Amanshausers Album: Besprayungen

66 - Gespraytes an Wänden ist harmlos, nichts geht dabei kaputt. Besser als brennende Autos!

Fraglich. Sprühkunst oder Schmiererei: Über Graffiti sind Hausbesitzer in den seltensten Fällen glücklich. Der Stadtbewohner ist sonst tolerant gegenüber Bildern mit Botschaft.
Fraglich. Sprühkunst oder Schmiererei: Über Graffiti sind Hausbesitzer in den seltensten Fällen glücklich. Der Stadtbewohner ist sonst tolerant gegenüber Bildern mit Botschaft.
Fraglich. Sprühkunst oder Schmiererei: Über Graffiti sind Hausbesitzer in den seltensten Fällen glücklich. Der Stadtbewohner ist sonst tolerant gegenüber Bildern mit Botschaft. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Neulich hatte ich eine Debatte auf Facebook, eine dieser unseligen, bei denen man gleich erkennt, dass man auf verlorenem Posten steht – man kann ja angesichts der Person, auf deren Timeline man sich äußert, das Weltbild von deren Friends ungefähr einschätzen.

Es ging um Graffiti beziehungsweise „Schmierereien“ an Hauswänden. Zähne- knirschend, wie mir schien, unterschieden sie zwischen Graffiti-Kunst, die ihnen bekannt war, und „Beschmierungen“, die das Stadtbild „verschandelten“. Diese störten sie zutiefst. Der Tenor war, dass zu wenig dagegen unternommen wurde.

Spraykunst und kunstlose Besprayungen, sinnierte ich, stellen eine weit ver- breitete Strategie des zeitgenössischen Menschen dar, mit seiner Entfremdung im Wohnbereich und am Arbeitsplatz umzugehen. Meist sind es junge Leute, die auf diese Art rebellieren und den Herrschenden zeigen, dass deren Macht beschränkt ist, dass sie nicht alles hinnehmen. Fast überall ist Sprayen extrem populär, dachte ich, das saubere und herrschaftsgläubige Österreich liegt international ohnehin weit hinten. Nur Diktaturen (Nordkorea) unterbinden Graffiti effizient. Ich schrieb den Empörten in ihre Echokammer, dass man meines Erachtens gesellschaftlich vieles ­verändern solle, doch dass für mich der Kampf gegen Leute, die an Wände sprühen, eine absolute Nicht-Priorität darstelle. Die meisten Wände wirkten mit einem Farbpatzer doch sogar menschlicher. In jeder großen Stadt werde gesprayt, im urbanen Zusammenhang störe das nicht. Ich erntete – unter teilweise wilden Beschimpfungen – einen Antwortsturm zum Thema „Privatbesitz“. Ob ich als Eigentümer eines Hauses im Besprayungsfall nicht wütend wäre? Nein, erwiderte ich, Sprayer zerstörten ja nichts an meinem Haus, sie änderten nur sein Erscheinungsbild, und Graffiti seien brennenden Autos vorzuziehen. Bei den darauffolgenden Zorntiraden wandte ich höflich, ironisch und pro forma das eine oder andere ein, aber bald gab ich auf. Vielleicht waren einfärbige Mauern doch schützenswerter, als ich gedacht hatte. Vielleicht fehlte mir durch das dauernde Herumreisen dieses spezifische Empörungsgen.

www.amanshauser.at

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