Alternative Investments: Investieren statt genießen

Edle Weine erleben seit Jahren sehr hohe Preiszuwächse. Man sollte jedoch breit streuen und gegebenenfalls auch bereit sein, den Wein selbst zu trinken. Denn um mit Wein zu handeln, braucht man Know-how.

(c) EPA (Frank May)

Wien. Weine, vor allem Bordeaux-Jahrgänge, haben in den vergangenen Jahren dank der wachsenden Nachfrage aus Asien extreme Preissprünge erfahren: Seit einem Jahr ist der Index „Liv-ex Fine Wine 100“, der die Wertentwicklung von 100 Investmentweinen widerspiegelt, um 20 Prozent gestiegen. Seit fünf Jahren haben sich die Preise mehr als verdoppelt. Das weckt das Interesse bei Anlegern, die sich angesichts niedriger Zinsen und sinkender Aktienkurse nach alternativen Investments umsehen. Bordeaux-Weine eigenen sich am besten als Investment, weil sie gut haltbar und weltweit sehr bekannt sind. Zudem werden sie nur in begrenzter Menge hergestellt.

Um mit Wein zu handeln, braucht man Know-how und einen geeigneten Weinkeller. Nicht nur die Temperatur muss stimmen. „Wenn man die Weine in einem Wiener Keller lagert, bei dem dauernd die Straßenbahn vorbeifährt, können die Erschütterungen die Qualität beeinflussen“, stellt Berndt May, Investmentbanker bei JP Morgan und Weinkenner, fest. Nur Weine, deren optimale Lagerung dokumentiert ist, halten ihren Wert.

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Steile Preiszuwächse

Das alles kann man jedoch in die Hände von Profis legen. Der Investmentbroker Bordeaux Traders mit Sitz in Wien etwa kauft im Auftrag von Anlegern Wein und kümmert sich um die Lagerung in einem britischen Zolllager. Nach ein paar Jahren werden die Weine nach Absprache mit den Kunden gewinnbringend verkauft– zumindest sei das bis jetzt immer so gewesen, sagt Robin Khanna, Geschäftsführer von Bordeaux Traders. Gekauft werden nur Weine, die eine entsprechend hohe Bewertung des tonangebenden US-Weinkritikers Robert Parker erhalten haben. Ab 10.000 Euro und einem Anlagehorizont von mehreren Jahren ist man dabei. Kleinere Investments zahlen sich kaum aus, da man die Weine kistenweise (sechs oder zwölf Stück) kauft und das Vermögen idealerweise streuen sollte. Will man in der absoluten Topliga mitspielen, sind auch 10.000 Euro zu wenig.

So wird eine Kiste (à zwölf Flaschen) Lafite Rothschild des Jahrgangs 2008 laut Bordeaux Traders derzeit um 15.500 Euro gehandelt. Vor zwei Jahren kostete sie 3650 Euro. „Die Preise steigen, weil die Weine immer seltener werden“, sagt Khanna. Eine Garantie, dass es in diesem Tempo weitergehe, gebe es allerdings nicht. Wie Gold wirft auch Wein keine laufenden Erträge ab; das Investment hängt allein von der Wertsteigerung ab.

Wer an eine wachsende Nachfrage nach Wein glaubt, aber nicht nur in so teure Tropfen investieren will, dem bleibt neben dem eigenen Weinkeller auch die Möglichkeit, in entsprechende Aktien, Fonds oder Zertifikate zu investieren. Ein von der Raiffeisen Centrobank aufgelegtes Basket-Zertifikat (AT0000454202) spiegelt die Kursentwicklung von 14 Wein- und Alkoholfirmen (etwa Remy Cointreau, Laurent Perrier, Baron de Ley, McGuigan Simeon Wines, Pernod-Ricard) wider. Dieses bewegt sich aber eher parallel zum Aktienmarkt als zu den Weinpreisen: In den vergangenen Wochen hat es deutlich verloren. Vorteil gegenüber Einzelaktien sei die relativ breite Streuung, stellt Philipp Arnold von der Raiffeisen Centrobank fest. Dafür bezahlt man mit der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs und der Dividende.

Eine Zeitlang wurden in Deutschland geschlossene Fonds aufgelegt, die Weine für ihre Kunden kaufen, lagern und nach Ende der Laufzeit ausliefern (oder gegen Aufpreis verkaufen). Diese Angebote sind selten geworden. Doch auch Bordeaux Traders liefert auf Wunsch aus: „Manche Kunden wollen selbst einmal wissen, wie die teuersten Weine der Welt schmecken“, schildert Khanna. Dann lassen sie sich eine ihrer Kisten oder auch nur eine Flasche zusenden.

 

Alternative: Selbst genießen

Bei der Frage, wie hoch der Weinanteil im Portfolio sein sollte, sind die Experten geteilter Ansicht: Während Khanna zu zehn Prozent aufwärts rät, beharrt JP-Morgan-Experte May auf „null Prozent zu Anlagezwecken“. Denn die Preise könnten genauso gut wieder fallen. Auch im Jahr 2008 gaben die Preise in kurzer Zeit stark nach, so manche teure Flasche verlor die Hälfte ihres Werts. Weine sollte man primär haben, um sie einmal zu genießen, meint er. Sollte es zu einem starken Preisanstieg kommen, könne man den Wein auch verkaufen. Falls nicht, trinke man ihn eben.

Was Sie beachten sollten bei... Wein

Tipp 1

Streuung. Da sich vor allem teure Bordeaux-Weine zum Investieren eignen und man die Weine kistenweise erwirbt, sollte man 10.000 Euro aufwärts für die Veranlagung zur Verfügung haben: Dann kann man das Investment über mehrere Jahrgänge streuen. Sollte der Preis für einen Jahrgang nicht so stark zulegen, wird das kompensiert.

Tipp 2

Anlagehorizont. Als Kurzzeitinvestment ist Wein nicht geeignet. Zwar steigen die Preise seit zweieinhalb Jahren. Das kann sich aber ändern– im Jahr 2008 kam es zu hohen Preisrückgängen. Dann sollte man Zeit haben, um diese Phase auszusitzen. Bei einer Behaltezeit von weniger als einem Jahr fallen zudem Spekulationssteuern an.

Tipp 3

Alternativen. Statt direkt in Wein zu investieren, kann man sein Geld auch in Fonds oder Zertifikate stecken. Dabei muss man unterscheiden zwischen Produkten, die Weinpreise abbilden, und solchen, die die Wertentwicklung von Weinaktien widerspiegeln. Letztere bewegen sich eher parallel zum Aktienmarkt als zum Weinpreis– zuletzt also nach unten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2011)

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