viertel. Und nein, nicht alles sei spektakulär. „Es geht darum, Wien in seiner Vielfalt kennenzulernen.“

AUF EINEN BLICK

Artissimi wurde von den Fremdenführerinnen Katrin Kadletz und Elisabeth Wolf gegründet und bietet Wien-Führungen im Abo. Kunst verstehen die beiden dabei breit, bis hin zu Handwerksbetrieben. Das Abo umfasst zwölf Termine von September bis Juni für je maximal 20 Personen. Geführt wird mit Headset; in Zukunft sollen auch Spezialisten eingebunden werden. Kosten: 499 Euro für zwölf Führungen exklusive Fahrtkosten und Eintritte. Das Abo ist übertragbar, d.h. man kann es sich auch teilen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2015)

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