Unterwegs

Eine Reise nach Jerewan: Auch im Winter ist es hier mild, in der Luft liegt Schaschlikduft – und das Land schöpft Hoffnung.

Jerewan mit Blick auf den Berg Ararat
Jerewan mit Blick auf den Berg Ararat
Jerewan mit Blick auf den Berg Ararat – Imago

Wer aus Moskau kommt, für den ist Armenien der ersehnte Süden. Beim Landeanflug dominiert sogar im Dezember das Grün über dem Grau, und wenn man ins Freie tritt, spürt man sofort die andere Welt: Hier lässt es sich auch im Winter ungebunden und herrlich tief atmen, ohne Schal, ohne Haube, ohne Handschuhe, es hat plus zehn Grad.

Sofort nimmt einen das südliche Flair gefangen: Der Tuffstein, aus dem Jerewan gebaut ist, taucht die Stadt in ein warmes Rotbraun. Die gutturale, melodische Sprache der Armenier kommt direkt aus dem Herzen. Der Duft von Schaschlik umwabert einen. (Dass gegrilltes Fleisch hier für Ausländer unaussprechlich Khorovats heißt, tut dem Genuss keinen Abbruch.)

Würde man den Mann fürs Leben suchen, so könnte man ihn in jedem Taxi finden. Denn anders als in Moskau reden die Taxifahrer nicht nur freundlich mit einem, sie sind bereit für kopflose Abenteuer. Heiraten? Wieso nicht! „Und dann lass uns nach Australien abhauen!“ (Austria, Australia, diesen Fehler machen sie auch hier.)

Damit ist man bei einem weniger schönen Thema, der ökonomischen Depression. Fast jeder der bindungswilligen Taxifahrer hat auch schon in Russland gearbeitet – auf dem Bau, als Fahrer, in einem kleinen Business, irgendwo. Sie sind zurückgekehrt, ihrer Familien wegen. Nun hoffen sie auf Nikol Paschinjan, den Revolutionshelden vom Frühling, der nach der Parlamentswahl vermutlich Premier wird. „Er ist einer von uns“, sagen die Armenier. Seine Last ist riesig: Er muss es nun besser machen als sie alle.

jutta.sommerbauer@diepresse.com

Nächste Woche: Oliver Grimm

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2018)

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